d06.jpgd10.jpgd18.jpgd07.jpgd02.jpgd01.jpgd19.jpgd04.jpgd08.jpgd21.jpgd14.jpgd11.jpgd13.jpg

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Heute ist also mal wieder ein Gerichtstag. Heute soll angeblich das Urteil verkündet werden, so wurde es unserem Anwalt vor etwa 5 Wochen am Telefon gesagt. In seiner Ladung für den heutigen Tag war dann allerdings zu lesen "zur Weiterführung der mündlichen Verhandlungen". Wir selbst bekamen keine Ladung für den heutigen Tag. Na ja. Die festgelegte Uhrzeit - 12:15 Uhr - finden wir dann aber doch vielversprechend, denn so kurz vor der Mittagspause kann nicht allzu viel geredet werden. Um 13:30 Uhr kommt Annette aus dem Bett. Du wirst sehen, es kommt wieder nicht zum Ergebnis, es wird wieder ein neuer Termin vereinbart. Die trauen sich einfach nicht und am Ende ist ihnen der Arbeitsplatz wichtiger als die Gerechtigkeit. Sie schieben die Sache so lange vor sich hin, bis sich die Sache irgendwie von selbst auflöst, warten, dass einer tot umfällt, dass die Halle abbrennt, wo der Panzer untergebracht ist, oder sonstwas. -- Um 14:45 Uhr dann der Anruf unseres Anwalts: Herbert klingt so komisch am Telefon, ist irgendwie so stumm. Sein Kopf hängt herunter. Annette dreht sich so zu ihm, dass er sie sehen muss; er hat sie wohl ganz vergessen. Dann zeigt er aber mit dem Daumen hoch und sagt ins Telefon: Moment, meine Frau schreibt die Zahlen auf. Er diktiert ihr zwei Summen, die beiden Streitwerte. Da weiß sie, was los ist. Nach einer Weile legt Herbert auf mit den Worten: Es ist vorbei. Wir haben gewonnen. -- Sag mal alles ganz von vorn, was hat er gesagt?, fragt Annette ihn. Und dann sagt er ihr, dass das Urteil heute endlich verkündet wurde, dass die von der Gegenpartei beantragte Revision abgelehnt wurde. Dass jetzt einzig noch die Möglichkeit für den Beklagten besteht, Beschwerde beim BGH einzulegen, weil die Revision abgelehnt wurde. Dass aber in 95% der Fälle eine solche Beschwerde abgelehnt wird, dass das BGH sich hauptsächlich um Fälle kümmert, die das Allgemeinwohl, die Öffentlichkeit betreffen. Keinen privaten Firlefanz. Jetzt müssen wir einen Monat warten, dass das Urteil rechtskräftig wird und ob der Beklagte Beschwerde einlegt. Wir könnten, mittels einer Bankbürgschaft von 110% der Gesamtforderung, die zu hinterlegen wäre, auch sofort vollstrecken. Wir sind ganz leer im Kopf, aber wohl doch erleichtert. Als allererstes schreiben wir einem Freund aus Hessen, der mit seiner Frau dreieinhalb Jahre lang mit uns gefiebert, gebangt und gehofft hat. Sogar verschiedene Gutachten und Gerichtsprotokolle hatten wir ihm zum Lesen geschickt, um seine Meinung als Außenstehender zu hören. Dann rufen wir die Familie an. Und gerade unsere eigenen Leute hatten uns immer am wenigsten Mut gemacht, fanden, dass wir uns in die Sache verrannt und eh keine Chancen haben. Einmal kam folgender Dialog zustande: Und was macht ihr, wenn ihr verliert? -- Das wissen wir noch nicht. Wir wollen nur erstmal ein Ergebnis. Wir haben keinen Plan B. -- Ach, na ja. Und wenn schon. Es trifft ja keine Armen. // Also das fanden wir damals ziemlich daneben, denn wenn wir so leichtfertig 45.000 EUR hätten verschmerzen können, hätten wir nie 3,5 Jahre lang prozessiert. Letztlich ging es uns um das Geld, um unser eigenes Geld, das wir wiederhaben wollten, nicht um irgendwelche Genugtuung oder Gerechtigkeit. Dann sitzen wir zusammen, Annettes Kopfweh ist plötzlich weg, und denken daran, wie es nun weitergeht. Denn so wie wir den Beklagten kennen, wird er ja nicht freiwillig zahlen, obwohl unser Anwalt da immer so optimistisch ist. Man muss sich den Beklagten so vorstellen wir Kurt Beck, den Ministerpräsidenten. Die Statur, die Größe, auch mit dem Bart und allem, spricht aber schwäbisch. Und fährt beim geringsten Anlass aus der Haut. // Jetzt kann Annette also die Flasche Portwein köpfen, die sie im März dieses Jahres, als wir Portugal verlassen mussten auf dem Weg nach Deutschland zu einem weiteren Gerichtstermin, gekauft hatte. Als dann am 2. Mai schon mündlich verkündet wurde, dass das Fahrzeug an den Beklagten zurückgeht, hatte sie sich gesagt, dass sie den Portwein trinken wird, wenn wir gewonnen haben. Ja, und so lange fahren wir nun schon mit der Flasche spazieren. Und noch haben wir das Urteil ja nicht in Händen. Und noch ist sie ja krank.  

back       |      next