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Sonntag, 03. März 2013



auf dem Weg nach Marrakech geht es über den Hohen Atlas

Wir sagen zwar immer, dass wir uns solche Gewaltritte nicht antun müssen, dass wir immer alles in Ruhe angehen lassen können, aber heute wollen wir uns wieder mal eine größere Strecke von 178km antun und direkt durchfahren bis Marrakech. Über den Hohen Atlas und einen Pass namens Tizi-n-Tichka auf 2.260m. Gegen Mittag fahren wir los.



in den Ortschaften geht es immer hoch her

Die Straße ist wieder richtig gut und wir können schön dahinrollen. Recht bald kommen wir wieder in eine der unzähligen Polizeikontrollen, doch diesmal hält man uns an und sagt, dass wir zu schnell gefahren seien. Auf diesem Abschnitt wären 60km erlaubt, wir aber seien mit 80km gefahren. Was wir eigentlich nicht glauben wollen, denn bei den vielen Kurven kann man gar nicht rasen. Man zeigt uns ein Gerät, wo unsere Fahrt aufgezeichnet ist. Sie - es sind zwei junge Polizisten - sagen, sie könnten es uns vorspielen, was wir dann aber ablehnen, um die beiden nicht zu vergrätzen und die Sache noch irgendwie retten zu können. Denn es heißt, dass nun 500 DH (45 EUR) Strafe zu zahlen seien. Einer der beiden - sie sind beide freundlich - spricht gut englisch und erklärt die Stufen, die die Strafmaße ergeben. 61km bis 79km drüber - 300 DH Geldstrafe; 80km bis 95km - 500 DH; 96km bis 105km - 700 DH. Wir hatten 80km drauf, also nur 1km zu viel, als dass wir noch in die günstigste Stufe gepasst hätten. Annette bringt all ihren Charme auf, ob man denn nicht eine Ausnahme machen könne, und wir seien doch das erstemal in Marokko und liebten das Land, und auch das erstemal in solche Kontrolle geraten usw. Der Polizist wiegt Herberts Führerschein, Pass, Fahrzeugpapiere hin und her in seinen Händen und sagt dann, na gut, 300 DH. Annette holt die Scheine, einen 200er und einen 100er. Er nimmt die Scheine und gibt ihr dann den 100er wieder zurück. Ach, das ist aber freundlich, dass wir am Ende mit 200 DH (18 EUR) aus der Sache herauskommen. Man wünscht uns eine gute Weiterfahrt und eine gute weitere Zeit in Marokko.



so viele Schafe auf dem Dach



wir müssen über den Tizi-n-Tichka auf 2.260m

Wir kommen durch mehrere Orte wie Amerzgane, Tiseldei, Agouim, bevor die Straße doch immer steiler und kurviger wird. Auch wird es immer windiger und kälter. Die Leute, die wie so oft zu Fuß am Straßenrand zu sehen sind, sind warm angezogen. Auch stehen viele Leute am Straßenrand, die Mineralien und Steine verkaufen, aber alles sieht so kitschig aus, meist knallrot (wahrscheinlich angemalt), dass garantiert alles aus China ist. Man hält dem Vorbeifahrenden immer zwei Hälften hin, die wohl genau aufeinanderpassen, aber durch die rote Farbe sehen diese beiden Hälften immer aus wie eine aufgeschnittene Wassermelone. Wir wollen und brauchen sowas jedenfalls nicht.



die Berge sind gewaltig


 


 


 



der höchste Punkt ist erreicht

Die Passhöhe von 2.260m ist ziemlich schnell erreicht und es wurde uns gar nicht so recht bewusst während der Fahrt, dass wir solchen Anstieg genommen haben. Wahrscheinlich waren wir schon auf einer gewissen Höhe. Jedenfalls sind wir jetzt auf dem höchsten Punkt der Strecke angelangt und es bieten sich unglaubliche Blicke auf die Berge des Hohen Atlas. Solche Naturgewalt haben wir noch nirgends gesehen, solch riesige Berge. Die Straße windet sich in tausend Serpentinen und wir können sie von oben sehen, wie sie sich an die Berge schmiegt. Annette gibt ihr bestes als Fotografin, denn Herbert hat nur ganz selten die Möglichkeit zum kurzen Anhalten. An Aussteigen ist gar nicht zu denken. Zweimal haut sie sich die Kamera ins Gesicht, weil der Phoenix so über Bodenwellen rumpelt. Nur gut, dass wir nicht in entgegengesetzter Richtung unterwegs sind nun kilometerlang immer bergauf müssten. Die schwerbeladenen LKWs, die uns entgegenkommen, schnaufen und quälen sich die Berge hinauf.



nun geht es kilometerlang bergab für uns



es ist eine wunderbare Fahrt



ein Blick in den Abgrund



so verläuft die Straße weiter

Als wir über einen Grat fahren und zu beiden Seiten den steilen Abgrund haben, dürfen wir nicht weiter darüber nachdenken, sondern einfach fahren. Zumal die Straße gar nicht eingefasst ist. Aus dem offenen Seitenfenster macht Annette Fotos von der Straße, die ganz weit unten liegt. Später wird sie auch etwas reisekrank, aber hierher kommen wir wohl nicht so bald wieder, und sowas sieht man ja nicht alle Tage.



wir dürfen nicht an den Abgrund denken, als wir über diesen Grat fahren


 



der Hohe Atlas hat seinen Namen zu Recht



Durchfahrt durch Taddert bzw. Taddart



die Landschaft wird jetzt deutlich grüner



alle müssen mit, und dann werden die Türen zugedrückt



ein Kuhtransport auf marokkanisch

Irgendwann liegen die Berge dann hinter uns, und es geht weiter durchs flache Land. Immer geradeaus nach Marrakech. Die Einfallstraße ist modern und mit vielen Laternen versehen. Auf Immobilienschildern sehen wir Preise wie 2.800.000 DH (252.000 EUR). Wir wollen zum Camp Le Relais de Marrakech und haben schon ein kleines Prospekt von diesem Camp; auf der Rückseite ist eine kleine Skizze der Wegbeschreibung dorthin. Aber irgendwie fahren wir dann in falscher Himmelsrichtung, bis wir jemanden auf der Straße fragen.



wir sind mittendrin in Marrakech

Der Marjane, der marokkanische Supermarkt, liegt nur 5km vom Camp entfernt, und wir wollen noch dorthin und dies und das kaufen, obwohl wir auch immer gern in den winzig kleinen Läden oder auf Märkten einkaufen gehen. Im Marjane ist der Teufel los, und zu so später Tageszeit (16:30 Uhr Ortszeit) sind wir eigentlich nie in Supermärkten. Wir kaufen dann mehrere Kilo Gemüse und Fleisch. Die Preise sind entweder spottbillig wie z.B. (alles Kilopreise) Grapefrüchte 7 DH (0,63 EUR), Erdbeeren 16 DH (1,44 EUR), grüne Bohnen 12 DH (1,08 EUR), Lammschulter 83 DH (7,47 EUR), Rindfleisch 100 DH (9 EUR), oder auch recht teuer wie ein Stück Butter 20 DH (1,80 EUR), ein 500g Brie-Käse 106 DH (9,54 EUR), ein 6er Pack Mineralwasser à 1L mit Gas 33 DH (2,97 EUR). Alles aus Marokko ist billig, aber alles andere ist teurer als in Europa. Um 17:30 Uhr erreichen wir das Camp Le Relais de Marrakech, wo es recht voll ist und wo die Wohnmobile dicht an dicht stehen. Wir stellen uns auf einen der drei Plätze im Eingangsbereich, die frei sind und die wohl keiner mag. Der erste Eindruck vom Camp ist ganz gut, haut uns aber auch nicht um, wenn man bedenkt, dass dieser Platz als einer der schönsten im ganzen Land gilt. Solche Einstufungen sind wohl doch immer sehr subjektiv, und bisher waren die laut Buch schönsten Camps nie so richtig nach unserem Geschmack. Abends kommt etwas Regen herunter. 



immer tiefer kommen wir in die Stadt hinein, denn wir fahren in falscher Himmelsrichtung auf dem Weg zum Camp

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