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Donnerstag, 07. März 2013



auf geht es nach Marrakech

Heute wollen wir uns ins Getümmel von Marrakech stürzen und uns erstmal nur die nördliche Medina vornehmen. Wir haben dem Rat des Münsterländers gefolgt, der gesagt hat, dass die Fahrt mit dem Moped für ihn ganz einfach und unproblematisch war. (Vom Camp, das 10km von der Stadt entfernt ist, werden auch Taxifahrten organisiert, für die man sich in eine Liste eintragen muss. Zu jeder vollen Stunde ein Taxi à 60 DH. Von einem Bus ist nirgends die Rede.) Und so fahren auch wir mit der Yamaha hinein in die Stadt, und wenn wir uns den Stadtplan so anschauen, so geht die Straße immer geradeaus, bis wir nach mehreren Kilometern einmal links abbiegen müssen. Auf diese Weise würden wir direkt am Hauptplatz der Altstadt, dem Place Djamâa el Fna bzw. Jamâa el Fna ankommen.



es herrscht ein unglaublicher Verkehr in Marrakech

Aber irgendwie haben wir die Größe der Stadt wohl unterschätzt und biegen viel zu früh nach links ab. Und nun müssen wir mal links, mal rechts abbiegen auf dem Weg zum Platz. Gott, was ist das für eine Fahrt. Von allen Seiten werden wir von Mopeds geschnitten, die kreuz und quer fahren. Herbert fährt an jeder roten Ampel bis ganz nach vorn, und dann brausen wir mit Vollgas los, sodass wir niemanden neben uns haben. Wir fliegen sozusagen durch Marrakech, und an die Gefahr, der wir uns aussetzen, dürfen wir gar nicht denken. Dann kommen wir an einen großen Platz, auf den wir fahren und anhalten. Sofort sind wir von etwa 20 abgerissenen und düsteren Gestalten umringt, die uns ansprechen, alle durcheinander. Da verstehen wir natürlich nix, oder doch: soviel wie work (Arbeit). Sehen wir aus, als hätten wir Arbeiten zu vergeben? Aber vielleicht ist dies der Platz, wo man Tagelöhner anheuern kann. Hier sind wir jedenfalls verkehrt und fahren weiter



Blick auf die Moschee Quessabine, in deren Nähe wir parken

Dann ist der Jamâa el Fna aber doch gefunden und wir parken ganz in der Nähe dieser Moschee. Ein Parkwächter kommt auf uns zu, schreibt mit Kreide eine dreistellige Nummer auf unseren Sitz und gibt uns einen Zettel mit dieser Nummer in die Hand. Dann wappnen wir uns für das Getümmel auf dem Place Jamâa el Fna, von dem wir schon einiges gelesen hatten und von manchen gewarnt wurden. Der erste Eindruck ist, dass der Platz doch recht große Ausmaße hat, dann hört man natürlich das pausenlose Gedudel der Tröten und das Schlagen der Trommeln, das Klappern der Wasserverkäufer. Alles ist verwirrend, und sobald man Herberts Kamera sieht, will man Geld fürs gemachte Foto, auch wenn er noch gar keines gemacht hat.



wir kommen auf den Hauptplatz der Medina, den Place Djamâa el Fna bzw. Jamâa el Fna



hier stehen unzählige Wagen, die Orangensaft oder Trockenfrüchte verkaufen



ruckzuck werden wir zu einem Glas Orangensaft überredet

Wir müssen uns erstmal ein wenig akklimatisieren, werden aber prompt zu einem Glas Orangensaft überredet. Na, wenigstens schmeckt der gut, auch wenn wir offenen Getränken eigentlich immer gern aus dem Weg gehen. Dann stürzen wir uns ins Getümmel der Gassen der Medina, aber was hier ganz anders ist als zum Beispiel in Meknès oder Fès ist, dass durch die engen Gassen Mopeds und Fahrräder fahren. Und zwar so, dass, wenn sie einen nicht gerade umfahren, so doch fast über die Füße. Einmal geht es so knapp aus, dass Herbert an sich herunterschaut, ob noch alles dran ist. Wir finden die Mopeds sehr störend; man läuft so angestrengt, vom Gestank der alten Zweitakter mal ganz abgesehen.



unser Gang durch die Medina Nord beginnt


 

Wie überall und in jeder Medina sind wir wie erschlagen vom Überangebot. Vor lauter Waren weiß man erst recht nicht, wofür man sich entscheiden soll bzw. meint man, dass einem die Waren ja nicht weglaufen, dass man die Sachen ja später immer noch jederzeit und überall bekommen kann. Die Messingsachen gefallen uns aber doch, besonders die Lampen. Na, wenigstens hat uns kein falscher Führer angesprochen, der uns durch die Stadt schleusen will. Wir bleiben den ganzen Tag für uns allein.



die gefärbte Wolle hängt in der Sonne zum Trocknen



es gibt manch schöne Ware



eigentlich ist immer Trubel, aber hier geht es mal beschaulich zu



wir steigen hinauf auf den Grand Balcon du Café Glacier auf dem Hauptplatz, dem Place Jamâa el Fna

Nach einem ersten Rundgang durch die Gassen der Medina kehren wir zum Place Jamâa el Fna zurück und wollen uns auf den Balcon des Cafés Glacier setzen. Das Spektakel von oben aus beobachten. Im schönen Treppenhaus lesen wir: Consommation obligatoire, aber das ist ja nur verständlich, dass nicht jeder hochrennen kann, Fotos schießt und dann wieder weg ist. Dann würde es hier oben zugehen wie unten. Dass man auch einkehren und etwas verzehren muss.



von oben können wir alles beobachten, bleiben aber selbst unbeobachtet

Hier oben ist dann noch reichlich Platz an den Tischen, auch geht es hier oben gelassen zu. Was man von unten nicht sagen kann. Das endlose Gedudel der Tröte, das vom Schlangenbeschwörer kommt, kann einen direkt einlullen. Wir sehen sogar einen Affen mit 'ner Pampers am Hintern und einem Halsband mit ganz kurzer Leine, die seinen eigenen Willen ganz zunichte macht. es ist schlimm, wie man in Marokko mit Tieren umgeht. Sie sind nichts weiter als Gegenstände, die zu funktionieren haben. Sie sind auch immer in ganz erbärmlichem Zustand.



Kutschen und Autos fahren über den Platz ohne Unterlass



Herbert liest im Reise Know-How

Wir lesen dann auch wieder ein paar Zeilen im Reiseführer. dort heißt es, dass sich der Name des Platzes in "Platz der Gehenkten" übersetzt, dass hier einstmal Verbrecher und Rebellen hingerichtet und ihre abgeschlagenen Köpfe so lange ausgestellt wurden, bis nur noch die kahlen Schädel übrigblieben. Grrr. Da geht es heutzutage amüsanter und lebhafter zu. Und es gibt hier nicht nur Gaukler aller Art vom Wasserverkäufer über den Schlangenbeschwörer, Akrobaten und Tänzer bis zu den Frauen, die Hennamotive auf Hände und Füße malen, sondern dient der Platz auch der Begegnung, des Handels und des Austauschs. Deswegen, und wegen seiner Einzigartigkeit, wurde er von der UNESCO in 2001 in die Liste der "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" aufgenommen.



hier pulsiert das Leben



wir wollen uns nochmal in die nördliche Medina stürzen



in diesem Viertel gibt es unzählige kleine Garküchen



die gegarten Schafköpfe stecken hochkant auf einem Holzpflock

Dann machen wir uns nochmal auf in die nördliche Medina, wo wir an diesen aufgespießten Schafköpfen vorbeikommen. Das fertiggegarte Fleisch liegt auch schon zum Servieren bereit. Es sieht eigentlich aus wie geräuchert, aber dann sehen wir diese Luke im Boden, durch die das ganze auf einem Pflock aufgespießte Schaf heruntergelassen wird in den Ofen. Von Rauch keine Spur. Aber um irgendwo eine Kleinigkeit zu essen ist es uns heute entschieden zu heiß bei 27°C. Nur gut, dass wir in Sandalen unterwegs sind, allein schon wegen der Schuhputzer, die uns sonst wohl keine Ruhe gelassen hätten. 



durch eine Luke im Boden wird das ganze Lamm in den Ofen abgelassen



direkt nebenan wird das zerkleinerte Lamm an Tischen serviert



wir kommen immer tiefer in  die Medina hinein



manches ist doch sehr orientalisch für unser Auge



nun sind wir im Holzviertel

Wir finden, dass es in der Medina von Marrakech doch recht kommerziell zugeht. In den anderen Städten waren zwischendurch immer auch Handwerker zu sehen, die gerade an irgendwas gewerkelt hatten. Die sieht man hier nur selten. Öfter heißt es Take a photo, no problem. Nachdem das Foto dann gemacht ist, heißt es, Money for the photo. You have to pay me. Das machen wir nicht, wir geben das Geld lieber den alten Frauen, die an Hausfassaden stehen, oder Leuten mit verkrüppelten Gliedmaßen. Irgendwie finden wir den Tag heute anstrengend, man wird doch sehr häufig von den Geschäftstreibern angesprochen. Und hätten wir nicht schon so viele andere Gesichter von Marokko gesehen, und hätten wir, wie die meisten der Marokkofahrer, mit der Atlantikküste angefangen auf unserer Rundreise, so wäre Marrakech ja eine der ersten Städte, die wir besucht hätten, gewesen, und wir hätten jetzt vielleicht einen ganz falschen Eindruck vom Land. Marrakech ist eben doch sehr touristisch. Eigentlich hatten wir uns Marrakech vorgestellt wie vielleicht Córdoba in Spanien, aber wir haben ja noch mehr Tage Zeit für die Stadt eingeplant und mal schauen, was wir da noch alles zu sehen bekommen. Auch wollen wir mal abends in die Stadt hinein. Wir laufen noch bis zur Moschee Ben Youssef, deren Minarett man von weitem zwar recht gut sehen kann, aber die komplett von einer Mauer umschlossen ist, sodass man praktisch gar kein Foto machen kann. Dann begeben wir uns zurück zum Place Jamâa el Fna, wo das Treiben nicht nachgelassen hat, Die Rückfahrt, also die richtige Route, die wir nun einschlagen, ist dann wirklich ganz leicht zu bewältigen, sodass wir uns auch morgen wieder mit der Yamaha in die Stadt wagen werden.



und immer wieder gibt es Lederwaren aller Art



in einem weiteren Viertel mit Garküchen kann man sich einer dieser kleinen Tajines essen



alle sind am Kochen und Zubereiten



es dampft und brutzelt überall



und überall wuselt es von Menschen



manchmal kann man keinen Schritt tun vor lauter Leuten in den Gassen



Braucht jemand einen Reifen? Wir können ihn dann mitbringen.



hier wird das Leder bearbeitet


 



Blick in einen der Innenhöfe



alles wirkt immer so chaotisch, hat aber wohl doch eine gewisse Ordnung (auf dem Dach stehen diverse Metallstühle)



im Lampenviertel gefällt es uns besonders; das Licht ist so heimelig



vorbei an den vielen Kutschen gehen wir zurück zu unserer Yamaha und fahren heim

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