d07.jpgd19.jpgd18.jpgd13.jpgd02.jpgd11.jpgd21.jpgd04.jpgd01.jpgd10.jpgd06.jpgd14.jpgd08.jpg

Freitag, 08. März 2013



mittlerweile fahren wir routiniert durch Marrakech

Wenn man den Herbert so auf der Yamaha durch Marrakech fahren sieht, und wenn man vor allem seinen blonden Kopf nicht sieht, weil der ja im Helm steckt, könnte man denken, er wäre ein echter Marrakchi. Er hat schon den gleichen rücksichtslosen Fahrstil wie die Einheimischen. Aber auf diese Weise kommen wir schnell an unser heutiges Ziel, das Kasbah-Viertel südöstlich vom Place Jamâa el Fna. Als erstes werfen wir mal einen Blick in den Marché couvert, den überdachten Markt, den wir uns dann aber ganz anders vorgestellt hatten. Edler und schicker vielleicht, denn die Mieten in Markthallen sind ja viel teurer als die Stände draußen auf der Straße. Aber alles hier wirkt armselig; es gibt hier hauptsächlich Lebendhühner und Fisch. Die Halle ist klein, aber selbst hier drinnen fährt man mit dem Moped durch die Reihen.



wir parken am Rosengarten



Blick in den Marché couvert - den überdachten Markt



in der Markthalle wird hauptsächlich Lebendgeflügel verkauft



wir laufen über den Place des Ferblantiers



in dieser Gasse geht es zu wie im Orient


 



in diesem Viertel werden Gewürze und Düfte wie Yasmin und Zedernholz verkauft



wir wuseln uns durch auf dem Weg zum Bab Agnaou

Über den Rosengarten und durch mehrere Gassen, wo Gewürze und Düfte verkauft werden, laufen wir nun zum Bab Agnaou, das als das schönste Tor der Stadt gilt. Es ist das einzige noch erhaltene Einlasstor von ehemals acht Toren ins almohadische Kasbah-Viertel. Auf dem Weg dorthin sehen wir das Kasbah Café mit Dachterrasse, wo man sehr hübsch sitzen kann. Da wollen wir später hin. Jetzt aber bewundern wir erstmal das reich ornamentierte Steintor mit übereinanderliegenden Hufeisenbögen. Wenn nur nicht schon wieder solche Hitze wäre; heute ist es ja noch heißer als gestern. Die frierenden Leser daheim wissen ja nicht, wie wir uns mit der Hitze plagen müssen.



Blick auf das Kasbah Café, wo wir uns später auf die Dachterrasse setzen wollen



Blick auf das schöne Bab Agnaou



von der Dachterrasse des Kasbah Cafés haben wir den besten Blick auf die Kasbah-Moschee

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Tor liegt die Kasbah-Moschee, 70 x 77m groß. Ihr Minarett aus Bruch- und Ziegelstein mit schönem Rautendekor galt die folgenden Jahrhunderte als beispielhaft für weitere Moscheebauten, so lesen wir im Buch, während wir auf einer Bank sitzen. Südlich der Moschee gibt es eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, die Saadier-Gräber, die uns aber nicht interessieren. Wir laufen stattdessen zurück zum Kasbah Café, wo man, als wir uns die Speisekarte anschauen, schon gleich um uns buhlt. Wenn wir nur auf einen Kaffee oder so einkehren wollten, so wäre das auch recht, sagt man uns. Und so marschieren wir die Treppe hinauf. Aber dann gefällt es uns oben gar nicht so sehr, alles ist viel zu fein. Und so macht Herbert nur schnell ein Foto und wir steigen wieder hinab. Über den Rosengarten gehen wir zur Yamaha zurück und wollen nun zu den Jardins de la Ménara, den Ménara-Gärten fahren.



immer geht es lebhaft zu - da geht es bei den Störchen hoch oben richtig beschaulich zu

Aber dann denken wir uns, dass jetzt nicht die richtige Tageszeit ist, um durch die Gärten zu laufen, dass die Mittagssonne zu stark ist und jedes Foto ruinieren könnte. Und so schnappen wir uns die Yamaha und fahren erstmal zum Place Jamâa el Fna, um dort mitten auf dem Platz zu parken, wie es die anderen ja auch tun, und von dort aus durch die nördliche Medina zum Musée de Marrakech zu laufen. Wir stellen die Yamaha zu den anderen Mopeds, werden aber ganz schnell von drei herumlungernden Männern belagert, die Geld fürs Parken wollen. Annette gibt dem einen 2 Dirhams in die Hand. Encore, sagt er. Er will mehr haben. Also nochmal 5 Dirhams in die Hand gedrückt. Dann fragt einer, wie lange wir hier parken wollen? Eine, zwei, drei Stunden? Herbert ist naiv genug, drei Stunden zu sagen. Also für drei Stunden wären ja wohl 10 Dirhams fällig. Da wird es dem Herbert zu doof; er nimmt dem Mann die drei Münzen (7DH) wieder aus der noch immer hingehaltenen Hand und sagt, dass wir wegfahren. Er nimmt seinen Helm wieder zur Hand, und Annette sagt, er solle nur ein paar Meter weiterfahren, sie würde schon hinterherlaufen. Als die Männer merken, dass wir es ernst meinen, sagen sie d'accord, okay okay, 7 Dirhams sind okay. Also bleiben wir doch hier stehen und geben ihnen die 7 Dirhams wieder. Als wir beim Weggehen sehen, dass wir direkt vor der Post geparkt haben, ärgern wir uns, dass wir auf solche Wegelagerei hereingefallen sind. Als würde den herumhängenden Leuten das Gelände vor der Post gehören. Jetzt genehmigen wir uns erstmal ein Glas Orangensaft auf dem großen Platz.



auf dem großen Place Jamâa el Fna müssen wir uns erstmal einen Orangensaft trinken

Irgendwie verheddern wir uns heute total in den Gassen der Medina, obwohl wir hier ja gestern schon waren und sogar am Museum vorbeikamen. Mittlerweile ist es 13:30 Uhr Ortszeit, es ist Freitag, Tag des Gebets, und so sind schon ganz viele der Läden in der Medina geschlossen. Es ist sehr ungewohnt, jetzt hier durchzulaufen, ohne dass man von Waren erschlagen wird. Auch sind die nackten Hausfassaden jetzt zu sehen, was gar nicht so schmeichelhaft ist. Nach mehreren Falschgängen erreichen wir dann aber doch das Museum und verschnaufen erstmal im kleinen Museumscafé im Innenhof. Hach, dieser Innenhof ist wie eine Oase nach der Anstrengung in der Hitze.



durch die nördliche Medina laufen wir auf dem Weg zum Musée de Marrakech



der Maulesel muss umkehren, und man zerrt an seinem Geschirr und Maul



heute am Freitag ist überall Ansturm auf die Moscheen



nach mehreren Irrgängen erreichen wir endlich das Museum



Blick in den hübschen Innenhof des Museums



im kleinen Museumscafé sitzen und rasten wir, bevor wir uns wieder ins Getümmel stürzen

Wir kaufen dann ein kombiniertes Ticket, das Einlass zum Museum und zur Medersa, der Koranschule, gewährt. 60 DH (5,40 EUR) pro Person, statt 50 DH Einzeleintritt. Ja ja, Marrakech ist ein teures Pflaster; sonst betrug der Eintritt fast immer 10 DH. Auch im Museumscafé hatten wir 40 DH für einen Minzetee und eine Cola zu zahlen, was sich anderswo so auf 16 DH beläuft. Dann sind wir im Innern des Museums. Alles ist schön restauriert, und die Restaurierung liegt auch noch nicht so lange zurück. Im Eingangsbereich hängen Fotos dieser Arbeiten aus dem Jahre 1997, vorher und nachher.



durch diese Tür kommen wir auf den 700m² großen überdachten Innenhof



Blick in einen der seitlich abgehenden Salons



diese gigantische Lampe hängt im Innenhof



Voilà, Blick in den Innenhof mit Lampe und Zeltdach

Um den 700m² großen Innenhof mit Marmor- und Mosaikboden gruppieren sich vier Salons. Der ursprünglich offene Hof mit drei Brunnenschalen ist heute von einem Zeltdach bedeckt, von dem eine gigantische Lampe hängt. Welch ein Prunk überall: Säulen und Böden voll feiner Mosaike, bemalte Stuckornamente, kunstvoll geschnitzte Zedernholztäfelungen und -decken. In den abgehenden Salons werden in Vitrinen Ausstellungsstücke wie Schmuck, Stoffe, Stickereien und Keramik ausgestellt.



in den Salons werden in Vitrinen Kunstwerke präsentiert



eine Pracht, wohin man schaut


 



man muss alle Zeit der Welt und noch mehr Geduld haben, um Fotos ohne Leute, die einem ins Bild laufen, zu machen



hier gelingt jedes Foto vor lauter Schönheit



wieder sind wir im Innenhof und verlassen das Museumsgelände



vom Museum aus sehen wir die Moschee Ben Youssef am besten, was uns gestern vor lauter Mauern nicht gelang



wir laufen die paar Schritte zur Medersa Ben Youssef

Dann laufen wir die paar Schritte zur Medersa Ben Youssef, der einst größten und bedeutendsten Koranschule Marokkos, die in einem der ältesten Gebäude der Stadt untergebracht ist. Auch hier ist alles erstklassig restauriert worden. Die Gründung dieser religiösen Lehr- und Wohnstätte, so lesen wir, geht auf die Meriniden im 14. Jahrhundert zurück. Die Medersa diente als Lehrstätte für theologische Studien und beherbergte vor allem Studenten aus ländlichen Regionen, die hier zwischen ihrem 14. und 27. Lebensjahr wohnten. Der Lehrbetrieb wurde erst 1960 eingestellt. Es gab einst 132 Zellen, die sich im oberen Stockwerk befinden und ganz spartanisch und vor allem klein, vielleicht 6 oder 8m² groß, sind. Dennoch wohnten jeweils zwei oder drei Stundenten darin.



im Innenhof der Medersa, der einst größten und bedeutendsten Koranschule des Maghreb


 



alle Seiten haben andere Verzierungen



diese Treppe führt zu den Kammern bzw. Zellen hinauf

Uns gefallen vor allem die reichlich verzierten Türstöcke aus Marmor; ein jeder hat eine andere aufwendige Dekoration. Im unteren Bereich kann man nicht genug haben von den mehrfarbigen Kachelmosaiken, Stützpfeilern mit Stuckkapitellen, Stuckornamenten und arabischen Schriftbändern mit den ewig wiederkehrenden Worten Friede und Allah (in Marmor gehauen) über den Mosaiken, Täfelungen aus Zedernholz und den Mashrabiya-Fenstern im oberen Bereich. Das Dach, typisch für religiöse Bauwerke, ist mit grünen glasierten Ziegeln versehen.



mehrere kleine offene Innenhöfe sorgen für Licht und Luft, selbstverständlich ist ein jeder anders gestaltet



die verschiedenen Türstöcke aus Marmor gefallen uns sehr

Als wir die Medersa verlassen, fragen wir jemanden am Eingang, in welcher Richtung wir zur Fontaine Echroub gehen müssen. Er zeigt in nördliche Richtung, aber schon spricht er jemanden auf der Straße an, der uns hinführen soll. No no no, sagen wir mehrmals. Wir wollen allein gehen. Aber abzuschütteln ist derjenige nicht. Wir sagen auch ihm mehrmals, dass er nicht mit uns mitlaufen soll; wir würden den Weg schon finden.



wir kommen zum Brunnen bzw. der Fontaine Echroub ou Chouf (16. Jh.)

Welche Enttäuschung, als wir dann am Brunnen ankommen. Im Buch klang alles so prächtig, wenn auch auf die Renovierungsbedürftigkeit hingewiesen wurde. Der Brunnen sei aus der Saadier-Zeit, 16. Jahrhundert, mit einem kunstvoll mit Ornamenten geschmückten Vordach aus Zedernholz versehen. Na ja. Aber nun will uns derjenige, den wir nicht abschütteln konnten, auch wenn wir es tausendmal versucht hatten, zum Gewürzgeschäft seines Bruders bringen. Wir lehnen ab und sagen, dass wir nun heimwollen. Aber wir müssten doch nun in das Geschäft gehen, quengelt er. Es wäre doch sein Bruder usw. Wir lassen uns aber nicht beirren und gehen in südlicher Richtung zurück. Jetzt will er Geld. Cinq Dirhams, pour manger, sagt er und hält die Hand auf. Non, sagen wir uns gehen weiter. Er lässt sich nicht leicht abschütteln, aber irgendwann bleibt er stehen, während wir weitergehen.  Dann spuckt er hinter uns aus. Bah, wie sich das anhört. Gottlob nur auf den Boden, aber genervt sind wir ja trotzdem. Sowieso ist Marrakech nicht unsere Stadt, alles ist hier so aggressiv, und wir wollen allenfalls noch einen einzigen weiteren Tag bzw. Abend in der Stadt verbringen.



jetzt nur schnell wieder zum Hauptplatz und heimwärts

Nur gut, dass der Weg zum Place Jamâa el Fna überall gut ausgeschildert ist mit blauen Schildern. Aber da kommt schon der nächste Depp des Wegs. Mit mehreren Gürteln in der Hand. Ob wir einen kaufen wollen? Non merci, ist unsere Standardantwort. Dix Dirhams, ruft er hinter uns her. Was? Nur zehn Dirhams für einen Ledergürtel? Dix Dirhams?, rufen wir ihm zurück. Oui, ja, sagt er. Daraufhin lassen wir uns die Gürtel mal zeigen. Es sei Kamelleder. Herbert probiert mal einen an, der aber viel zu lang ist. Pas de problème, sagt er und will schnell zurücklaufen in seinen Laden. Wir wollen ihm den zu langen Gürtel zurückgeben, aber auf dem Ohr ist er taub. Wir gehen ein paar Schritte mit ihm mit und sollen dann an einer Hausecke auf ihn warten. Ein toller Trick, uns den zu langen Gürtel da zu lassen, denn auf diese Weise können wir nicht weggehen, ohne den Gürtel sich selbst zu überlassen. Dann ist er zurück mit der richtigen Länge. Derweil hat Annette schon eine 10 DH-Münze parat. Jetzt fällt er natürlich aus allen Wolken, als wir ihm die 10 DH geben wollen. Dix Euro, sagt er und wird ungemütlich, als würden wir ihn verarschen wollen und nicht umgekehrt. Er wird aggressiv und laut, aber heute am Freitag ist die Medina recht ausgestorben. Wir geben ihm den Gürtel zurück und wollen dann eben gar nichts kaufen. Dix Dirhams, hatte er schließlich gesagt, und wir sind wirklich nicht zu blöd, das zu verstehen. Jetzt rennt er eine Ewigkeit mit uns mit, und die Sache wird uns langsam mulmig. Nach mehreren Gassen kommen wir auf einen größeren Platz, wo uns ein anderer Marrakchi anspricht, der uns deutsch reden hört. Er will mit uns ein paar Worte reden, während der andere immer noch quengelt. Mittlerweile ist der Preis auf sechs dann fünf und vier EUR gefallen. Wir wollen aber jetzt partout nichts kaufen. Wir gehen dann weiter, und es ist keine Menschenseele irgendwo. Der Verkäufer ist immer noch an uns dran und es wird uns langsam unbehaglich. Dann kommt wie aus dem Nichts eine Touristengruppe des Wegs, unter die wir uns mischen. Auf diese Weise können wir unseren Verfolger endlich abschütteln. Mei, was sind wir genervt. Jetzt können wir auch verstehen, dass manche Touristen sagen: Einmal Marokko und nie wieder. Dafür braucht man nur nach Marrakech zu fahren, um sich den Aufenthalt im Land verleiden zu lassen. 



auf dem Hauptplatz, dem Place Jamâa el Fna, werden schon die Stände der Garküchen für den Abend aufgebaut

Irgendwann sind wir dann wieder auf dem großen Place Jamâa el Fna, wo uns das Gedudel und Gegaukel jetzt gehörig auf den Geist geht. Vorbei geht es an den vielen Pferdekutschen, und die armen Pferde stinken so nach Pisse, als würden sie die ganze Zeit bis zum Hals darin stehen. Macht man das mit Absicht, damit die Fliegen nicht drangehen? Auch werden die Esel in den Eselgespannen wieder so mit Knüppeln angetrieben. Die Bekloppten, sagt Annette, können immer nur draufschlagen auf die Esel. Sollen sie ihren Scheiß doch selbst durch die Gegend ziehen, wenn sie es schneller können. Dann fällt uns ein, dass wir ja noch zu den Ménara-Gärten wollten. Mist. Aber jetzt sind wir dazu nicht mehr aufgelegt; wir wollen nur noch heim. Morgen wollen wir einen letzten Tag in Marrakech verbringen, einen Abend auf dem Place Jamâa el Fna, wenn die vielen Garküchen aufgebaut sind. Hoffentlich überstehen wir den gut. Wir sind dann froh, um 17 Uhr Ortszeit wieder auf dem Camp angekommen zu sein und erholen uns vom heutigen Stress.



als wir das Camp erreichen, laufen noch diese Kamele direkt vor dem Eingangstor vorbei

back       |      next