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Donnerstag, 22. Mai 2014



Selbstschuss mit Müllbeuteln

Die Nacht ist sehr unruhig für Herbert. Andauernd hustet er und kriegt keine Luft. Um 4:20 Uhr soll Annette ihm einen Tee kochen und auch eine neue Wärmflasche für seine eiskalten Füße machen. Er hustet blutige Brocken aus, aber er schafft es, eine ganze Tasse Tee zu trinken. Herbert redet so wirres Zeug, wie: Ich hab' die ganze Nacht ferngesehen. Ja? Ja, aber nur in meinem Kopf. Aber ich hab' alles ganz genau gesehen vor meinen Augen. Wie ein richtiger Film. Ich hab' ja die ganze Zeit hier gesessen. (Hat er gar nicht.) Oder: Mach' mal das große Licht an und guck' nach, ob ein Blutfleck auf dem Teppich ist. Warum soll denn da ein Blutfleck sein? Na, weil ich doch gespuckt hab'. (Hat er aber nicht.) Als die erste Tasse Tee leer ist, überredet Annette ihn schnell zu einer zweiten Tasse: Das Wasser ist noch heiß, das kocht jetzt ruckzuck. Sie macht den Tee extra zu süß, damit er besser runtergeht. Dann noch ein großes Glas Wasser und noch den Rest Wasser aus der Flasche. Immer rein damit. Du bist die beste Krankenschwester auf der ganzen Welt, sagt Herbert. Es ist ein ganz eigenartiger Moment, und er kann auch nur krächzen. Wir sitzen bis 5 Uhr früh und gehen dann erstmal wieder zu Bett. 



der Nachbarparklatz ist nach dem vielen Regen ganz verwaist

Um sieben ist Annette dann schon wieder auf den Beinen und schreibt alles auf, was wenige Stunden früher passiert ist. Herbert steht um halb elf auf; das erstemal nach vier Tagen. Machst du mir eine Apfelschorle? Aber ja. Und dann noch eine und dann noch ein Glas Wasser. Das Schlucken geht nicht so leicht, aber es geht. Vielleicht haben ja die vier Dampfbäder alles in seinem Rachen gelöst? Herbert ist natürlich extrem wackelig auf den Beinen, aber das schlimmste könnte er jetzt überstanden haben. "Die Karawane zieht weiter, der Sultan hat Durst", singt bzw. krächzt er. Seine Lebensgeister kommen zurück. Es ist sogar die Rede von einer Brühe mit ein paar Nudeln darin, die er gern essen würde. Die macht Annette ihm am Mittag. Dann geht sie mit zwei Müllbeuteln los zum benachbarten Parkplatz, weil es hier bei uns keine Mülltonnen gibt. Der andere Parkplatz ist etwa 1,5km entfernt. So, dann wäre das auch erledigt. Heute soll die Regenwahrscheinlichkeit bei 90% liegen, aber ab 10 Uhr hört der Regen auf für heute. Um halb drei legt sich Herbert wieder hin; er muss es jetzt alles langsam angehen. In den vergangenen Tagen erreichten uns manche emails mit Wünschen für eine gute Besserung für Herbert usw. Viele hatten sich bzw. uns gefragt, ob wir nicht besser einen Arzt hätten kommen lassen bzw. zum Arzt hätten gehen sollen? Also, so schnell gehen wir nicht zum Arzt, und der Herbert wäre wohl nicht mal daheim in Deutschland zum Arzt gerannt. Aber wer weiß, wie alles gekommen wäre, hätte er jetzt noch immer nicht mit dem Trinken anfangen können. Um 21 Uhr gehen wir zu Bett, hatten ja beide in den letzten Nächten nicht viel schlafen können. Kaum, dass wir liegen, setzt ein heftiges Gewitter ein. Die Blitze, die am Himmel zucken, blenden uns richtig. Und der Donner klingt gewaltig, als wäre er ganz nah. Ist er aber nicht; die Zeit zwischen Blitz und Donner ist sehr groß. Es kommt auch ein wenig Regen herunter.


 



jetzt kann es mit Herbert nur noch aufwärts gehen

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