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Mittwoch, 02. Mai 2012


so sehen Sieger aus

Die vergangenen Tage waren damit ausgefüllt, die Familie zu besuchen, zumal unser Schwiegersohn gestern noch Geburtstag hatte und wir alle miteinander im Biergarten saßen. Später kam dann noch ein Wolkenbruch mit Donnergrollen, sodass wir ins Innere des Gasthofes flüchten mussten. Nach einer nicht ganz so unruhigen Nacht ist heute also wieder ein großer Tag für uns, aber das hatten wir ja von jedem vorherigen Termin beim OLG auch immer gedacht. Stress haben wir noch, als auf der Rosenheimer Straße in München ein endloser Stau nach einem Auffahrunfall herrscht, sodass wir in letzter Not um 9:55 Uhr den Gerichtssaal betreten. Um 10 Uhr beginnt die Verhandlung mit der Vernehmung des letzten Zeugen, eines KFZ-Meisters, der im Sommer 2008 am Fahrzeug Gasleitungen ausgetauscht hat und dabei, wie er selbst aussagt, nur zwei kleine Flächen von 30x30cm und 40x40cm gesehen hat. Das hatte er auch schon vor dem Landgericht Traunstein ausgesagt. Und sobald seine heutige Aussage beendet ist, stellt Gutachter A klar, dass der Zeuge unmöglich die entsprechenden Schadstellen gesehen haben kann, und zwar diejenigen im Küchenblock, da die Schadstellen dort mittels Einlegeböden verdeckt waren. Der Zeuge wird entlassen, die drei Richter ziehen sich für eine kurze Beratung zurück und erscheinen nach einer recht kurzen Pause wieder. Sodann erklärt der vorsitzende Richter nach ein paar einleitenden Worten: "Das Gericht kommt zu dem Schluss, dass der Schaden lange vor dem Verkauf vorgelegen hat. Und das Gericht kommt auch zu dem Schluss, dass der Beklagte von dem Schaden wusste, und zwar nicht nur in geringem, sondern in erheblichem Maße. Das Fahrzeug geht an den Beklagten zurück." Anschließend wird ein Termin festgelegt (11. Juni), bis zu welchem entschieden wird, wieviel der von uns investierten Kosten (die etwa 10.000 EUR betragen) angerechnet werden. Bis dahin müssen wir anhand von Bankbelegen beweisen, dass die von uns vorgelegten Rechnungen auch tatsächlich bezahlt wurden. Denn die Gegenseite behauptet, dass keine der Rechnungen real ist. (Auf die Schnelle, vom vergangenen Mittwoch bis heute, konnten wir von unseren zwei Bankkonten nur die Bankauszüge von einem Konto vorlegen. Außerdem wird bis Juni ermittelt, wie hoch die Nutzungsgebühr für die Zeit, in der wir das Fahrzeug besaßen, sein wird. Gutachter A kommt auf eine Summe von etwa 1.200 EUR; die Gegenseite beharrt auf der absurden Forderung von 20.000 EUR. Zum Termin im Juni müssen wir nicht erscheinen, das sind ja nur noch Rechenaufgaben. Bis 23. Mai kann sich die Gegenseite schriftlich äußern zum heute gefällten Urteil, na, das werden sicherlich wieder 20 Seiten für den Müll. Um 11:30 Uhr ist die Sitzung beendet und wir fühlen uns ganz leer im Kopf. Kein Gefühl der Freude, der Erleichterung, der Genugtuung, der Gerechtigkeit, nichts davon spüren wir. Herbert fragt, ob wir irgendwo essen gehen wollen? Nein, bei der Hitze mag Annette nicht und überhaupt fühlt sie sich ganz taub.. Also fahren wir nach Brannenburg in die Eisdiele, sitzen dort bei einem Eis und rufen Herberts Tochter als erstes an. Als er ihr sagt, dass wir gewonnen haben, ist es plötzlich doch ein sehr ergreifender Moment für uns. Wie im Nebel fahren wir anschließend nach Rosenheim und stellen den geliehenen Polo zurück in die Garage, wo wir anderntags unsere Yamaha untergestellt hatten. Zurück auf dem Stellplatz in Bad Aibling lassen wir noch einmal alles Revue passieren und hoffen, dass sich vielleicht morgen eine Art Glücksgefühl einstellen wird.


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