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Freitag, 05. Juni 2015



heute findet man uns im Freibad von Bad Aibling

Bis halb zehn müssen wir warten, um auf unseren alten Platz aufrücken zu können. Die Badetaschen hat Annette längst gepackt, und dann kann es losgehen ins Freibad. So früh am Morgen ist es noch relativ leer, und so kann Annette gleich loslegen mit ihrer Schwimmstunde. Hach, wie schön, und wie gut sie im Wasser immer aufgehoben ist. Sie hat das ja noch nie erwähnt, aber im Alter von 6 Jahren war sie bei den Turmspringern (damals nannte man das noch so; heute Wasserspringen oder so). Drei Leute vom Turmspringen  kamen damals in die Schule, und dann wurden die großgewachsenen Kinder vermessen. Annette hatte als einzige ihrer Klasse die perfekten Maße, und so wurde sie zum Turmspringen geholt. Zwei- oder dreimal die Woche. An die allererste Stunde kann sie sich noch gut erinnern. Keiner von den vielleicht zehn Kindern konnte schon  schwimmen (das überließ man damals dem Schulschwimmen, wo man im Alter von 7 und 9 Jahren Schwimmunterricht hatte). Wir sollten alle vom 1m-Brett springen und würden dann an einem langen biegsamen Stock wieder an den Beckenrand gefischt. Und wer nicht freiwillig springt, den würde man vom Brett stoßen. Eine ganz schöne Überwindung, so als Nichtschwimmer. Man wurde entweder angebrüllt oder man hatte die Trillerpfeife benutzt. Annette kann sich auch noch an mehrere kleine Trockenbecken erinnern, die mit etlichen Schaumgummiwürfeln von vielleicht 1m³ gefüllt waren. Bis zum Beckenrand. Alles andere hat sie vergessen, aber etwa ein Jahr war sie bei den Turmspringern, hat dort auch das Schwimmen gelernt. (. . . der Körper bleibt an der Wasseroberfläche . . . die Hacken schauen aus dem Wasser . . . du bist doch keine Bleiente . . .) Mit dem langen Stock wurde so lange an einem herumgekrittelt, bis man perfekt schwimmen konnte. Heute schwimmt sie völlig mühelos und schnell wie der Wind. Ihr Vater hatte sie dann damals von den Turmspringern weggeholt, weil er nicht wollte, dass seine Tochter weiterhin so angebrüllt wird. Aber dieser barsche Umgangston war irgendwie normal, damals im Osten. Man wurde auch nie gefragt, ob man überhaupt zu den Turmspringern wollte. Annette wurde damals auch gleich weiterverschachert zu den Leichtathleten (Langstreckenläufer), wo aber Einzeltraining herrschte. Dort hat es ihr besser gefallen, aber dieses Training hörte irgendwann von einem Tag auf den anderen auf. Vielleicht ist der Trainer in den Westen abgehauen oder hat sich umgebracht. (So wie ihr Kinderaugenarzt; der hatte sich auch umgebracht.)

Na, jedenfalls ist Annette jetzt immer noch im Wasser und schwimmt und schwimmt. Eine ganze Stunde lang. So nach vierzig Minuten wird das Schwimmen immer so schön, der Atem und die Bewegungen und die Gleichmäßigkeit. Aber mehr als eine Stunde geht selten, weil sie dann immer ganz doll aufs Klo muss. Und einen mörderischen Durst hat. Was für eine Hitze, als sie an Land geht. Und was für einen hässlichen Textilstreifen sie jetzt auf dem Rücken hat. Wir bleiben noch bis etwa halb drei. Das Freibad von Bad Aibling füllt sich und füllt sich, dass man kaum noch treten kann. Wir sitzen dann bei uns am Platz im Schatten und warten auf den Abend. Heute kommt ja auch noch das Finale von Let's Dance. Schade, dass dann nicht die Minh Khai gewinnt; wo doch der Massimo auch immer so eine Augenweide war. Na ja. Jetzt müssen wir uns auch erstmal wieder erholen von RTL; das ist ja so ein bescheuerter Sender. Die viele Werbung, die die Sendung immer so zerstückelt hat, machte uns ja völlig kirre. Spät nachts wird es endlich kühler draußen und drinnen. Herbert stellt dann zur Vorsicht noch Tisch und Stühle weg, weil ständig von Gewittern und Regen die Rede ist. Aber davon ist ja schon seit Tagen die Rede. 

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