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Mittwoch, 12. Juni 2013



wieder geht es am Deich entlang

Weiter und weiter geht unsere Reise durch Deutschland. Wir sind in Richtung Norden (so heißt die Stadt) und Norddeich unterwegs. In Norddeich angekommen, fahren wir mal zum Fährhafen, von wo aus die Fähren nach Norderney gehen. Dann fahren wir auch mal durch die Hauptdurchgangsstraße von Norddeich, aber außer Fressbuden dicht an dicht ist nicht viel anderes zu sehen. Wenn wir uns vorstellen, dafür 2,90 EUR Kurtaxe pro Person zahlen zu müssen? Aber wir wollen eh einen größeren Sprung machen, sind dann auf der Küstenstraße, obwohl man das Meer der Nordsee ja sowieso nie sieht. Es sind ja immer die Deiche im Weg, die einem die Sicht versperren.



Durchfahrt durch Norden



Blick auf den Fährhafen von Norddeich


 



Siele überall

Ein Schild am Straßenrand sagt uns, dass wir uns auf der Niedersächsischen Mühlenstraße befinden, obwohl wir eigentlich nirgends mehr eine Mühle sehen. Heute ist bei uns beiden irgendwie die Luft raus. Den immer gleichen roten Backstein der Häuser können wir bald nicht mehr sehen; auch finden wir manche Ortschaft irgendwie künstlich, wie Theaterkulisse. Als wäre das alles gar nicht natürlich gewachsen. Und alles ist so reguliert. An der Mosel haben wir uns besser gefühlt. Kurz vor Esens-Bensersiel kommt ein Parkplatz, auf den wir fahren können. Wir wollen doch mal über den Deich schauen. Das können wir dann auch, aber alles ist hier eingezäunt. Ein Schild bittet die Gäste, den Haupteingang im Strandportal zu benutzen. Anders kommt man ja eh nicht weiter, und man will anscheinend die Eintrittskarte sehen. Dass man Eintritt zum Strand zu zahlen hat, ist doch mehr als befremdlich. Dass die Leute sich das jemals gefallen lassen haben. Wir fahren dann weiter.



kurz vor Esens-Bensersiel können wir mal anhalten und den Strand sehen - von weitem



Bitte benutzen Sie den Haupteingang zum Strand (alles andere ist eh eingezäunt).



Blick auf den Fährhafen von Neuharlingersiel; von hier gehen die Fähren nach Spiekeroog

Irgendwann erreichen wir Neuharlingersiel, wo wir unmittelbar am Wohnmobilstellplatz vorbeikommen. Der Platz ist groß und liegt am Wasser mit Blick auf die Hafeneinfahrt. Von hier aus gehen die Fähren nach Spiekeroog. Fahren wir also auf den Platz. Die Nacht kostet 12 EUR, Strom inklusive. Dann warten wir eine kleine Weile und schauen, ob die Sonne nicht doch noch herauskommen mag? Sie mag heute nicht so recht, und dann müssen wir eben mit einem bedeckten Himmel vorliebnehmen. Der Anblick des kleinen Krabbenkutterhafens von Neuharlingersiel ist dann wirklich schön, wie ein Postkartenmotiv. Wir lesen, dass es noch 14 Krabbenkutter geben soll, aber Krabben kaufen kann man, wie schon gestern, nirgends. Wir laufen dann einmal ganz um den kleinen Hafen herum, wo einiges los ist, denn heute verkaufen die einheimischen Frauen Kuchen an die Gäste und wollen auf diese Weise Geld sammeln für die Flutopfer. Eine tolle Idee, und es ist so ein Andrang hier, dass wir später zurückkommen wollen auf ein Stück Kuchen. (Dann gibt es allerdings keinen mehr.)



ein Bummel durch den Hafen von Neuharlingersiel



derzeit gibt es noch 14 Krabbenkutter in Neuharlingersiel



dicht an dicht drängen sich die Kutter im Hafen


 



ohne gültige Strandtageskarte darf man den Strand gar nicht betreten

Wieder steigen wir auf den Deich, um mal das Meer zu sehen. Hier gibt es sogar einen richtigen Strand mit Strandsand, oder hat man den aufgeschüttet? Uns ist die Nordsee mit ihren Gezeiten und dem Watt doch sehr fremd. Auch hier braucht man wieder eine Strandtageskarte, aber zumindest ist hier nicht alles eingezäunt; das würde wohl auch allzu hässlich aussehen. Eingezäunte Badegäste. Wo kämen wir denn da hin? Wir bummeln dann wieder durch den kleinen Hafen zurück; es gibt manches gemütliche Café oder Teehaus. Wir aber wollen uns auf die Dachterrasse vom Störmhuus setzen, von wo aus wir uns einen tollen Blick auf den Kutterhafen erhoffen.



Blick auf den Strand von Neuharlingersiel - von weitem



auch die Häuser stehen hier dicht an dicht


 


 


 



zum Schluss kehren wir ins Störmhuus auf eine Kanne Tee ein

Windig ist es hier oben, aber die Kanne Tee soll ja Abhilfe schaffen. Schade nur, dass das Geschirr gar nicht stilecht ist. Eine Teekanne aus Edelstahl, eine Zuckerdose aus Glas usw. Viel zu modern für so ein altes geschichtsträchtiges Haus. Auf der Speisekarte erklärt man die Historie des Störmhuus': Dass sich früher an dieser Stelle eine Schule befand, die bei der großen "Blasiusflut" von 1825 zerstört, wieder aufgebaut und bis 1910 weiter als Schule benutzt wurde. Dass der Urgroßvater der heutigen Besitzer das Haus im Jahre 1910 kaufte und es im gleichen Jahr an einen Deutsch-Amerikaner verkaufte, der das Haus in der bekannten Form und Bauart neu erstellte. Dass dieser früh verstarb und das Wohnrecht (nicht das Haus) seiner Nichte vermachte, die von 1920 bis 1974 das Haus bewohnte. Dass in 1969 die Eltern der heutigen Besitzer das Haus von seinem letzten Besitzer, der Deich und Sielacht Esens erwarben, nach vielem Hin und Her aber erst in 1976 mit dem Neubau beginnen und das Haus in 1977 eröffnen konnten. Dass aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten das Äußere des Hauses nicht verändert werden durfte. -- So sitzen wir hier, lesen die Geschichte und trinken uns eine Tasse Ostfriesentee nach der anderen. Mit Kluntjes und Wulkje, also Kandis und Sahne. Dann kommen erste Regentropfen herunter, sodass wir schnell zahlen und heimgehen. Auf dem Heimweg nimmt sich Herbert noch ein Krabbenbrötchen mit, aber fangfrisch sind die Krabben nicht; sie riechen nicht mal nach Meer. Ist eben alles Kulisse. Abends ist der Platz wieder ziemlich voll.



so richtig stilecht ist es hier oben im Störmhuus aber nicht



diesen Blick hat man von der Dachterrasse aus



unsere Tagesroute ca. 59km

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