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Dienstag, 18. Juni 2013



wir sind am kleinen Teich am Ortsanfang von Güstrow angelangt

Ein herrlicher Sommertag liegt vor uns, und entsprechend früh sitzt Annette am Reisebericht, nämlich schon um halb sechs. Sie freut sich jetzt jeden Tag auf Antenne MV, den regionalen Radiosender, deren Nachrichten und Werbung aus der Region und deren klasse Musikauswahl. Ende Mai hatten sie ihr 20-jähriges Bestehen, und Hörer können anrufen und sich ihre Lieblingstitel wünschen, die abends von 18 bis 20 Uhr gespielt werden. So viel Udo Lindenberg und Depeche Mode hat Annette lange nicht mehr im Radio gehört. Alle Ossis haben Udo Lindenberg und Depeche Mode geliebt. Annette auch. Also nicht alle Ossis haben Annette geliebt, sondern auch Annette hat Udo und Depeche Mode geliebt. Jeder Morgen vergeht jetzt im Flug bei toller Musik, und dann sind wir auch schon bereit für einen Stadtbummel durch Güstrow. Vom Naturpark laufen wir vor bis zur Hauptstraße, der Plauer Chaussee, biegen dort rechts ab und laufen nur immer gerade aus, etwa 4,5km lang.



Boote können hier anlegen oder im Bootsunterstand

Am Ortsanfang kommen wir linkerhand an einem Teich vorbei, an dem ein paar Stelzenhäuser im Wasser stehen. Auch gibt es einen Bootsunterstand unter Reet. Das Wasser ist spiegelglatt und der Anblick einfach schön. Na, an Seen mangelt es Mecklenburg ja wirklich nicht. Auf einer Infotafel lesen wir wieder ulkige Ortsnamen oder Ausflugsziele, wie Schabernack oder Magdalenenlust. Auch gibt es eine Schöninsel im Inselsee. Die Fotos auf der Infotafel sehen sehr gefällig aus, aber Mecklenburg ist landschaftlich gesehen auch wirklich traumhaft. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Altstadt von Güstrow.



Blick auf das Güstrower Schloss

Als erstes aber gehen wir zum Schloss von Güstrow, einem Renaissance-Schloss. Es ist eines der markantesten Bauwerke Güstrows, erbaut als Residenz für die Mecklenburger Herzöge im 16. Jh., zählt es heute zu den bedeutendsten Renaissancebauten im nordeuropäischen Raum. Das Schloss selbst beherbergt eine der bedeutendsten Mittelaltersammlungen Norddeutschlands sowie eine Jagd- und Prunkwaffensammlung. Hineinzugehen haben wir aber keine Lust. Stattdessen lassen wir uns in der Touristinformation einen Stadtplan geben, für den 40 Cents zu zahlen sind. Hier ist aber auch wirklich nichts umsonst, wie wir in der Pfarrkirche St. Marien auf dem Marktplatz merken, als nämlich 2 EUR fürs Fotografieren verlangt werden. (In Rostock wollte man 1,50 EUR fürs Betreten und 1 EUR fürs Fotografieren der Marienkirche.) Man kann den 53m hohen Kirchturm besteigen, im Juli und August.



man will den Schlosspark nach historischem Muster neu anlegen



wir gehen mal zum Innenhof des Schlosses



auf dem Weg zum Marktplatz



Blick auf die Pfarrkirche St. Marien, erstmalig urkundlich erwähnt in 1308



ein Blick ins Innere der Kirche



auf dem Marktplatz



die schönen alten Bürgerhäuser stehen da wie neu



dies ist das Rathaus von Güstrow

Dann laufen wir einmal ganz um den Marktplatz herum, wo ein paar Marktstände aufgebaut sind. Alle Bürgerhäuser sind hier restauriert worden; es gibt keine einzige Bausünde, weder aus Ostzeiten, wo man ja nicht mal das Geld für den Abriss gehabt hätte (warum die Altstädte im Osten heute alle solchen Charme haben), noch aus jetziger Zeit. Nirgends sehen wir ein Gebäude aus Glas und Stahl in der Altstadt. Auf der Ecke Marktplatz / Pferdemarkt sehen wir das kleine Eiscafé namens Rosalina, in das wir uns erstmal setzen. Für Herbert wieder ein Eis, für Annette nicht. Die Bedienung hier ist sehr nett, vielleicht ist sie ja selbst die Rosalina? Hier in Güstrow ist nicht solche übertriebene Wuselei, hier geht es viel beschaulicher zu. Dann blättern wir mal in der kleinen Broschüre von Güstrow und lesen, dass die Stadt eine der schönsten im Herzen Mecklenburgs ist. Güstrow ist außerdem die Barlachstadt. Ernst Barlach, der Bildhauer, Grafiker und Künstler, hat von 1910 bis zu seinem Tode in 1938 in Güstrow gelebt. Beerdigt ist er hier allerdings nicht. Geboren auch nicht. Dennoch verblieb sein umfangreicher Nachlass in Güstrow.



wir sitzen im Eiscafé Rosalina am Marktplatz



Blick auf den Borwinbrunnen auf dem Pferdemarkt

Wir bummeln dann über den Pferdemarkt, der Fußgängerzone Güstrows. Als Kind auf Klassenfahrt und auch später war Annette immer gern in Güstrow. Als Tagesausflug war die Stadt immer einen Besuch wert. Herbert muss sich jetzt ihre ganzen Erinnerungen anhören. Dann laufen wir die Neue Wall-Straße entlang, schön im Schatten und immer am kleinen Bach vorbei. Die Häuser überall sind wirklich sehr schön restauriert worden, auch die John-Brinckman-Schule. (John Brinckman war ein Mecklenburger Heimatschriftsteller, wie auch Fritz Reuter, wenn Annette sich recht erinnert.) Über eine kleine Holzbrücke geht es, wo ein paar Enten im Wasser schwimmen. Der Weg, der sich Am Pfaffenbruch und später An der Schanze nennt, ist richtig romantisch mit Blick auf den Dom und das Schloss. Den Dom haben wir ja noch gar nicht erwähnt, wo im Seitenschiff eine Skulptur von Barlach namens Der Schwebende hängt. Ein Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs, geschaffen in 1927. Die Nazis bezeichneten sie als entartet und ließen sie in 1937 zerstören. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Nachguss aufgehängt. (Annette findet Barlach-Skulpturen immer nur hässlich und düster; sie kann damit gar nichts anfangen.)



wir kommen an der John-Brinckman-Schule vorbei



am Pfaffenbruch ist alles sehr beschaulich



es geht immer am kleinen Bach entlang



die Enten haben ein lauschiges Plätzchen für sich



Blick auf dem Dom von Güstrow



von hier aus ist der Blick auf das Schloss auch hübsch

Wir schauen uns auch mal den Wohnmobilstellplatz auf dem Gleviner Platz an, aber am Naturpark stehen wir schöner und auch mehr im grünen. Dann sind wir wieder am kleinen Teich, wo wir unsere Füße ins Wasser stecken. Hach, tut das gut. Hier bleiben wir eine Weile sitzen und machen uns dann auf den Heimweg. Morgen sollen hier ja 32°C kommen, und wir überlegen, ob wir die Yamaha herausholen und damit nach Krakow am See und auch zum Inselsee fahren sollen. Mit Badesachen.



puh, wir stecken unsere Füße ins Wasser, bevor wir heimgehen

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