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Mittwoch, 08. Januar 2014



morgens wird ganz Alcoutim gestaubsaugt - Portugal ist ein sauberes Land

Heute wollen wir endlich mal mit dem Boot übersetzen auf die spanische Seite. Dem Herbert geht es zwar noch gar nicht so gut, aber es wird schon gehen. Wir warten bis kurz vor 12 Uhr mittags und gehen dann los. Die Boote fahren laut Fahrplan zu jeder vollen Stunde, aber als wir bei der Anlegestelle ankommen - wir sind die einzigen - fährt das Boot sofort los mit uns. Ruckzuck geht die Überfahrt; es ist windig und entsprechender Wellengang, und Annette muss ihren Hut festhalten. Nach etwa 2 Minuten auf dem Wasser legt das Boot auch schon wieder an.



im Fahrkartenhäuschen ist im Winter niemand - die Karten gibt es direkt beim Fährmann



das Bötchen ist schon da



auf geht es zur kurzen Überfahrt nach Sanlúcar



das Boot schafft die Überfahrt in wenigen Minuten



wir erreichen die Anlegestelle von Sanlúcar



Bienvenidos a Sanlúcar de Guadiana - dies ist der allererste Eindruck von Sanlúcar

Bienvenidos a Sanlúcar de Guadiana, mit diesen Worten auf einer großen Tafel werden wir begrüßt. Schon komisch, wie man so zu Fuß von einem Land ins andere kommen kann. Wir finden uns dann auf der Avenida de Portugal wieder, die parallel zum Flussufer verläuft. Von hier aus kommen wir auf den Plaza de España. Der Häuserstil hier auf der spanischen Seite ist ja doch ganz anders als drüben in Portugal. Hier sind alle Häuser schneeweiß, haben schmiedeeiserne Gitter vor den Fenstern und Erkern und hier und da auch gemauerte Rundbögen, die die Balkone einrahmen. Ziemlich schick, das ganze.  



der Ort hat sogar eine schicke Uferpromenade



auf dem Plaza de España



der Korbmacher - al Canastero



wir wandeln durch die Gassen von Sanlúcar

Vom Plaza de España aus steigen wir hinauf zur Kirche, die ja auf spanisch Iglesia heißt. (Auf portugiesisch Igreja.) Aber ganz so steil kommen uns die Gassen hier in Sanlúcar nicht vor. Vor der Kirche, deren Tore geschlossen sind, steht eine schöne Skulptur. Ein Mann mit Blumenstöcken in den Händen. Danza de las Flores, steht am Sockel geschrieben. Die Skulptur soll wohl an einen Blumentanz erinnern? Schade, dass die Touristinformation geschlossen ist und wir gar nicht viel in Erfahrung bringen können über Sanlúcar. Vom Kirchplatz haben wir jedenfalls einen tollen Blick auf den Río Guadiana und Alcoutim.



Ankunft an der Kirche



Danza de las Flores - Blumentanz



alles ist so schön angelegt in Sanlúcar



wir sitzen auf dem Kirchplatz



vieles kommt uns in Sanlúcar städtischer vor



die Kutsche ist zu verkaufen



manche Wohnanlage ist noch recht neu in Sanlúcar



vom Hang aus haben wir einen schönen Blick auf den Ort



Blick auf Alcoutim auf der anderen Seite vom Río Guadiana

Jetzt machen wir uns auf zu den beiden Windmühlen, die hoch oben über Sanlúcar thronen. Als wir so durch die Straßen laufen, kommt uns Sanlúcar doch viel städtischer vor als Alcoutim. Auch sind die Häuser neuer; manche Reihenhäuser scheinen noch nie bewohnt gewesen zu sein, so neu sind sie. Der Weg, der zu den Mühlen hinaufführt, ist sehr hübsch gepflastert. Auf halbem Wege zu den Mühlen hinauf gibt es drei kleine Doppelhäuser, die man für die Ferien anmieten kann: Complejo Turistico "Los Molinos", lesen wir auf einem urigen Holzschild. Wir schauen uns die Häuschen mal an; sie sind sehr heimelig.



wir steigen zu den beiden Mühlen hinauf, die wir von Alcoutim aus immer schon gesehen hatten

Noch die letzten Höhenmeter bis zu den Mühlen und dann setzen wir uns auf eine der Holzbänke und erfreuen uns am Blick auf den Fluss. Ein Hahn kräht unermüdlich in der Umgebung. Ach, es ist herrlich hier oben, wenn es auch ziemlich windig ist heute. Der Boden, auf dem die beiden Mühlen stehen, ist schön gepflastert, so strahlenförmig und rund, wie die Mühlen sind.



auch hier haben die Spanier alles richtig schön angelegt



Windmühlen und Leuchttürme ziehen uns ja immer magisch an



von hier oben haben wir den besten Blick auf beide Orte und den Fluss



hach, so schön in der Sonne



auch hier wirkt alles relativ neu (das Reihenhaus da hinten ist für 45.000 EUR zu verkaufen)

Als wir dann wieder unten im Ort sind, sehen wir auf einem Schild an einer Hauswand, wie hoch das Wasser vom Río Guadiana am 6. November 1997 stand. So hoch, dass Annette gerade so mit dem Arm an die Höhe dieses Wasserstands heranreichen kann. Wir bummeln dann noch am Playa Fluvial, dem Flussstrand, entlang. Hier kann man im Sommer wohl sonnenbaden. Als wir wieder an der Anlegestelle sind, kommt das Boot gerade wieder von portugiesischer Seite aus angetuckert. wir müssen also wieder nicht warten. Jetzt ist das Wasser noch viel unruhiger als bei unserer Hinfahrt. Bei jeder Welle werden wir durchgeschüttelt, aber eine Gaudi ist es für uns. Die kleine Überfahrt ist ja einfach viel zu kurz.



bis hier stand das Hochwasser vom Guadiana am 6. November 1997



es gibt sogar diesen kleinen Flussstrand - Playa fluvial



wir gehen wieder zur Anlegestelle zurück



es geht heimwärts nach Alcoutim

Bem-vindo (willkommen) heißt es auf portugiesischer Seite. Jetzt sehen wir Alcoutim mit ganz anderen Augen. Hier ist alles dörflicher, aber auch heimeliger. Die meisten Häuser haben diese gelben Umrandungen an den Kanten. Dann gibt es hier und da grüne Fensterläden. Hier ist mehr Farbe zu sehen, aber manches Haus in Alcoutim ist auch baufällig oder verfallen. Wir wollen wieder in das Café mit dem grünen Pavillon einkehren, hätten heute aber auch mal ein anderes aussuchen können, denn die Metallstühle sind ganz schön kalt am Popo. Vielleicht hätten wir uns mal in die Riverside Tavern setzen sollen.



Alcoutim hat uns wieder

Vielleicht sollten wir noch ein wenig erzählen von der Vergangenheit der beiden Orte, Alcoutim und Sanlúcar. Auf einer Tafel hier in Alcoutim ist folgendes auf portugiesisch und englisch zu lesen: In den ersten Jahrzehnten des 15. Jh.  hat sich die Ortschaft Sanlúcar de Guadiana gebildet, auf der linken Seite des Flussufers, als Ergebnis der intensiven Handelsaktivitäten im Hafen von Alcoutim. Bis 1428 hatte Sanlúcar de Guadiana den Namen Lucar de Alcautin; die Einfügung des Namens Alcautin zeigte sicherlich die Abhängigkeit der gerade erst entstandenen kastilischen Ortschaft von der portugiesischen Stadt Alcoutim. Beide Ortschaften wuchsen gleichermaßen und unter den gleichen Bedingungen: An den Ufern des Río Guadiana und fern von städtischen Zentren. Beide Ortschaften hatten ein waches Auge auf einander, denn es gab ständig Konflikte zwischen Portugal und Kastilien, aber es gab auch immer enge Beziehungen und sogar Ehen zwischen den Einwohnern des einen Ortes und des anderen. Die Isolation zwang Alcoutim und Sanlúcar, ihre Beziehungen zu intensivieren und durch gegenseitige Hilfe zu überleben. Zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs 1936 wurde der Grenzhandel zwischen Sanlúcar und Alcoutim eingestellt. Die Unterbrechung des Flussverkehrs war ein schwerer Schlag für die Einwohner. Von da an waren sie nicht mehr in der Lage, die intensiven Handelsbeziehungen, die es immer gegeben hat, weiterzuführen. Unter diesen schwierigen Umständen  war Schleichhandel die einzige Lösung. Zwischen 1963 und 1973 haben die Gemeinden von Sanlúcar und Alcoutim mehrere Petitionen bei den jeweiligen Regierungen eingereicht und um Wiederaufnahme des Flussverkehrs zwischen beiden Ortschaften gebeten und die gegenseitigen Vorteile der beiden Guadiana-Regionen heraufbeschworen. Am 30. November 1996 haben beide Gemeinden, an Bord eines Schiffes und genau in der Mitte des Flusses, eine Vereinbarung unterzeichnet, die die Gemeinsamkeit und die uralte Freundschaft der beiden Orte heiligen und bezeugen soll. -- So, jetzt gehen wir heim. Schade, dass der kleine Minimarkt bis 15:30 Uhr geschlossen ist; wir hätten noch dies und das einkaufen können. Ob wir nachher nochmal losziehen werden ? Wohl nicht. 



heute hätten wir uns mal die Riverside Tavern aussuchen sollen

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