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Mittwoch, 30. Januar 2013



Chefchaouen liegt uns zu Füßen

Es ist 5:45 Uhr Ortszeit (auf unserer Uhr 6:45 Uhr), als Annette im Pyjama zum Waschhäuschen geht und die Muezzine zum Gebet rufen. Das ist ein toller Moment: Es ist stockfinster draußen, überhaupt nicht kalt, und der Singsang der Muezzine klingt, als würde er aus zehn Moscheen kommen. (Und dabei hat die Stadt doch  n u r  sechs.) Heute wollen wir natürlich die Stadt besichtigen, und unseren Plan, mit der Yamaha hinunterzufahren, lassen wir bleiben, denn wir wissen die Gegebenheiten nicht. Außerdem soll es einen Fußweg geben, der direkt in die Medina führt. Zurück können wir ja ein Taxi nehmen. Und so machen wir es dann. Um 10 Uhr Ortszeit gehen wir los, fragen an der Rezeption nach dem Fußweg und hören das Wort Electricité; der junge Mann zeigt auf die drei Strommasten in etwa 300m Entfernung. Da wird der Weg wohl anfangen, denken wir uns.



wir steigen die Treppe des Fußwegs hinab zur Medina

Der Weg besteht dann hauptsächlich aus Stufen, die gut angelegt sind. Es geht natürlich steil hinab, denn der Campingplatz ist ja ganz oben am Berg. Aber was für Ausblicke wir haben. Es ist das Rif-Gebirge, und wir hatten auch gelesen, dass sich der Name Chefchaouen aus zwei Doppelgipfeln ergibt, weil die beiden Gipfel wie zwei Schafshörner aussehen. Shuf heißt im Arabischen Schau, und Chaouen im Berberischen Hörner. Der Name Chefchaouen bedeutet also so viel wie Schau dir die Hörner an. Die Einheimischen sprechen den Namen der Stadt so aus: Tschau-enn. Jedenfalls sind es keine zehn Minuten und schon sind wir unten in der Stadt



den Blick auf die Berge hat man von überall in der Stadt



auf dem Place Mohamed V

Wir finden uns nach ein paar Schritten auf dem Place Mohamed V wieder. Hier ist alles recht schick, und der Arkadengang liegt wie ein Gürtel um den Platz. Gut, dass wir den Reise Know-How im Rucksack mitgenommen haben, so haben wir immer den Überblick und wissen, wie wir von hier aus zum Marktplatz kommen. Aber um diese frühe Stunde ist noch nicht viel los dort. Später sehen wir dann auch mehrere - es sind bestimmt fünf - Schautafeln mit dem Stadtplan darauf, wo alle Sehenswürdigkeiten aufgeführt sind.



Blick auf den Marktplatz von Chefchaouen


 



auch der Place Outa El Hammam bietet Sicht auf die Berge

Durch die Suq (oder Souk), ein wahrliches Gassengewirr, kommen wir auf den Place Outa El Hamman, wo sich die Große Moschee - Grande Mosquée - und das Museum befinden. Der Platz hat eine herrliche Lage und bietet wunderbare Blicke auf die Berge. Es ist ein heißer Tag heute, aber die Einheimischen sind warm angezogen; für sie ist jetzt Winter.



die Große Moschee steht auf dem Place Outa El Hammam

auf dem Place Outa El Hammam gibt es diverse Restaurants

wir werfen mal einen Blick ins Museum, die Al Kasaba

Für einen Eintritt von 10 DH pro Person gehen wir mal ins Innere der Al Kasaba. Jetzt wissen wir auch, warum das Geld aus dem Automaten gestern so nagelneu ausgesehen hat: Weil es nämlich kaum in Umlauf kommt. Als wir mit einem 100 DH Schein zahlen wollen, sieht die Kartenverkäuferin ganz bekümmert aus, da sie kaum Wechselgeld hat. Die beiden 20 DH Scheine, die wir bekommen, sind dann ganz lappig, und die vielen Münzen sind so abgegriffen, dass wir nur noch schwer erkennen können, ob nun 5 oder 10 DH daraufsteht. Im Innern der Al Kasaba ist es dann angenehm schattig, der maurisch-andalusische Garten ist eine kleine Oase mitten in der Stadt. Wir steigen dann auch den großen Turm - Tour Principale - hinauf, von wo aus wir über die Stadt schauen können. Auch von hier ist der Blick auf das Rif-Gebirge einmalig schön.

im Innern der Al Kasaba

vom Turm haben wir diesen Blick über die Dächer der Stadt und die Große Moschee

was für eine Aussicht

noch ein Blick auf den Place Outa El Hammam

jetzt heißt es kraxeln in die Medina, es geht steil hinauf

Über den angrenzenden Platz, den Place El Makhzen, kommen wir und steigen von dort aus hinauf in die Medina. Es ist ein herrlich altes Viertel mit blau-weiß gekalkten Häusern, die so dicht stehen, dass sie gegenseitig Schatten werfen. Es ist ein Gassengewirr hier, und wir können gar nicht so viele Fotos machen, wie es Motive gibt. Zufällig sind wir beide heute in blau gekleidet, sodass wir uns sehr gut in das Gesamtbild einfügen.

die Katze würde schon gern so einen Fisch kaufen

blau-weiß gekalkte Häuser erwarten uns in der Medina

alles ist verwinkelt und uralt

Wirklich angenehm ist, dass wir völlig unbehelligt bleiben. Niemand, der uns anstarrt oder anspricht, der uns etwas verkaufen will oder sonst etwas. Nur zweimal am ganzen Tag werden wir gefragt, ob wir uns eine Weberei und eine Teppichfabrik anschauen wollen. Ansonsten werden wir von vielen freundlich gegrüßt - Bonjour - oder gefragt, ob wir englisch wären. Allemand - deutsch - antworten wir ihnen, es sind meist ganz alte Männer, und die meisten von ihnen sprechen dann sogar deutsch. Wir können uns also völlig frei bewegen und fühlen uns ausnehmend gut in der Stadt. Dass unser Aufenthalt in Marokko so positiv beginnt, ist doch einfach klasse.

immer noch hübschere Ecken und Gässchen erwarten uns



hier muss man gut zu Fuß sein



die blaue Farbe scheint einen kühlenden Effekt zu haben

In den Gassen der Medina sehen wir auch manches Gästehaus oder Hotel, und sie sehen richtig heimelig und einladend aus. Bunte Kacheln in den Eingängen und an den Wänden bieten einen tollen Kontrast zu dem hellblau an den Fassaden. Das Blau hat eine irgendwie kühle oder kühlende Wirkung auf uns. Jedenfalls wäre uns eine solche Kutte wie die auf dem Foto heute entschieden zu warm.



wie es duftet aus der Bäckerei



mittlerweile gibt es auch einige Gästehäuser in der Medina



wir gehen zur Quelle des Oued Laou mit mehreren gefassten Brunnen und einem Wasserfall, östlich der Stadt

Wir laufen dann in östlicher Richtung hinaus aus der Stadt bzw. verlassen wir die Stadtmauern und kommen an den Fluss, der der Stadt den Beinamen Brunnenstadt eingebracht hat, denn hier gibt es Wasser im Überfluss. Das Wasser rauscht den Wasserfall hinab, während die Frauen gerade Teppiche waschen. Denn die viele Arbeit bleibt ja immer an den Frauen hängen. Wir laufen dann wieder zurück in die Medina.



hier waschen die Frauen ihre Wäsche und Teppiche



in diese Bäckerei bringen die Nachbarn ihren Brotteige und lassen sie ausbacken

In den Gassen sehen wir, dass die Leute ihre Brotteige für Fladenbrot zu dieser kleinen Backstube bringen und dort wohl ausbacken lassen. Draußen vor der Backstube steht schon ein ganzer Stapel dieser fertigen Brotteige. Auf unserem Rückweg ins Stadtzentrum steigen wir so manches Gässchen hinab, das dann vor einem Wohnhaus endet, sodass wir wieder hinaufsteigen müssen zur Hauptgasse. Und wir können uns völlig frei bewegen. Mittags ertönt dann wieder der Muezzin aus den Lautsprechern, und da wir gerade direkt an einer Moschee vorbeikommen, bekommen wir das volle Programm zu hören. Allah-o-Akbar ist dabei deutlich herauszuhören.



manche der Seitengässchen erweisen sich als Sackgasse und wir müssen sie wieder hinaufsteigen



uns gefällt die Medina ausnehmend gut



mittags geht es beschaulich zu, denn die Hitze tut ihr übriges



auf dem Place Outa El Hammam kehren wir ins Restaurant Azhar ein und essen uns eine Tajine

Irgendwann zur späten Mittagszeit landen wir dann wieder auf dem schönen Place Outa El Hammam. Und weil es auf diesem Platz so viele Restaurants gibt, wollen wir gern eine Kleinigkeit essen. Das machen wir im Azhar, wo wir zwei Salate und zwei Tajines bestellen. Das Essen ist einfach, schmeckt aber köstlich. Alles ist gut gewürzt und frisch. Dazu noch zwei Mineralwasser und später einen Kaffee, und alles zusammen kostet dann 125 DH.



dann kommen diese beiden Gesellen zu uns an den Tisch und machen Musik

Als wir mit dem Essen fertig sind, kommen diese beiden Musikanten zu uns an den Tisch und machen Musik. Ein Gefiedel und Gedudel ist das, und der eine singt bzw. ruft immer Baila! Morena! Venga! Das kommt uns alles spanisch vor, weil es nämlich auch spanisch ist. Und da fällt uns ein, dass wir gelesen hatten, dass Chefchaouen in 1912 dem spanisch besetzten Gebiet einverleibt wurde, aber erst in 1920 von den Spaniern erobert wurde. Von daher rührt es, so hatten wir irgendwo gelesen, dass in der Stadt die Zweitsprache nicht französisch, sondern spanisch ist. Wie auch immer, jedenfalls geben wir den beiden Gesellen jeweils 5 DH für ihre Darbietung und sie ziehen anschließend zum Nachbartisch, wo Franzosen vom Campingplatz sitzen.



beim Schuster lassen wir eine Einlegsohle für Herberts Sandale anfertigen

Nochmal kommen wir durch die Suq, das Gassengewirr mit noch mehr Ladengewirr, finden dort einen Schuster und kommen auf die Idee, eine neue Einlegsohle für Herberts Sandale anfertigen zu lassen. Die Sohle muss eine Höhe von 1cm haben. Wir zeigen dem Schuster die alte Sohle und erklären ihm alles in gebrochenem französisch. Er nimmt an der Sandale Maß und die Sohle wäre in einer Stunde fertig. Für 30 DH, was ja wirklich kein Geld ist. Hoffentlich finden wir die Gasse wieder, denken wir uns noch. Während der Wartezeit laufen wir nochmal ins neuere Viertel der Stadt und finden neben der Hauptpost ein großes Geschäft von Maroc Telecom. Dort fragen wir, ob sie auch USB-Sticks, also Modems für die SIM-Karten verkaufen. Man zeigt auf eine Frau an einem der 5 Schalter. Der Laden ist voller Leute, aber man will uns sofort bedienen. Die Frau am Schalter gibt uns die Schachtel mit dem Modem und die dazugehörige SIM-Karte, erklärt, wie alles funktioniert, vor allem, wenn der erste Monat vorbei ist und die Aufladung erfolgen muss. Sie schreibt alles auf ein Blatt Papier, und alles scheint sehr leicht zu funktionieren. Für alles zusammen zahlen wir 229 DH, und der Monat ist unbegrenzt, was die Gigabytes angeht. Perfekt. (Ein weiterer Monat kostet dann 200 DH). Jetzt zurück zum Schuster, die Stunde ist fast um und die Sohle ist auch schon fertig. Sie sieht richtig gut aus, und jetzt soll er sie noch in die Sandale einkleben. Das macht er. C'est bon, c'est parfait, très bien sagen wir ihm, alles, was wir so zustande bringen auf französisch, denn die Sohle ist wirklich perfekt. Jetzt kaufen wir noch 2,5kg Orangen und 1kg Bananen für 27 DH (das war wohl ein Touristenpreis) und halten ein Taxi an. Fragen, was die Fahrt zum Camp kostet? 15 DH. Na, für das Geld kann man nicht laufen. Und so gelangen wir ruckzuck mit dem Taxi wieder heim. Abends ist die Auswahl der heutigen Fotos wieder ganz schwierig.



zum Schluss kaufen wir bei Maroc Telekom einen USB-Stick (Modem) und eine SIM-Karte fürs Internet

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