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Sonntag, 30. Oktober 2016



im Nebel verlassen wir Caión

Das haben wir ja noch nie erlebt, dass sich unsere Funkuhr von allein auf die Zeitumstellung einrichtet. Früher mussten wir sie immer manuell einstellen, weil wir schon so weit von Deutschland entfernt waren. Diese geschenkte Stunde heute verbringen wir damit, einen Unfall von der Polizei aufnehmen zu lassen. Nein, den heutigen Tag haben wir wirklich nicht gebraucht. Wir stehen im dicksten Nebel auf und fahren im dicksten Nebel los. Oben an der Hauptstraße wird es schon gleich wieder heller und sonniger. Vielleicht sollten wir uns mehr im Hinterland aufhalten, wo sich die Nebelsuppe nicht so hält. Von oben können wir Caión im Nebel sehen; wir halten extra noch einmal an für ein Foto. Dann geht es weiter in Richtung Carballo, einem größeren Ort, der heute anscheinend verkaufsoffen ist. Auf diese Weise können wir beim Lidl ein neues Vollkornbrot kaufen. In den Straßen wimmelt es von Leuten, die durch die Geschäfte wuseln.




noch ein blick auf Caión, während wir selbst schon aus dem Nebel heraus sind



sobald wir von der Küste weg sind, ist strahlender Sonnenschein



wir erreichen Carballo

Wir bleiben fast 30km lang immer auf der Hauptstraße, immer geradeaus. Kurz vor Vimianzo kommen wir durch einen Ort, wo vor uns ein Auto anhält und den Rückwärtsgang einlegt. Er will in die einzige noch freie Parklücke am rechten Straßenrand. Wir stoppen auch und warten, bis er in die Parklücke einbiegt. Aber dann schlägt der Fahrer so blöd ein und hat einen viel zu knappen Winkel und peng, haut wie in Zeitlupe gegen unsere rechte vordere Ecke. Was für ein Geräusch. Unsere ganze rechte Ecke ist eingedellt. Wir steigen alle aus und das Palaver ist groß. Er behauptet, wir hätten nicht angehalten, sondern wären voll in sein Auto geknallt; wir hätten ihn nicht gesehen. Plötzlich sind ein paar Spanier da, die zu dem Einheimischen halten. Wir müssen die Polizei rufen, sagen wir. Si, policia, policia, tönt es und jemand ist schon am Telefon. Dann ist da plötzlich ein junger Mann, der uns auf schweizerdeutsch anspricht und uns fragt, ob wir denn ein Wort spanisch könnten. Nein, nur deutsch und englisch. Er sagt, dass er bei uns bleiben würde, um bei der Polizei zu übersetzen. Die trifft auch ganz bald ein, und nach ein paar Fotos sollen erstmal die Fahrzeuge von der Straße weg. Wir sehen, dass die schmale Lampe vom Standlicht noch funktioniert, aber etwas aus der Halterung heraussteht.



peng, der Ford fährt voll in uns hinein

Es werden alle Daten aufgenommen und auch eine Skizze gezeichnet, wie der Unfall zustande kam. Der spanische Fahrer bleibt bei seiner Behauptung, wir hätten das alles verursacht, aber wir merken, dass die beiden Polizisten nicht blind auf seiner Seite sind. (Wären wir mit Geschwindigkeit aufgeprallt, wäre der Schaden viel größer gewesen.) Der junge Mann hilft uns sehr beim Übersetzen; er spricht perfekt schweizerdeutsch mit allem drum und dran. Dann wird noch ein Alkoholtest gemacht und wir  bekommen die Durchschläge von den Formularen, die ausgefüllt wurden. Als wir wieder an unserem La Strada sind, sehen wir, dass die eingedellte Ecke bzw. Stoßstange wieder in Normalposition zurückgegangen ist. Das Material scheint wohl elastisch zu sein. Jetzt sieht man vom Aufprall gar nichts mehr, jetzt sind da nur die vielen Lackkratzer. Aber Annette glaubt, dass ein feiner Riss in der Stoßstange ist, wenn sie so mit den Fingern darüberstreicht. Na ja, morgen werden wir den Schaden bei unserer Versicherung melden, aber zumindest können wir ganz normal weiterfahren; es ist im Grunde nur ein Schönheitsfehler jetzt.



die Polizei nimmt den Unfall auf



überall sieht man diese alten Hochstände, wo wohl früher Getreide gelagert wurde

Unser heutiges Ziel ist Camariñas, aber so 10km davor kommt schon wieder eine Nebelwand. Eigentlich sollten wir gar nicht mehr an die Küste fahren, aber wir machen es halt doch. Ein Schild sagt uns, dass wir jetzt an der Costa da Morte - der Todesküste - sind, wenn wir das richtig übersetzen (wir haben kein Wörterbuch). Wenn das wirklich die Todesküste ist, dann müssen wir ja froh sein, dass wir den Zusammenstoß vorhin überlebt haben, ha ha. In Camariñas stellen wir uns in den Hafen, wo man offiziell stehen können soll. Wir gehen auch gleich mal los in den Ort, aber der Nebel wird immer unheimlicher. Auf einer Schautafel sehen wir die Skizze der Küste und wieviel Schiffe hier untergingen oder zumindest schiffbrüchig wurden. Zum Beispiel die Irish Hull in 1883; die City of Agra in 1897; die Nil in 1927 usw. Das letzte Schiff war die Banora in 1965 von insgesamt sieben Schiffen, die aufgeführt sind. Wir gehen recht bald wieder heim und können zuschauen, wieviel Wohnmobile noch eintrudeln. Abends lässt jemand neben uns seinen Motor laufen. Nach einer halben Stunde wird es dem Herbert zuviel und wir fahren weiter weg auf dem Hafengelände, wo wir ganz allein sind. Spät nachts hört Annette ein Geräusch, als würde jemand mit der flachen Hand gegen das Fahrzeug schlagen. Es sind auch Schritte zu hören, die sich aber entfernen. Etwas gruselig, aber Annette steht natürlich nicht auf. Anschließend bleibt es ruhig hier.



Ankunft in Camariñas



ein paar Schritte durch Camariñas



die blauen runden Zeichen stehen für Schiffsunglücke rund um die Costa da Morte - die Todesküste



unsere Tagesroute ca. 71km

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