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Donnerstag, 03. Januar 2019



links ab zur Stasiunterlagenbehörde

Man hatte uns zweimal angerufen, dass heute die Leute von Möbel Höffner kämen, und zwar schon früh zwischen halb acht und acht. Und was machen wir? Wir lassen uns um viertel vor acht aus dem Bett klingeln. Huch, schnell Fenster auf und die Betten glattgelegt, während der Herbert den Türsummer betätigt. Die Männer lassen sich aber nichts anmerken. Die beiden Nachtschränkchen sind wohl nicht von allerbester Qualität, und eines bleibt immer noch kaputt und es muss ein neuer Termin gemacht werden. Nach dem Frühstück beschließen wir, heute zur Stasizentrale draußen in Waldeck zu fahren und Akteneinsicht zu beantragen. Man hätte das alles auch schriftlich oder per Email machen können, aber das ist Annette alles zu unpersönlich, und gerade in so einer Angelegenheit. Man begrüßt uns auf einfühlsame Weise und man nimmt Annettes Antrag - ist ja Akteneinsicht für ihren verstorbenen Vater - an. Also sie geht stark davon aus, dass sich Unterlagen finden werden und wenn nicht, würde Annette sogar glauben, dass die vernichtet wurden. Die Mitarbeiterin fragt Annette, ob sie auch für sich selbst Akteneinsicht beantragen will? -- Hab' ich schon, das war in 2007, aber da war nichts. -- Manchmal ist es ratsam, den Antrag mehrere Jahre später erneut zu stellen, denn nicht alle Akten wurden so schnell aufgefunden oder rekonstruiert . . (Sie wurde ja dreimal fürs Studium abgelehnt, in 1987, 88 und 89. Und in Ostberlin hatte sie Umgang mit sogenannten Staatsfeinden (die waren alle im Gefängnis). Na ja, warten wir erstmal Vaters Sachen ab. Als nächstes würden wir eine Tagesnummer zugeschickt bekommen, auf die sich dann alles beziehen wird. Wenn keine Akten vorhanden sind, geht die Sache schnell und wir würden schon nach gut zwei Wochen Nachricht bekommen. Manchmal würden nur Karteikarten existieren zu bestimmten Personen, aber wenn Akten da sind, kann sich die Sache hinziehen auf ein bis anderthalb Jahre, bis man uns bzw. Annette einlädt zur Akteneinsicht. Eine langwierige Sache also. Auf der Rückfahrt - das sind ja bloß ein paar Kilometer - halten wir noch beim Globus, der gleich bei der Autobahn ist, und gehen mal durch den riesigen Supermarkt. Kleidung haben sie da auch, und wir suchen ja schon länger nach Jogginghosen. Nichts da für den Herbert, aber Annette findet eine schwarze Sweathose, die sie mal anprobiert. Boah, sagt Herbert, ich wusste ja gar nicht, dass du so-o-o schlank bist; die sieht ja gut aus an dir. -- Aber du weißt doch, untenrum bin ich schlank, da brauche ich bloß Größe 38, nur obenrum brauche ich immer ein Cup E. . .Wir kaufen noch dies und das und fahren dann heim.



gleich nebenan ist die JVA Waldeck


 



im Flur hängen mehrere solcher Dokutafeln


 


 

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