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Montag, 28. Januar 2019



Heute will Annette zur Plasmaspende, aber ob man Leute in ihrem Alter überhaupt haben will?

Kürzlich hatten wir ein kleines Prospekt vom Plasmazentrum in der Post, und heute will Annette mal hinfahren und Blutplasma spenden. Wollte sie schon immer tun und weiß auch, dass das ja wesentlich länger dauert als eine Blutspende. Das Zentrum ist mitten in der Fußgängerzone von Rostock - da kann sie gleich noch bei der Deutschen Bank Geld holen. Und in die Ausstellung im Kröpeliner Tor gehen. Gegen elf steigt sie in die Straßenbahn. In den schicken Räumlichkeiten des Plasmaservice sitzen sie zu dritt in der Rezeption, haben wohl nichts zu tun. Sie wollen Annettes Ausweis haben. -- Annette überreicht ihren Reisepass. -- Nein, der geht nicht, da steht ja Ihre Adresse nicht drin. -- Ich habe nur den Reisepass, und der ist ein gültiges Dokument. -- Nein, das geht nicht, usw. -- Sie wollen doch nicht behaupten, dass Sie mich wegen solcher Bürokratie wegschicken? Ich bin auch Blutspenderin, komme heute zum erstenmal zu Ihnen, aber mich werden Sie hier nicht wiedersehen. Beim DRK haben sie mich nicht weggeschickt mit meinem Reisepass. -- Die drei Frauen wollen noch was sagen, aber Annette winkt ab und geht. Sie ist total perplex, geht erstmal nach schräg gegenüber zur Deutschen Bank. Was jetzt? Sie beschließt, zum DRK in der Südstadt zu fahren. Die Fahrkarte gilt ja noch, sofern man immer in die gleiche Richtung fährt. Man kann beliebig umsteigen. Ankunft bei der Blutspendezentrale gegen zwölf. Die machen um eins auf. Also Zeit vertrödeln. Um 12:40 Uhr stehen schon drei Männer vor verschlossener Tür. Die Zentrale lässt uns schon früher ein. Mit einem der Männer, der wie ein Rocker aussieht, kommt Annette ins Gespräch. Stellen Sie sich vor, ich wollte heute beim Plasmazentrum Plasma spenden, aber die haben mich nicht genommen, weil ich nur einen Reisepass habe. Er sagt, dass die ja total spinnen müssen, und auch: Gehen Sie da nicht hin, da sind Sie nur eine Nummer. Hier beim DRK sind Sie besser aufgehoben, und hier kann man auch Plasma spenden. Ich mach' das schon seit Jahren. Vielleicht stimmen ja bei Ihnen die Werte, und die Venen müssen gut sein. Annette erkundigt sich dann bei den Ärzten, spendet heute erstmal nur Blut. Zufällig ist ihre letzte Spende heute genau drei Monate her. Sie soll nächsten Montag anrufen und nachfragen, ob ihre Laborwerte gut sind. Ihre Venen sind gut, denn die müssen dick genug sein, damit das Blut abgezapft und  wieder zugeführt werden kann. So, Annette nimmt dann eine andere Rückfahrt, vorbei am Hansa-Stadion und dem Hallenschwimmbad. Hier war sie jetzt wirklich seit 20 Jahren nicht mehr. Gegen halb drei ist sie wieder daheim. Heute Abend spürt sie, dass ihr ein halber Liter Blut fehlt. Nicht zu fassen, das mit dem Reisepass. Mit dem hat sie seit 2012, seit ihr Ausweis abgelaufen ist, zwei Wohnungen verkauft und ein Grundstück, und das war überhaupt kein Problem beim Notar.

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