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Donnerstag, 29. November 2012



diese Brücke führt über den Ribeira de Aljezur

Es kamen wieder Massen von Regen herunter, die liebe lange Nacht lang. Auch ist es heute kein bisschen milder, was die Temperaturen angeht. Das heißt, es sind 14°C, aber der Wind beißt noch genauso wie gestern und die Tage. Müssen wir uns also warm anziehen, aber das dumme ist, dass wir kaum richtige Wintersachen an Bord haben, ein jeder hat nur eine ganz dicke Skijacke, und wer hätte gedacht, dass wir die je brauchen werden? Na egal, wir laufen dann mal los in den Ort. Über die Brücke geht es und dann nach rechts in die Altstadt bzw. das Centro Histórico.



die Altstadt von Aljezur steigt sehr steil an

Auf der Rua João Dias Mendes laufen wir, aber sie macht keinen erfreulichen Eindruck, viele Häuser sind verfallen und es gibt so gut wie keine Geschäfte mehr, alles steht leer. Dann kommt ein kleiner Platz, der schon gefälliger wirkt. Auch hier sehen wir wieder Skulpturen, wie wir auch schon welche vor der Markthalle gesehen hatten. Kurz verschnaufen wir, bevor wir uns aufmachen zur Burg, die über der Stadt thront. Das heißt, es sind eigentlich nur noch Reste der Burg zu sehen, nachdem sie nach dem Erdbeben von 1755 nicht mehr wieder aufgebaut wurde.



überall in der Stadt sind Skulpturen aufgestellt



an der Igreja Matriz, der Pfarrkirche, vorbei geht es immer weiter hinauf zu den Ruinen der Burg



alles erstrahlt in schneeweiß

Puh, so steil hinauf wie hier in Aljezur mussten wir ja noch nie kraxeln. Wir sind dann froh, als wir oben ankommen. Und es gibt dann tatsächlich nicht mehr allzu viel zu sehen von der Burg selbst, nur Teile der Mauer, zwei Türme, einer davon ein Rundturm, und eine würfelförmige Zisterne mit einem Gewölbe. Die Burg, so lesen wir, entstand während der arabischen Herrschaft (10. Jh.) und diente zum Schutz der Bevölkerung vor feindlichen Angriffen und zur Kontrolle des am Fluss gelegenen Hafens. Über den Hafen wurde die Verbindung zum Meer sichergestellt; allerdings versandete er bereits vor langer Zeit.  



von den Resten der Burg ist nicht mehr allzu viel erhalten



nach dem Erdbeben von 1755 wurde die Burg nicht mehr wieder aufgebaut



die Blicke auf das Umland sind wie immer prächtig - in der Ferne ist das Meer

Ein tolles Panorama haben wir von hier oben in alle Richtungen, was ja bei Burgen und Festungen fast immer der Fall ist und auch für uns der Grund, zu fast jeder Burg hochzusteigen. Wir sind die einzigen hier oben; und der kalte Wind hat uns voll im Griff. Deswegen hat sich wohl auch niemand sonst hergetraut. Wir schauen zum neueren Teil von Aljezur, der nach dem Erdbeben von 1755 gegenüber dem alten und zu stark beschädigten Kern angelegt wurde, um so das Abwandern der Bevölkerung zu verhindern.



Aljezur verstreut sich auf mehrere Ortsteile - hier der neuere Teil



wir kraxeln wieder hinunter zur Altstadt

Dann kraxeln wir wieder hinunter, müssen aufpassen, dass wir nicht ausrutschen, so steil ist alles. Auf halber Höhe sehen wir dann einen Parkplatz, auf dem mehrere Wohnmobile stehen. Herbert findet, dass man da viel mehr Platz hat und vor allem, dass es da viel sonniger ist. Und recht hat er, denn da, wo wir derzeit stehen, ist nur Schatten und die Solarzellen können nichts laden. Irgendwann sind wir dann wieder unten und wollen noch irgendwo im Café sitzen. 



diesen Parkplatz sehen wir von oben, der Platz ist direkt hinter der Markthalle



so steil wie in Ajlezur haben wir es bisher noch nirgends erlebt



schöne Ausblicke hat man von diesen Häusern aus



wir sind wieder unten in der Altstadt angelangt



in das Café Esplanada Palmeira kehren wir ein, es liegt so hübsch am Fluss

Wir landen dann im Café Esplanada Palmeira, weil es so hübsch gelegen ist direkt am Fluss und in der Sonne. Wir lesen das Wort Glühwein und sehen ein paar Wimpel von deutschen Biersorten im Fenster, aber sonst ist alles auf portugiesisch. Und doch fragen wir den Wirt, ob er deutsch ist? Das ist er, und wir kommen mit ihm ins Gespräch. Erfahren, dass er seit 1979 (da war er 27 Jahre alt) hier lebt, dass seine Kinder hier geboren wurden usw. Wir reden über die heutige Zeit und wie schwierig das Leben in Portugal geworden ist. Er sagt, dass der letzte Winter noch recht ordentlich für ihn lief - wenn so die Krise ist, dann ist es gut, hatte er sich da noch gedacht - aber jetzt hat die Stadt ihm das Café, das er von der Stadt gepachtet hat, gekündigt. Man wolle den Park erweitern, der sich neben dem Fluss befindet, also hinter dem Café. Das Café würde deswegen abgerissen. Er hat es 29 Jahre lang betrieben, und nun kam das Schreiben der Stadt, dass in 60 Tagen alles vorbei sein soll. er hatte der Stadt daraufhin geschrieben und seine Umstände geschildert, was er in den letzten paar Jahren alles investiert hat usw. Die Hygienebestimmungen haben immer mehr verlangt. Er wurde dann auch angehört und man ging seine einzelnen Punkte mit ihm durch. "Wir haben Verständnis für Ihre Situation", hatte es geheißen und das Ergebnis dessen war, dass man die Frist zur Räumung verlängert hat, vom 17. Dezember auf den 31. Dezember. Eine Verarschung, das ganze. Er glaubt auch, dass entweder gar nichts abgerissen wird, oder erst Jahre später, oder dass irgendein Verwandter der Stadtverwaltung das Café eines Tages weiter betreiben wird. Er zählt uns mehrere Fälle von Willkür auf, die völlig unerhört sind. Der Mann ist Kölner, aber allzu viel Rheinische Fröhlichkeit ist nicht mehr in ihm. Seine zwei erwachsenen Kinder, die längst daheim ausgezogen waren, wohnen seit einiger Zeit wieder bei ihm und seiner Frau. weil das Geld, der Lohn, einfach nicht mehr reicht. Wir reden dann auch über Immobilien und er sagt, dass man getrost 40% weniger bieten kann auf Immobilien. Er weiß vom Verkauf eines Objektes, das mit 380.000 EUR auf dem Markt war und für 220.000 EUR verkauft wurde. Wir reden und reden, während er bei uns am Tisch sitzt. Am besten, so sagt er, halten seine Frau und er sich wieder Ziegen, Schafe, Hühner und Enten, machen Käse usw., wie sie es in ihren Anfangsjahren in Portugal getan hatten. Denn auf den wöchentlichen Bauernmärkten könne man noch ohne weiteres seine Produkte verkaufen, da sind die Bestimmungen noch nicht so krass. Na, wir können nur das Beste hoffen und ihm alles Gute wünschen. Wir glauben, dass man ihm das Café wegnehmen will, weil die Lage total gut ist. Alle kommen mit ihren Autos über die Brücke gefahren, fahren auf den Parkplatz direkt dahinter und landen nach den ersten Schritten direkt in diesem Café. Wir verabschieden uns von ihm und stellen den Phoenix dann auch auf den Parkplatz hinter der Markthalle. Hier sind wir besser aufgehoben. Nachts regnet es wieder sehr stark.



während wir sitzen, werden die Kühe durch das Flussbett geschickt; lautes Gebimmel von den Glocken um ihren Hals



nachdem wir auf dem neuen Parkplatz stehen, können die Solarzellen noch schön laden

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