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Dienstag, 24. Mai 2016



Eloúnda erwacht zu neuem Leben

Alle halbe Stunde fahren Boote von Eloúnda hinüber nach Spinalonga, der ehemaligen Lepra-Insel. Heute wollen wir Spinalonga (Spitzer Dorn) auch einmal besuchen. Wir nehmen das Boot um 10:10 Uhr, damit wir den vielen anderen Touristen und der Sonne voraus sind. Die Überfahrt kostet 10 EUR p.P und ist sehr hübsch. Bevor die kleine Insel Spinalonga in 1903 zur Leprakolonie erklärt wurde, war sie venezianisch und gehörte auch zum Osmanischen Reich. Als die letzten Türken die Insel verlassen hatten, hat man die Leprakranken von ganz Kreta zusammengetrieben und auf Spinalonga gebracht. Ab 1913, als Kreta Teil Griechenlands wurde, kamen Leprakranke aus ganz Griechenland hierher und durften die Insel bis zu ihrem Tode nicht mehr verlassen.



mit dem Boot setzen wir über nach Spinalonga



nach kurzer Fahrt (20 Minuten?) kommt die Insel Spinalonga in Sicht


 



zwei geführte Gruppen, auf englisch und französisch, laufen über die Insel



ständig kommen und gehen die Boote



die Leprakranken konnten zum Teil in bestehende Häuser ziehen (die vorher von Türken bewohnt waren)

Wir laufen dann einmal um die ganze Insel herum, kommen an den ehemaligen Wohnstätten vorbei, an der früheren Anlegestelle, die dem kleinen Dorf Pláka direkt gegenüberliegt. Von dort aus wurde die Versorgung der Insel gesichert. Im Desinfektionsraum, der sich unmittelbar an die alte Anlegestelle anschließt, steht noch der Dampfkessel, in dem alles, was die Insel verließ, abgekocht wurde, auch Geld. Die Leprösen lebten ein erbärmliches Leben auf der Insel, ohne fließend Wasser und Strom, bzw. kam Strom erst in 1949 mittels eines Stromgenerators, den die wohlhabende Familie eines Kranken gespendet hatte. Der Staat war verpflichtet, den Leprösen eine monatliche Rente zu zahlen. Die ärztliche Versorgung auf der Insel war auf ein Minimum beschränkt. In 1941 entdeckte ein französischer Arzt, dass man die Lepra mit Sulfamid behandeln und heilen konnte. In 1953 wurde endlich eine wirksame Medizin gegen die Lepra gefunden und einige der auf der Insel lebenden Kranken konnten Spinalonga geheilt verlassen. In der Freiheit blieben sie in ihren Heimatdörfern aber weiterhin geächtet. Es wurde unter den Kranken auch geheiratet und insgesamt wurden 20 Kinder geboren, die alle gesund waren, aber wegen der Ansteckungsgefahr in ein Athener Waisenhaus gebracht wurden. Wobei die Lepra nur durch Bakterien auf dem Blutweg übertragen wird, also von offener Wunde zu offener Wunde. Es gab einen Mönch, der 20 Jahre lang auf Spinalonga gelebt hat, ohne sich anzustecken.



solche Infotafeln hätte es gern mehr geben können (es gibt nur zwei)



das meiste ist verfallen



ein Blick in den Desinfektionsraum - in diesem Kessel wurde alles abgekocht, was die Insel verließ

All dies lesen wir in unserem Kreta-Reiseführer (aus dem Michael-Müller-Verlag), denn auf der Insel selbst sind kaum Informationen zu lesen. Alles ist auch ziemlich verfallen; das hatten wir uns anders vorgestellt. (Zumal der Eintritt 8 EUR p.P. kostet.) Die Leprakolonie hatte von 1903 bis 1957 bestanden; das ist alles noch gar nicht so lange her, noch kein Menschenleben. Und dann lesen wir, dass Aristoteles Onassis erwog, auf der nun unbewohnten Insel ein Spielcasino zu eröffnen. Aber der griechische Staat war damals hellsichtig genug, dieses Vorhaben nicht zu genehmigen. Spinalonga blieb seitdem unbewohnt und es haftet der kleinen Insel bis heute das Stigma des Leids und der lebenden Toten an. Unser Rundgang um die kleine Insel ist nur 1km lang; es ist eine sehr kleine Insel. Das Boot, das uns dann wieder abholt, fährt dann einmal um Spinalonga herum, da merkt man, wie klein die Insel ist. Nach Pláka, von wo aus die meisten Boote übersetzen, könnte man schwimmen; das ist ganz nah. Dann sind wir wieder daheim. Der Abend wird so schön wie gestern.



dies ist das frühere Tor auf die Insel, gleich anschließend rechterhand der Desinfektionsraum



Spinalonga ist eine kleine Insel von nur 8,5 Hektar



wir sind geistesgegenwärtig genug, uns auf beiden Überfahrten ganz nach außen zu setzen


 


 



als wir Spinalonga verlassen, fährt der Käpt'n noch einmal ganz um die Insel herum - das ist sehr schön



wieder erreichen wir Eloúnda



man ist immer beschäftigt an den Fischerbooten

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