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Montag, 04. Februar 2013



uns wird der Tee gebracht

Die Nächte sind jetzt längst nicht mehr so afrikanisch mild wie in den ersten Nächten in Chefchaouen, sondern empfindlich kalt. Desto mehr freut es uns, als es um 9:00 Uhr Ortszeit an unsere Türe klopft. Es ist jemand vom Camp, der allen Gästen einen Tee bringt. Wir sind geistesgegenwärtig genug, ihn um ein Foto zu bitten. Und der Tee tut dann sehr gut, auch wenn er nicht der berühmte Minzetee ist, den man sonst in Marokko immer bekommt.



vielen Dank dafür

Wir wollen ja heute ins 9km entfernte Moulay Idris, und kurz überlegen wir, ob wir die Yamaha nehmen sollen. Aber irgendwie sind wir zu faul, sie aus der Garage zu holen. Auch haben wir im ganzen Land erst zwei Motorräder gesehen. Und so entscheiden wir uns für den öffentlichen Bus, der alle 20 Minuten fährt. Es ist die Linie 29. Als wir unten an der Hauptstraße auf den Bus warten, sind es wieder fast nur Autos von Mercedes, die wir sehen. Es ist ungefähr 11:00 Uhr Ortszeit.



unten an der Hauptstraße warten wir auf den Bus

Der Bus kommt dann nach zehn Minuten und ist so rappelvoll, dass wir uns gerade noch in den Mittelgang quetschen können. Die Fahrt kostet 4 DH (0,36 EUR). Kaum fährt der Bus an, sprechen uns vier sitzende Frauen an und wirken ziemlich aufgeregt. Alles, was wir verstehen, ist das Wort Camera. Als sie merken, dass wir sie auf französisch nicht verstehen, zeigen sie auf die Kamera und auf den Boden. Was ist mit der Kamera? Herbert will doch gar kein Foto machen. Und dann merken wir, dass der Deckel vom Objektiv heruntergefallen ist. Also geht Annette im rappelvollen Bus in die Hocke und fischt mit einer Hand nach dem Deckel. Die Leute heben ihre Füße an, und dann hat sie den Deckel. Dass der überhaupt auf den Boden fallen konnte und nicht zwischen zwei Leuten steckengeblieben ist. Weil es doch so voll ist. Der Bus windet sich dann die Serpentinen hinauf nach Moulay Idris und hält an einem größeren Platz. Wir fragen unseren Busnachbarn "Centre Ville"? Oui, ici, sagt er. Hier ist also das Stadtzentrum und wie so viele andere steigen wir aus. Der Bus fährt dann noch weiter hoch



diesen Blick haben wir, als wir aus dem Bus aussteigen, und wie immer wimmelt es von Menschen

Der erste Eindruck ist wie immer der, dass es nur so wimmelt von Menschen. Viele Esel sind mit Lasten unterwegs. Wir sehen ein paar Stufen, die zu einer Plattform führen. Von dort haben wir einen tollen Blick auf die Stadt. Jetzt wollen wir erstmal zum runden Moscheeturm gehen, den man von der Post aus gut sehen soll. Zufällig gehen wir in der richtigen Richtung, finden die Post und sehen wenig später den Turm.



diese Stände gehören zum Gemüsemarkt



als erstes zieht es uns zum runden Moscheeturm

Der Moscheeturm ist ringsum mit Koransuren in weißer Kufischrift bedeckt, auf grün glasiertem Untergrund. Schade nur, dass man gar nicht direkt an den Turm herangehen kann. wir versuchen es von mehreren Gassen aus, landen aber immer nur vor verschlossenen Toren, die zu Wohnhäusern bzw. deren Gärten führen. Auch hatten wir gedacht, dass der Turm viel größer sein würde, denn schließlich gilt Moulay Idris als Wallfahrtsort. Wir lesen, dass manche Marokkaner drei Pilgerfahrten nach Moulay Idris unternehmen, um damit eine Hadj, eine Pilgerfahrt nach Mekka zu ersetzen, da ihnen diese zu teuer ist. Obwohl sich eine Hadj natürlich nicht ersetzen lässt.



von der kleinen Terrasse haben wir diesen Blick auf Moulay Idris

Wir werden mehrfach angesprochen, ob wir die petite terrasse und die grande terrasse sehen wollen? Aber wir schütteln alle Leute ab, wollen die Stadt auf eigene Faust erkunden. Ein Junge von vielleicht zehn Jahren lässt sich aber nicht abschütteln, und so führt er uns zur petite terrasse, der kleinen Terrasse. Er zeigt auf alle möglichen Gebäude der Stadt und nennt deren Namen. Es sind gar nicht so wenige Dinge, die die Stadt aufzuweisen hat. Denn immerhin gilt Moulay Idris als die älteste Stadt des heutigen Marokkos. Moulay Idris (Idris Ben Abdellah) gründete sie im Jahr 788; er ist zugleich der Gründer des marokkanischen Königreiches. Er war auf der Flucht vor dem Abassidenherrscher Harun el Rashid, der ihn später vergiften ließ. Das alles lesen wir im Reiseführer, aber dann erinnern wir uns an den Jungen, der ja immer noch bei uns ist. Wir geben ihm für seine Dienste 2 DH, worüber er sich freut.



jetzt heißt es wieder hinunterkraxeln in die Stadt

man muss gut zu Fuß sein

ein kurzer Blick zurück

alles ist alteingesessen und einfach


 

ein Esel kommt des Wegs

mit seinem Führer geht er sogleich weiter

Jetzt sind wir also wieder allein, steigen die vielen Stufen und engen Gassen hinab zur Unterstadt. Aber dafür, dass so viele Menschen jedes Jahr nach Moulay Idris kommen, hätten wir uns die Stadt etwas gefälliger vorgestellt. Dass vielleicht genug Geld in die Stadt gespült wird. Aber die Häuser und Gassen sind doch sehr einfach und ärmlich. Wir kommen an die Grabmoschee des Moulay Idris im unteren Teil der Stadt, deren grün glasierte Dachziegeln wir ja schon von oben sehen konnten. Sie befindet sich im Heiligen Bezirk, der am Platz des Grünen Marsches beginnt. Ein hübscher großer Platz mit Arkaden und zahlreichen kleinen Geschäften. Dann gelangen wir an den sogenannten Horm, den Sperrbezirk, den Ungläubige nicht betreten dürfen. Sowohl eine Barriere, unter der die die Einheimischen hindurchschlüpfen als auch ein Schild weisen darauf hin

an dieser Barriere geht es für uns nicht weiter, denn . . .

. . . der Zutritt ist Nichtmuselmanen nicht gestattet

auf dem Platz des Grünen Marsches - Sahat Massira el Khadra

Wandeln wir also über den schönen Platz und lassen uns vom ständigen Trubel, der ständig gegenwärtig zu sein scheint, einfangen. Die Leute sind am Werkeln, man preist alle möglichen Dinge und Lebensmittel an. Esel schleppen Gasflaschen, die in großen Taschen an ihnen angebracht sind. Wir laufen den Platz ganz bis zum Ende und kommen an ein Stadttor, wo sich der LKW mit den Gasflaschen befindet.  

hier reiht sich ein Geschäft an das andere

Oliven, Datteln und Feigen im Überfluss

die Esel sind immer so genügsam und geduldig

dieses Tor befindet sich am Anfang bzw. Ende des großen Platzes

diese Tajines sind keine Dekoration, sondern es befindet sich das fertige Essen darin

Wir werden auch mehrfach angesprochen, dass wir doch eine Tajine essen sollen. Man zeigt auf die Restaurantterrassen, wo man schön sitzen kann. Man hat auch viele Fleischspieße mit Hackfleisch auf dem Feuer liegen, aber uns ist heute nicht nach einer Einkehr zumute. Vieles ist heute verwirrend, und wir wollen daheim essen. Selbst einen Eintopf kochen, der ja nicht anders als eine Tajine ist. Dafür brauchen wir nur noch ein paar Karotten, alles andere haben wir.

ein weiterer Eindruck vom Platz des Grünen Marsches

wir sind auf dem Markt

hier kaufen wir ein halbes Kilo Oliven, gemischt aus allen Sorten

Gehen wir also auf den Markt, der sich an den Platz anschließt. Wie es hier wimmelt von Waren. Auch von Hühnern, die kopfüber mit zusammengebundenen Füßen an Stangen hängen und die, als man sie für den Verkauf herunternimmt, vergeblich um ihr Leben krähen. An einem Olivenstand bleiben wir stehen, weil alles so gut aussieht. Sogleich bekommen wir eine Olive in die Hand. Wie gut die ist. Was ein Kilo kostet, fragen wir. 6 DH (0,54 EUR). Was, so billig? Wir nehmen dann ein halbes Kilo - demi kilo, s'il vous plaît. Am Ende kaufen wir dann noch 2 Fladenbrote á 4 DH (0,36 EUR) und 3kg Orangen für 18 DH (1,62 EUR)

Warten auf Kundschaft

das Angebot von Obst und Gemüse ist üppig

mit dem Bus geht es wieder zurück

Dann gehen wir zur Haltestelle für den Bus. Der Bus steht gerade da und will schon losfahren. Da winken wir ihm und können noch schnell an Bord gehen. Diesmal ist er nicht so voll, aber stehen müssen wir trotzdem. Wir stellen uns vorsorglich in die Nähe der Tür, damit wir wieder leicht hinauskommen. Und obwohl wir uns gar nicht so lange in der Stadt aufgehalten haben, sind wir ziemlich kaputt, als wir wieder am Camp sind. Gut, dass die Hauptstraße nur etwa 200m vom Camp entfernt ist. Den Rest des Tages verbringen wir am Platz und sitzen in der Sonne. Morgen wollen wir mit dem Bus nach Meknès.

Ankunft am Camp - an dem Schild konnten wir uns im Bus gut orientieren

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