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Dienstag, 05. Februar 2013



mit dem Bus nach Meknès

Nachdem wir nun Übung haben mit dem öffentlichen Bus, wollen wir heute mit ihm nach Meknès fahren. Diesmal sind wir noch eine Stunde früher unterwegs (10 Uhr Ortszeit), da wir für Meknès sicher viel Zeit brauchen. Wir sind kaum unten an der Hauptstraße angekommen, stehen noch auf der Straßenseite der Fahrtrichtung nach Moulay Idris, als ein großer Überlandbus in Richtung Meknès kommt. Er hält an, der Busschaffner steigt aus und ruft Meknès? Oui, Meknès, sagen wir und laufen schnell über die Straße. Es ist ein richtig bequemer Bus mit weichen Sitzen, und vor allem ist genug Platz für jeden. Die Fahrt kostet je 7 DH (0,63 EUR). Sie dauert dann etwa 45min, weil unterwegs oft angehalten wird, um weitere Fahrgäste aufzusammeln. Vor allem gibt es im Stadtgebiet von Meknès viele Haltestellen. Wir fahren bis zur Endstation und der Schaffner sagt, dass Bab el Mansour ganz in der Nähe ist. Bab el Mansour ist eines der Tore der Stadt und so gut gelegen, dass es der perfekte Orientierungspunkt ist.



der Bus fährt bis ganz in die Innenstadt - so arabisch wie er beschriftet ist, wären wir wohl von selbst nie eingestiegen



auf dem Place el Hédim

Es sind dann tatsächlich nur wenige Schritte und wir kommen auf den riesigen Hauptplatz von Meknès, den Place el Hédim. Er hat riesige Ausmaße. Noch geht alles beschaulich zu, aber die Restaurants stehen schon in den Startlöchern für das Mittagsgeschäft. Erstmal schauen wir uns nur um, sehen auch das Bab el Mansour und gehen zunächst mal in die alte Markthalle, die sich direkt am Platz befindet.



noch geht es beschaulich zu auf diesem riesigen Platz



als erstes werfen wir mal einen Blick in die Markthalle am Place el Hédim



wer hier einkauft, zerstört ja das aufgeschichtete Gesamtkunstwerk



wie es hier duftet von Gewürzen und Oliven

In dieser Halle werden nur Lebensmittel verkauft. Alles ist so kunstvoll aufgeschichtet, dass es direkt schade wäre, diese Kunstwerke zu zerstören. Man lässt uns hier in Ruhe schauen, wofür wir dankbar sind. Dann laufen wir ans nördliche Ende des Platzes und tauchen ein in die Medina.



noch ein Blick auf den Place el Hédim mit seinen gewaltigen Ausmaßen von ca. 200x100m

die Restaurants am Place el Hédim bereiten sich auf das Mittagsgeschäft vor

wir sind in der Medina - hier ist das Näherviertel

Jemand spricht uns an und bedeutet uns, dass wir in diese oder jene Gasse gehen sollen auf dem Weg zur Großen Moschee. Das tun wir, aber im Nu haben wir diesen Mann an unserer Seite. Er spricht auch ein wenig englisch und führt uns von einer Gasse in die nächste, zeigt und erklärt dies und jenes, während wir immer tiefer in die Medina vordringen. einerseits ist es interessant, was er uns alles zeigt, und allein hätten wir wohl nicht hierhergefunden, aber andererseits verlieren wir recht schnell den Orientierungssinn und auch das Zeitgefühl. Er führt uns durch das Textilviertel, wo etliche Leute an Nähmaschinen sitzen, durch das Viertel, wo Garn produziert wird, wo geschmiedet wird, wo Möbel aus Holz angefertigt wird usw. Unglaublich, wie hier jeder am Wuseln ist, jeder ist an einem Auftrag beschäftigt und es ist ein endloses Werkeln. Wir lassen uns Zeit auf unserer Führung, und doch kommen wir kaum dazu, irgendwo mal richtig zu verweilen oder genügend Fotos zu machen. Im Grunde achten wir immer nur darauf, was uns Mohamed, so heißt er, erzählt. Er spricht einen Mix aus englisch und französisch, ist aber gut zu verstehen.

unser Führer Mohamed bringt uns immer tiefer in die Medina

hier wird am offenen Feuer geschmiedet

immer geheimnisvoller wird es

hier gibt es die Instrumente für die tolle arabische Musik

An den Ständen mit den traditionellen Musikinstrumenten vorbei geht es, an Koranschule und Grundschule, zur Großen Moschee und immer weiter weg vom Hauptplatz. Auch erklärt er uns an den Mosaiken einer kleinen Moschee mitten in der Medina, dass die vier Farben der Mosaiken für die vier Königsstädte stehen: Grün für Meknés, Blau für Fés, aber für Gelb und Rötlich können wir uns die Königsstadt nicht merken. 

in dieses Wohnviertel wären wir von selbst wohl gar nicht vorgedrungen

das Motorrad mit dem Aufsatz ist in der engen Kurve steckengeblieben

Blick auf die Große Moschee - Grande Mosque - von Meknès

Alltagsszenen an der Großen Moschee

wir sind am nördlichen Ende der Altstadt, am Tor Bab Berdaine

Schließlich finden wir uns am nördlichen Ende der Altstadt wieder, vor dem Tor Bab Berdaine. Es ist ein hübscher Blick durch dieses Tor und aufs Grüne, als hätte man plötzlich die Stadt hinter sich gelassen. Ein Polizeiauto hat hier geparkt, und Mohamed ist plötzlich weg, als hätte ihn was gestochen. Wahrscheinlich hat er Angst vor der Polizei, denn Stadtführer ohne Lizenz sind in Marokko bei Strafe verboten. Als wir das Tor wieder verlassen, ist auch Mohamed wieder da. Immer noch gibt es so viele Dinge, die er uns zeigen will. Aber all diese Dinge zu verarbeiten und zu verdauen ist gar nicht so leicht. Am Ende kommen wir wieder an unseren Ausgangspunkt zurück, sagen ihm, dass wir nun allein weitermachen wollen und geben ihm 40 DH (3,60 EUR) für seine Dienste. Puh, jetzt sind wir kaputt und wollen irgendwo sitzen und einen Salat essen.

überall sind Leute; nie ist man irgendwo allein

Blick auf die Koranschule von Meknès

diese kleine Moschee mitten in der Medina ist ohne Minarett

jetzt sind wir fußlahm und wollen erstmal eine Kleinigkeit essen

Und da es auf dem großen Place el Hédim so viele Restaurants gibt und man von dort so schöne Blicke auf das Bab el Mansour hat, setzen wir uns halt in eines davon. Der Orangensaft, Minzetee, die beiden Salate und der eine Kebab kosten zusammen 105 DH, aber die Bedienung kommt auf eine Summe von 160 DH (14,40 EUR). Moment, sagt Herbert, denn übers Ohr hauen lassen wollen wir uns nun auch nicht. Lieber geben wir das Geld den alten Frauen, die auf den Stufen auf dem Platz sitzen. (Das machen wir heute auch mehrmals und geben ihnen jeweils ein paar Münzen in die Hand.) Jedenfalls zahlen wir am Ende 120 DH (10,80 EUR) mit Trinkgeld.

Blick auf das Bab el Mansour, das berühmteste Tor Marokkos

die Stadtmauer ist prächtig mit ihren vielen Mosaiken und Toren

Nun gehen wir durch die Stadtmauer am Bab el Mansour und kommen zum angrenzenden Place Lalla Aouda. Erstmal setzen wir uns auf eine der Bänke und lesen ein wenig in unserem Reisebuch. Lesen, dass Meknès eine der vier Königsstädte Marokkos ist, dass sich die Stadt dreiteilt in die Ville Nouvelle (die Neustadt), die Medina (die Altstadt) mit den Souks, die seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe ist, und die 4ha große Ville impériale, die Königsstadt, deren Monumentalbauen von Moulay Idris errichtet wurden. Der Place Lalla Aouda, auf dem wir gerade sitzen, war der frühere Aufmarschplatz der der schwarzen Garden, einem riesigen Heer von schwarzafrikanischen Sklaven, dessen Heer am Ende der Herrschaft des prunksüchtigen Moulay Ismail über 150.000 Mann umfasst haben soll. Das alles lesen wir und finden, dass wir als nächstes zum ehemaligen Christengefängnis gehen sollten.

auf dem Place Lalla Aouda

hier trocknet kiloweise altes Brot in der Sonne, und Schafwolle gibt es bergeweise

dort hinten links ist der Eingang zum Christengefängnis

Der Eintritt beträgt 10 DH (0,90 EUR) und dann steigen wir die Stufen hinab in das unterirdische Verlies, das wiederum gewaltige Ausmaße hat. Wir lesen, dass man in diesen Verliesen einst bis zu 50.000 Gefangene festgehalten hat, sowohl Christen, die bei Kämpfen mit Briten, Spaniern und Franzosen gefangengenommen wurden als auch marokkanische Aufwiegler, Straftäter und Piraten warteten hier auf ihre Befreiung. Einige Gefangene wurden als Sklaven an die Diplomaten verkauft, andere mussten Fronarbeit bei der Errichtung der Prunkbauten Moulay Ismails leisten. Wobei, so lesen wir, mittlerweile angezweifelt wird, ob es sich bei den unterirdischen Hallen tatsächlich um Gefängnisse gehandelt hat oder, wovon neuere Theorien sprechen, nicht doch um ein Lebensmittellager.

das Christengefängnis ist ein unterirdisches Verlies, das einst 50.000 Gefangene fasste

lass uns wieder hinaufgehen

nach einem weiteren Tee im Schatten dieser Arkaden im Hintergrund müssen wir uns etwas in der Sonne wärmen

durch das Tor Bab er Rih geht der Weg zum Königspalast

Wir wollen uns als nächstes das Mausoleum Moulay Ismails anschauen, aber es öffnet erst um 15:00 Uhr. Vertreiben wir uns die Wartezeit also bei einem weiteren Minzetee, denn es ist erst 14:15 Uhr. Dann aber ist es so weit, und durch die relativ schlichten Vorräume gelangen wir zum kunstvoll im maurischen Stil ausgestattetem Mausoleum, von dessen Eingang wir Nicht-Muslime einen Blick auf die Grabstätte werfen können.

die Vorräume des Mausoleums sind relativ schlicht

desto kunstvoller ist es im Innern des Mausoleums

welche Pracht

das orientalisch-ornamentalische ist faszinierend

wir gehen die Stadtmauer entlang auf dem Weg zum Königspalast

Jetzt noch zum Königspalast, auch wenn wir schon gar nicht mehr recht mögen. Irgendwo hatten wir gelesen, dass die Stadtmauer eine Länge von 40km haben soll. Aber der Alaouitenherrscher Moulay Ismail war eben prunksüchtig und ließ im 17. Jh. von tausenden Sklaven die Ville Impériale - die Königsstadt - als neues Regierungsviertel mit Palästen, Gärten, Moscheen, Pferdeställen und dunklen Verliesen errichten. Als wir am großen Platz vor dem Königspalast ankommen und mehrere Fotos machen, werden wir von der Polizei bzw. den Wachtposten angesprochen, was wir denn hier wollen. Nur ein paar Fotos machen, sagen wir ihnen. Dann kehren wir zurück in die Innenstadt, auf dem Weg zum Bus. Es ist 16:35 Uhr Ortszeit, als wir auf zwei der vielen freien Sitze im Bus der Linie 29 fallen.

um den Königspalast herum ist alles sehr prächtig und gepflegt

wir gehen zurück in die Altstadt und zum Bus

Wieder zurück auf dem Camp sehen wir, dass mehrere, na bestimmt zehn Wohnmobile einer holländisch geführten Marokkotour auf den Campingplatz gekommen sind. Und bis zum Abend kommen immer noch mehr Wohnmobile, fast nur Franzosen, sodass später alle Plätze belegt sind. Noch später am Abend sitzen wir ewig lange an der Auswahl der heutigen Fotos, aber irgendwie ist heute der Funke nicht übergesprungen in Meknès. Wir hatten sie uns als eine der vier Königsstädte doch noch anders vorgestellt. Vielleicht war es im nachhinein ungünstig, mit der wunderbaren Stadt Chefchaouen den Auftakt in Marokko gemacht zu haben?

einen letzten Blick werfen wir auf Meknès, bevor wir in den Bus einsteigen

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