d19.jpgd01.jpgd02.jpgd10.jpgd21.jpgd11.jpgd14.jpgd08.jpgd04.jpgd07.jpgd13.jpgd18.jpgd06.jpg

Mittwoch, 27. Februar 2013



Blick auf das Camp La Boussole in M'hamid

Morgens um 6:45 Uhr leuchtet der Vollmond über der Wüste und gibt ein ganz besonderes Licht ab. Die Sonne lässt dann auch nicht mehr lange auf sich warten, worauf Herbert nur wartet, denn er will noch ein paar Fotos vom Camp im Morgenlicht machen. Am liebsten würden wir auch ganz früh losfahren, aber der Betreiber ist nirgends aufzutreiben. Den Holländern geht es wohl genauso, denn wir sehen sie mehrmals zur Rezeption laufen. Um 9:40 Uhr Ortszeit endlich ist er da, und so trifft Annette die Holländerin beim Bezahlen an. Reisen Sie auch ab? fragt sie die Frau. Ja, wir hatten uns das alles anders vorgestellt, sagt diese. Daraufhin Annette: Uns geht es genauso. Und so machen wir uns eben auf den langen Weg zurück in nördlicher Richtung; über Zagora und Ouarzazate wollen wir jetzt langsam Marrakech in Angriff nehmen.  



das Dach ist aus Palmenstämmen gebaut

Für die Tajine gestern Abend sollen wir doch tatsächlich 120 DH zahlen, 60 DH pro Person. Dafür bekommt man anderorten schon ein ganzes Menu mit Salat und Dessert. An das schlechte Fleisch dürfen wir gar nicht denken. Aber das kommt davon, wenn man mal nicht vorher nach dem Preis fragt, was sich Annette doch eigentlich schon so angewöhnt hatte. Na gut. Jetzt liegen also die knapp 250km bis Ouarzazate vor uns.



hier haben wir gesessen und gelesen



wir verlassen M'hamid



jetzt geht es zum erstenmal in nördlicher Richtung



das grüne lasierte Tongeschirr ist hier sehr verbreitet



so werden hier die Schulkinder transportiert

In einem der Dörfer werden gerade diese Schulkinder aufs Dach verfrachtet bzw. abgesetzt. Schlecht gefahren ist immer noch besser als gut gelaufen, sagt man ja immer, und überhaupt staunen wir immer, wie weit die Kinder laufen müssen, um zur Schule zu kommen. Wir sehen sie sehr oft in großen Gruppen auf den Überlandstraßen mit ihren Schulranzen laufen und weit und breit keine Ortschaft, geschweige denn eine Schule zu sehen. Auch staunen wir, wie klein manche Schulkinder sind; sie können nicht älter als 5 Jahre sein. Es ist ein entbehrungsreiches Leben, das man schon von Kindesbeinen an führt.



wir kommen gut voran kurz vor Zagora



in Zagora wird der Luftdruck geprüft

In Zagora, der Stadt, in der wir uns so gern aufgehalten haben, tanken wir wieder bei Total für 200 DH. Man weist Herbert darauf hin, dass der Luftdruck zu schwach ist. Vielleicht will man gern ein paar Dirhams verdienen, aber wir müssen zugeben, dass besonders die Vorderreifen immer so aussehen, als wäre nicht genug Luft in ihnen. Aber die Luftdruckanlage bei Total geht wie überall nur bis 5,5bar. Wir aber brauchen 6,5bar. Also läuft man ein paar Meter zu einer benachbarten Werkstatt, wo man uns, als wir daraufhin zu ihr fahren, sehr eifrig begrüßt und sich zu zweit sogleich an die Reifen macht. Nachdem alle 6 Reifen geprüft sind und sich herausstellt, dass der Luftdruck überall richtig war, gibt Herbert den beiden jungen Männern je 10 DH, über die sie sich sehr freuen. Dann fragt er auch mal nach dem Preis für zwei Starterbatterien, wofür aber der Boss geholt werden muss. Der schreibt 10.000 DH (900 EUR) auf, woraufhin Herbert sagt, dass in Deutschland eine Batterie ca. 150 EUR kosten würde, also ca. 1.500 DH. Ja, sagt man daraufhin, aber für die 10.000 DH würde man hier ja zwei Batterien bekommen. Aber so ist das eben, wenn man immer alles rückwärts schreibt, und wenn selbst die Zahlen an den Wänden der Schulen in kleinen verzierten gemalten Kästchen folgendermaßen stehen: 20 - 19 - 18 - . . . . . - 3 - 2 - 1. Da wird man sicher ganz meschugge, dass die Zahlen vorwärts geschrieben werden. Wir bedanken uns bei den Leuten in der Werkstatt, die immer zahlreicher geworden sind, je länger wir uns dort aufgehalten haben, so als würden sich Leute von der Straße dazugestellt haben, um dem seltenen Spektakel beizuwohnen.



hier fragen wir auch mal nach dem Preis für neue Batterien



wir erreichen wieder die Berge



hier und da sind Oasengärten angelegt



wie gut das Grün dem Auge tut

Unterwegs, es ist wieder keine Menschenseele zu sehen, sehen wir plötzlich ein kleines Mädchen von vielleicht 3 Jahren mit zwei Frauen am Straßenrand stehen. Ach, halt mal an, ich will ihm eine Kleinigkeit geben, sagt Annette zu Herbert und holt ein paar Süßigkeiten aus dem Schrank. Dann aber stehen wie aus dem nichts drei größere Mädchen von vielleicht 10 oder 12 Jahren da, und das kleine Mädchen auch. Sie stürzen sich mit einer Herzenslust auf die Sachen, die Annette ihnen gibt und freuen sich so sehr darüber. Annette war in ihrer Kindheit im Osten ganz genauso und konnte sich an den kleinsten Dingen so erfreuen, und das wenige, das man besaß, wurde für immer in Ehren gehalten. Vielleicht sieht Annette sich ja selbst in diesen Mädchen. Jedenfalls wissen wir, was wir das nächstemal nach Marokko mitnehmen werden (kleine Plüschtiere und Spielsachen, die die Kinder wohl ihre gesamte Kindheit über behalten werden), denn wir sind mittlerweile fest davon überzeugt, dass unsere erste Reise nach Marokko nicht die letzte gewesen sind. -- Und Jungs gibt Annette nicht mehr so gern etwas, denn die waren beim letztenmal am Straßenrand richtig dreist, haben immer miissi, miissi gesagt, was wohl mehr, mehr heißt, mit einer Handbewegung wie Na los, lass schon rüberwachsen, ich will noch mehr haben. Jungen werden in diesem Kulturkreis eben wie kleine Prinzen erzogen und sind als Männer richtige Paschas. Da hält sich Annette lieber an die Mädchen, deren Leben von Anfang an viel schwerer ist.



über diesen gewaltigen Pass müssen wir wieder



uns beeindrucken die Berge immer wieder aufs neue



solche Fotos aus dem Seitenfenster

Dann geht es wieder in die Berge, die uns jedesmal überwältigen. Annette ist redlich bemüht, diese gigantischen Formationen aufs Bild zu bekommen und schießt dutzende Fotos, während Herbert dutzende Serpentinen bewältigen muss. Nur gut, dass die Straße fast immer uns allein gehört, auch wenn wir uns in jeder Kurve auf Gegenverkehr einstellen. Es ist eine beeindruckende Fahrt mit faszinierenden Blicken auf Berge, die man in Europa wohl so nicht sieht. 


 

Irgendwann erreichen wir die Stadt Ouarzazate, wo wir bei Afriquia mittels Kreditkarte mal wieder volltanken. Dann fahren wir zum Camping L'Escale Tissa, wo wir um 16:30 Uhr Ortszeit gerade noch einen der freien Plätze ergattern können. Annette will einen Salat machen und nimmt die herrlichen roten spitzen und ziemlich großen Paprikaschoten her. Als sie zerschnitten sind, steckt sie sich einen kleine Paprikakern in den Mund, der übertrieben scharf schmeckt. Daraufhin knabbert sie mal an einer Spitze, hat aber gar keinen Geschmackssinn. Probier du mal, ob die Paprikas süß oder scharf sind, ich merke es gar nicht, sagt sie zum Herbert, der abbeißt und nach ein- zweimal kauen alles auf die Hand spuckt. Sein Gesicht verzieht sich und er quält sich mit dem höllisch brennenden Gefühl auf den Lippen. Das sind die falschen, bringt er gerade noch heraus. Annette tut alles in den Mülleimer, wäscht sich die Hände zweimal mit Seife und kratzt sich dann an ihrer Wange. Woraufhin ihr das ganze Gesicht brennt wie Feuer. Die Augen tränen und die Nase läuft. Noch zweimal Hände waschen mit Seife, und dann die Augen ausspülen mit Wasser. Aber da fängt die ganze Chose erst richtig an. Denn das Händewaschen scheint überhaupt nicht zu nützen, und nun ist alles in den Augen, die wie wild tränen. Auch kommt Rotz aus der Nase, der sich kochendheiß anfühlt. Blind wie sie ist mit ihren tränenden Augen läuft Annette zum Waschhäuschen und lässt fünf Minuten lang Wasser übers Gesicht laufen. Was für den Moment guttut, aber sobald sie vom Wasser weg ist, brennt alles wie verrückt. Wieder an Bord kann sie gerade noch herausbringen: Das ist ein Teufelszeug; damit kann man einen ja umbringen. Sie legt sich eine Weile aufs Bett, bis es irgend geht. Dann wird alles, womit das Teufelszeug in Berührung kam, weggetan: Handtuch, Taschentuch, Messer, Schneidbrett, alles kommt in den Wäschesack bzw. ins Waschbecken. Vom anderen Gemüse machen wir uns dann einen Salat und brauchen den ganzen Abend, um uns zu regenerieren. Gottlob hat keiner von uns das Zeug in den Schlund bekommen. Und morgen wollen wir eh hierbleiben und uns von der für uns langen Fahrt erholen. Solche langen Strecken, wie sie für andere Fahrer, solche ohne Zeit, vielleicht üblich sind, haben wir ja im Grunde nie nötig.



wir erreichen das Camp L'Escale kurz hinter Ouarzazate

back       |      next