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Freitag, 08. Februar 2013



hier warten wir auf den Bus der Linie 17, der in die Ville Nouvelle, die Innenstadt fährt

Als Herbert morgens über den Platz läuft, kommt er mit Nachbarn ins Gespräch, die gestern solch eine organisierte Stadtführung mitgemacht haben. Sie hätten zwar viel gesehen, sagen sie, aber ohne Verkaufsveranstaltungen in mehreren Geschäften kamen sie nicht davon. Und darauf haben wir nun überhaupt keine Lust. wir sind dann startklar und gehen über das Gelände des Schwimmbads, um zur Hauptstraße zu gelangen. Wir fragen jemanden am Eingang zum Schwimmbad, wo man am besten hingeht, um ein Taxi zu erwischen. Hier fahren keine Taxis, wir müssten erstmal mit dem Bus der Linie 17 in die Ville Nouvelle, die Neustadt fahren und dort ein Petit Taxi nehmen. In die Medina, so hatten wir gelesen, kann man so gut wie gar nicht mit dem Auto hinein, da alles zu eng ist. Also haben wir uns auf dem Stadtplan das Tor Bab Boujeloud herausgesucht und aufgeschrieben. Wir sehen dann auch schon einen 17er Bus, fragen, ob er in die Innenstadt fährt? Nein, wir müssen auf die andere Straßenseite, in die andere Richtung. Die Busfahrt kostet dann 3,50 DH pro Person bis zur Endstation, wo wir eines der vielen roten Petit Taxis fragen, was eine Fahrt zum Bab Boujeloud kostet? 20 DH, sagt man uns. D'accord - in Ordnung - und schon sitzen wir im kleinen roten Taxi und brausen davon, denn die Taxis haben immer einen rasanten Fahrstil.



mit dem Bus geht es in die Ville Nouvelle, die Neustadt von Fès



mit dem Petit Taxi fahren wir direkt bis vor das Tor Bab Boujeloud, wo die Medina beginnt

Direkt am Bab Boujeloud steigen wir aus dem Taxi und dann liegt uns die Medina zu Füßen. Die Gasse, die in die Medina führt, ist recht prächtig, aber es dauert nicht lange, bis uns ein echter Stadtführer anspricht, mit einem Schild um den Hals und allem. Für eine dreistündige Führung würde er 150 DH verlangen, aber rechte Lust haben wir nicht darauf. Zudem spricht er auch nur englisch (denn es gibt auch mehrere Führer, die deutsch sprechen). Wir lehnen also ab. Aber wenige Schritte weiter werden wir angesprochen, ob wir das Gerberviertel sehen wollen? Na gut, das wollten wir uns eh anschauen, und so willigen wir ein. Hätten wir nur vorher auf den Stadtplan geschaut oder wenigstens mal gefragt, wie weit entfernt das Gerberviertel ist. Der Mann, er heißt wieder Mohamed, ist ziemlich gut zu Fuß, rennt durch die Medina, dass wir ihm kaum folgen können. Dennoch halten wir oft an und machen dieses und jenes Foto, auch wenn die Medinas irgendwann alle gleich aussehen.



wir laufen durch die Medina von Fès



diese prächtigen Hühner warten auf ihr ungutes Ende



mittendrin in der Medina gibt es mehrere Moscheen



immer enger werden die Gassen



irgendwie lieben wir das Chaos, das überall herrscht



dieser Mann werkelt an kleinen Teekannen, an deren Verzierungen

der Esel bringt Gasflaschen

durch den Fleischwolf kommt das Fleisch

im überdachten Trakt wird alles etwas eleganter

was die Esel nicht alles schleppen müssen Tag für Tag, und nur, weil Autos nicht durch die engen Gassen passen

Mohamed (im Foto mit der grünen Djellabah gekleidet) rennt und rennt, aber er kennt die Medina ja wohl auch auswendig, im Gegensatz zu uns. Jedenfalls erreichen wir irgendwann, vielleicht nach 45 Minuten, das Gerberviertel, man riecht es auch rechtzeitig. Es hatte geheißen, dass es hier ziemlich stinken würde, aber es riecht nicht viel anders als in einem Ledergeschäft. Mohamed sagt uns, dass wir gleich rechterhand die Treppen hinaufsteigen würden, aber plötzlich ist er mit jemandem im Gespräch. Wir gehen ein paar Schritte weiter und schauen in die Brühe dieses Flusses.

Ankunft im Gerberviertel - das Wasser ist eine einzige braune Brühe

hier liegen die noch ganzen Felle in der Sonne zum Trocknen

überall hängen die Rohlederstücke zum Trocknen

man hat uns auf die Terrasse eines Verkaufshauses geholt, weil der Blick von hier oben am besten wäre

Da werden wir von zwei Männern angesprochen, ob wir nicht von deren Haus, von der Dachterrasse, auf die Gerber schauen wollen? Von da wäre der Blick auf alles am besten. Das entsprechende Haus sieht ziemlich schäbig aus, und Annette mag nicht recht mitgehen, aber dann gehen wir doch. Das Innere des Hauses ist dann sehr prächtig und ganz anders als von außen; bunte Kacheln an den Wänden und auf den Stufen, und überall hängen schicke Lederwaren an den Wänden. Mehrere Etagen sind zu erklimmen, bis wir uns auf der Dachterrasse wiederfinden.

hier geht die Arbeit wie seit dem Mittelalter unverändert vonstatten

Es ist ein rechtes Spektakel, was da unten vonstatten geht. Die Arbeiter steigen über die Bottiche, die zum Kalken, Beizen und Färben hergenommen werden. Diverse Felle hängen zum Trocknen auf den Freiflächen. Wir lesen, dass sich die Arbeit seit dem Mittelalter kaum verändert hat und dass Lederwaren aus Fès wegen ihrer guten Qualität schon im 12. Jh. bis nach Bagdad transportiert wurden.

die Arbeiter steigen über die Beiz- und Färbebottiche und es ist wohl eine einzige Plackerei

Wir wollen dann wieder hinuntersteigen, und plötzlich ist jemand an unserer Seite, der uns über die vielen Etagen mit den Verkaufsflächen bringen will. Plötzlich geht die Treppe für uns nicht mehr in einem Durchgang durchs Haus, sondern müssen wir in jeder Zwischenetage abbiegen zu den Verkaufsflächen. Wir schauen uns die Lederwaren an und bedeuten dem Mann, dass wir wieder hinuntergehen wollen. Was wollen Sie, fragt er uns. Eine Jacke, eine Tasche, Stiefel? Wir wollen nichts, sagen wir ihm, nur wieder hinaus aus dem Haus. Da wird er ziemlich sauer, und als wir gemeinsam wieder unten sind, will er 20 DH für seine Führung durchs Haus. Er stellt sich uns in den Weg, aber dann tut sich eine Lücke in der Tür auf, als jemand ins Haus tritt. Geh schon, sagt Annette zu Herbert, der vor ihr steht. Ich komm' schon hinterher. Am Ende drückt sie dem Mann 4 DH in die Hand, über die er sich erbost. Aber was soll's, und am Ende sind wir wieder auf der Straße.

wir werden durch die einzelnen Verkaufetagen geschleppt, aber kaufen wollen wir ja eh nix

wieder geht es durch die Medina zurück zum Bab Boujeloud

auf diesem Platz sind die Dengler am Werk und deren Schlagen und Klopfen ist schon von weitem zu hören

in dieser prächtigen Moschee in der Medina ist gerade Betzeit

Und weil das Gerberviertel doch sehr weit abgelegen ist, haben wir jetzt einen ziemlichen Fußweg zurück zur Medina und das Bab Boujeloud vor uns. Von Mohamed ist natürlich keine Spur mehr, und wahrscheinlich lotst er die Touristen hierher, ist dann plötzlich mit jemandem beschäftigt, und die auf ihn wartenden Touristen werden dann von jemand anderem übernommen. Bei uns hat das jedenfalls gut geklappt. So, jetzt sind wir also wieder allein und können in aller Ruhe durch die alten Gassen gehen. Es ist ein weiter Weg, aber wir finden uns gut zurecht. Als wir ein altes Café sehen, halten wir dort an und können ein wenig verschnaufen.

wir wollen etwas verschnaufen und setzen uns in dieses kleine Café in der Medina

viele Häuser in der Medina werden mittlerweile von Balkengerüsten gestützt

und noch eine Moschee in der Medina

Kalligrafiekünstler sind am Werk - ob das Grabplatten sind?

was die Esel nicht tun, wird eben in diesen kleinen Karren transportiert

Erdbeeren, frische Erdbeeren . . .

ins Restaurant La Kasbah kehren wir ein, und zwar auf deren Dachterrasse

Irgendwann sind wir dann wieder am Bab Boujeloud und werden dort auf der Straße angesprochen, ob wir nicht auf der Dachterrasse vom La Kasbah zu Mittag essen wollen? Man reicht uns die Speisekarte; das Menu kostet 70 DH. Ach ja, warum nicht. Von oben ist der Blick sicher sehr hübsch, denken wir uns. Ist er dann auch. Und ein Tischchen in der Ecke ist noch für uns frei.

von hier oben ist der Blick auf das Bab Boujeloud besonders schön

die Dachterrasse ist gut besucht und erinnert mit ihrem feinen Schmiedeeisen an Frankreich

Wir bestellen das Essen, Lamm am Spieß für Herbert und Lammkoteletts für Annette, Salat und marokkanische Suppe vorher und einen Obstteller nachher. Während wir aufs Essen warten, blättern wir wieder durch den Reiseführer. Lesen, dass Fès die älteste der vier Königsstädte (Marrakech, Rabat, Fès, Meknès) ist, dass sie wohl die interessanteste Stadt Marokkos und zudem geistiges Zentrum des Landes ist. Neben der Azhar-Universität in Kairo Sitz der ältesten islamischen Universität, der Karaouyine ist. Dass die Medina von Fès aufgrund ihrer außergewöhnlichen Bedeutung als kulturelles und spirituelles Zentrum des Landes auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO steht, und zwar bereits seit 1976. Aber irgendwie haben wir gar keine Muße mehr, noch weiter durch die Stadt zu laufen, uns den Königspalast usw. anzuschauen.

der Ausblick von hier oben ist wirklich bezaubernd

auch die gegenüberliegenden Häuser haben Dachterrassen für die Gäste zum Verweilen

einen Obstteller zum Dessert

ein letzter Blick, bevor wir wieder hinuntersteigen

rings um das Bab Boujeloud ist alles feiner als anderswo

Als wir nach dem Essen wieder unten auf der Straße sind, laufen wir über den angrenzenden Place Baghdadi, wo es diverse Schuhe zu kaufen gibt. Und bergeweise gebrauchter Kleidung. Auf einen Betonsockel (von denen aus man auf die Esel steigt) setzen wir uns, schauen nochmal auf den Stadtplan und wollen von hier aus zum Place Rsif gehen. Das könnte aber wieder einen ziemlichen Fußmarsch bedeuten. Also gehen wir nochmal zum Al Kasbah Restaurant zurück und fragen dort den älteren Mann, der so gut deutsch spricht, wie wir von hier wohl zum Place Rsif kämen? Oh, das sei ein weiter Weg, den würde er uns nicht empfehlen. Ach, und dann haben wir überhaupt keine Lust mehr, noch weiter in der Stadt herumzulaufen. Wir wollen mit dem Taxi heimfahren, sagen wir ihm. Er meint, wir sollten doch am besten mit einem Taxi eine Rundfahrt durch die Stadt machen und dabei noch dies und das sehen. Die Idee finden wir gut, und er bietet sich an, das alles mit einem Taxifahrer abzumachen.

auf dem Place Baghdadi wird viel Kleidung verkauft, vor allem Schuhe

Blick auf das Bab Chorfa am Place Baghdadi

das Taxi hält an verschiedenen Stellen an, damit wir einen Blick auf Fès werfen können

Ein Taxi ist schnell gefunden, und das fährt uns für 100 DH um die gesamte Ringstraße, die sich auf 16km um die Altstadt legt. Der Fahrer hält mehrmals an, damit wir von oben einen Blick auf Fès werfen können. Da merken wir erstmal, wie groß Fès mit seinen 1 Mio. Einwohnern ist. Es ist eine hübsche Fahrt, und wir werden ja bis zum Camp gebracht. Zum Schluss kaufen wir noch einen Beutel Orangen am Straßenrand.

eine Ringstraße, die Ceinture Nord, die im Süden in die Avenue Hassan II übergeht, führt komplett um die Altstadt

welch Panoramablick aus dem Taxifenster


 

mit dem Taxi durch Fès

vorbei geht es an der Stadtmauer von Fès

zum Schluss kaufen wir noch 2kg Orangen

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