d19.jpgd11.jpgd18.jpgd04.jpgd07.jpgd10.jpgd21.jpgd06.jpgd13.jpgd08.jpgd14.jpgd02.jpgd01.jpg

Mittwoch, 15. Februar 2012



Blick auf das Museu da Luz

Nun wollen wir das Dorf Luz auch nicht verlassen, ohne das Museum besucht zu haben. Überall im Dorf sind Schilder aufgestellt, die den Weg zum Museu da Luz weisen. Das Museum befindet sich hinter der neuen Kirche, aber das Museumdach ist auf Höhe des Erdbodens, sodass man das Museum im ersten Moment gar nicht sieht. Es ist kurz vor Mittag, als wir hineingehen (Eintritt 2 EUR)



in einem der drei Ausstellungsräume

Drei Ausstellungsräume gibt es, in denen anhand von Fotos und Texten der Prozess des Umzugs in das neue Dorf und der Bau des Staudamms gezeigt wird. In der Hall of Memory spielt ein Film, den wir uns anschauen (mit englischen Untertiteln). Er beginnt mit den Worten eines Mädchens, das zum Zeitpunkt der Umsiedlung zehn Jahre alt war: "Ich wurde unter diesem Wasser geboren. Mein Dorf wohnt nicht mehr hier." Und dann beginnen die Dorfbewohner zu erzählen, wie es damals war. Dass man ihnen viele Jahre zuvor gesagt hat, dass man den Stausee bauen wird und dass dabei ihr Dorf überflutet wird, dass man den Dorfbewohnern ein neues Dorf bauen wird. Sie erzählen, dass ihnen damals die Zeit noch so lang erschienen war, alles noch in so weiter Ferne, so unwirklich. Dass der Zeitpunkt dann aber tatsächlich immer näher rückte. Dass sie nicht nur ihr altes Haus für immer aufgeben und in ein neues Haus ziehen werden, sondern dass so vieles mehr daran hängt. Dass sie auch ihre Gärten und Felder verlieren, von denen sie jahrzehntelang gelebt haben. Ein jeder würde zwar ein neues Stück Garten oder Land bekommen, in der Größe, wie sie es vorher hatten, aber dass es Jahre dauern würde, bis die Bäume das erstemal Früchte trügen. Es war ihnen bewusst, dass sie nie mehr in das alte Dorf zurückkehren können, ja, dass das alte Dorf dem Erdboden gleichgemacht würde, alle Häuser, Straßen, Wege, Bäume, alles weg. Hauptsächlich, um eine bessere Wasserqualität zu erreichen, aber auch für den Fall, dass der Wasserpegel mal sinkt, um den negativen Effekt zu vermeiden, den der Anblick der ehemaligen Häuser hat. Die Bewohner sagen, dass sie sich dem Fortschritt nicht verschließen dürfen, dass der Stausee der Region hilft, aber dass es sehr schwer für sie persönlich ist. Es sind einfache Leute, die nicht viel haben, denn hier gibt es keine Fabriken. Und jetzt sollten sie auch noch ihre Häuser verlieren, die seit Generationen in Familienbesitz waren. Entwurzelt werden, ihre Identität verlieren. Auch der Friedhof musste mit umziehen, jedes einzelne Grab wurde umgebettet auf den neuen Friedhof im neuen Dorf. Der Film zeigt dann, wie die Abrissarbeiten begannen, wie ein Schaufelbagger den Kirchturm umstößt (und die ganze Kirche abreißt), während im Hintergrund das Geräusch von weiterem schweren Gerät zu hören ist. Es ist uns wie ein Schlag in den Magen, und wir sind ja nur Außenstehende. Es ist 13 Uhr, als der Film endet (der Film dauert etwa eine Stunde), da hören wir, wie die elektrischen Markisen heruntergelassen werden. Das Museum schließt über Mittag. Da fragen wir die Frau am Einlass, ob wir am Nachmittag nochmal wiederkommen dürfen, uns den anderen Film anschauen und alles andere auch. Das dürfen wir und so sind wir ab 14 Uhr wieder da.



wir schauen uns den Landschaftsfilm an

Jetzt schauen wir uns den anderen Film an, der ohne Ton ist und die Landschaft zeigt. Den Rio Guadiana, den Stausee aus der Vogelperspektive usw. Es ist eine wunderbare Landschaft, mit oder ohne Wasser. Wir lesen dann auch die Texte auf den Schautafeln. Das alte Dorf lag auf 16 Hektar Land, es wurden 300 Dorfbewohner umgesiedelt, Straßen und Wege wurden möglichst gleich angelegt, wie sie im alten Dorf verliefen. Es wurde sehr auf die Wünsche und Bedürfnisse der Dorfbewohner eingegangen, sie wurden von Anfang an in das Projekt einbezogen, das neue Dorf liegt so nah wie möglich am alten Dorf. Und dass es trotz allem ein schwerer und schmerzlicher Prozess für die Bewohner war, sich im neuen Dorf einzuleben. Sie wohnen seit 2002 im neuen Dorf Luz.



dieses Foto zeigt die Sicht auf das alte Aldeia da Luz

Aus einem der Fenster des Museums kann man sehen, wo genau das alte Dorf lag und dass das Wasser jetzt dort ist. Man kann sich sehr gut an den Bäumen auf dem kleinen Hügel orientieren, und neben dem Fenster hängt ein Foto des alten Dorfes. Wir würden jedem den Besuch dieses Museums empfehlen, es geht viel um Identität, um Herkunft, Heimat, Wurzeln, die man schlägt. Das Museum wurde in 2003 gegründet und hat seitdem mehrere internationale Preise gewonnen. Der Film hat uns sehr bewegt und wir reden noch den ganzen Abend davon.



aus einem der Fenster des Museums kann man sehen, wo genau damals das Dorf lag (am Baumhügel orientieren)



links: die alte Kirche     -     rechts: der originalgetreue Nachbau



hinter dem Museum kommt schon das Wasser



wir kehren zum Dorf zurück und gehen heim

back       |      next