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Samstag, 30. Juni 2018



Blick von der Bushaltestelle Rohrmannsche Koppel auf den Parkplatz

Eigentlich wollten wir ja heute an den FKK-Strand gehen, aber das Wetter soll laut Vorhersage gar nicht so dolle werden. Nur etwas über 20°C. Da lassen wir das mit dem Strand besser sein und bummeln lieber durch Warnemünde. Und weil wir uns nicht mit den Strandsachen abplacken müssen, brauchen wir auch nicht zu dem anderen Parkplatz zu fahren, der immerhin ca. 2km näher an Warnemünde dran ist. Und weil der Weg nach Warnemünde bestimmt gut 5km beträgt, beschließen wir, einfach hier auf dem kostenfreien Parkplatz zu bleiben und den Bus - Linie 37 - nach Warnemünde zu nehmen. Und weil Annette eine Einheimische ist und sich auskennt, weiß sie, dass es Fahrkarten für Kurzstrecken gibt, für max. 4 Stationen. Sie läuft schnell mal über die Straße und schaut, wann die Linie 37 an Samstagen fährt. Alle 30 Minuten. Wir nehmen den Bus um 10:46 Uhr. Drei Stationen weiter - Haus Stolteraa - steigen wir aus und setzen genau da an, wo die Promenade anfängt. Hach, wie schön uns der Wind um die Nasen weht.



wir finden uns auf der Promenade wieder



ein originelles Klohäuschen



der Strand von Warnemünde ist 15km lang

Jetzt bummeln wir schön gemütlich die Promenade entlang und schauen immer wieder aufs Meer. Das soll also jetzt unsere neue Heimat werden. Wir glauben, dass wir uns ganz schnell einleben werden. Der Leuchtturm wird heuer 120 Jahre alt, der Teepott 50. So viele Jubiläen in einem Jahr. Wir gehen auch mal auf die Mole und sehen von dort aus das dicke Kreuzfahrtschiff, das heute in Warnemünde festgemacht hat. Jeden Tag ein anderes, manchmal auch zwei oder drei oder vier. (Am 29. Juli kommen wirklich vier Pötte an.) Wir schauen zu, wie das Boot der Küstenwache ein Schiff am Seil in den Hafen schleppt. Gefolgt von der dänischen Fähre "Copenhagen". Man könnte den ganzen Tag hier auf der Mole sitzen und dem Treiben auf dem Wasser zuschauen. Zumal es noch die vielen Hafenrundfahrten gibt. Irgendwann ziehen wir dann doch weiter und kehren ein in die Fischerklause am Alten Strom, einer der ältesten Einkehren Warnemündes. Wir nehmen Brathering mit Bratkartoffeln (H.) und Labskaus (A.) Der Labskaus sieht immer grässlich aus, schmeckt aber gut. Ganz schön was los am Alten Strom. Über den Kirchplatz kehren wir dann zurück zur Bushaltestelle Wiesengrund und fahren vier Stationen zur Rohrmannschen Koppel, wo sich unser Parkplatz befindet. So eine Kurzstrecke kostet 1,50 EUR. Dann parken wir noch den La Strada um, damit die Kühlschrankseite im Schatten ist. Annette nimmt die Mülltüte und tippelt die 2km zum anderen Parkplatz, denn wir es so typisch ist für Deutschland, gibt es ja nirgends Mülltonnen. Und die Melonenschalen wollen wir nicht länger in unserem kleinen Mülleimer lassen bei 30°C an Bord. Gegen 18 Uhr hören wir dreimal lautes Tuten des Kreuzfahrtschiffs, das ablegt, aber Moment mal, heute haben zwei Pötte angelegt, die AIDAmar und die Zenith. Wir haben nämlich einen Fahrplan aus dem Magazin "Der Warnemünder". Der Abend wird schön und der Parkplatz leert sich.



an der Skulptur "Liebespaar" von 1979



Teepott und Leuchtturm in trauter Einigkeit


 


 



wir gehen mal auf die Promenade



da hinten liegt das Kreuzfahrtschiff



es ist ein Kommen und Gehen auf dem Wasser


 


 



unser Blick aus der Fischerklause



Brathering und Labskaus



schöne Malerei auf Glas



urig ist die Fischerklause



am Alten Strom



Schlangestehen bei Backfisch-Tilo



und hier die charmanten kleinen Häuschen am Alten Strom


 



Warnemünde - Rostocks schönste Tochter (auf der Alexandrinenstraße)



wir kaufen noch ein Kilo Kirschen auf der Mühlenstraße



jetzt haben wir genug Schatten

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Freitag, 29. Juni 2018



in Hitzacker hat man viel für den Hochwasserschutz getan

Wir wollen noch ein paar Schritte durch Hitzacker tun, bevor wir weiterfahren. Wir müssen uns auch mal etwas bewegen. Zwar waren wir vor drei Jahren schon mal hier, aber Hitzacker ist immer einen Besuch wert. Der Ort wurde immer wieder von Elbhochwassern heimgesucht, aber nach all den jetzigen Schutzmaßnahmen sollte das wohl der Vergangenheit angehören. Wir bummeln vorbei an den schönen alten Fachwerkhäusern, die so typisch sind für Niedersachsen. Die Hochwassermarken, die sie hier und da angebracht haben, machen die Ausmaße sehr gut deutlich. Im Ort sind überall so kleine Wichtel versteckt, die entweder ein Kneippbad nehmen oder Zähne ziehen oder Brezen anbieten. Niedlich, die kleinen Kerlchen. An einem der alten Häuser lesen wir diese plattdeutsche Inschrift: "Wenn eener kummt und to mi segt: Ick mog dat alle Lüde recht, denn seg ick leeve Fründ mit Gunst: Lehr mi uck düsse swore Kunst" (. . lehre mich auch diese schwere Kunst). Noch ein Blick in die Kirche und dann sind wieder startklar für die Weiterfahrt. Ist ja auch wieder typisch für Deutschland, dass wir hier überhaupt keinen Internetempfang haben. Das gibt es nirgends sonst in Europa.



überall sind Staumauern gebaut



ein Blick auf die Elbe und Seitenarme



so hoch stand das Wasser in 2013



der hat seinen Fuß im Wasser


 



auf dem Hauptplatz von Hitzacker



der da unten liest hält ein Buch


 



da unten ist wieder ein Männeken


 



der hat einen Zahn gezogen



und der verkautt Brezen und Semmeln



noch ein Blick in die Kirche von Hitzacker



im Storchennest ist ein Storch und der Gatte sitzt auf dem Nebenhaus



es geht über die Elbe

So, dann geht es über die Elbe, den damaligen Grenzfluss. Der erste Ort auf der anderen Seite ist Heiddorf. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie damals alles so extrem abgeschottet war. Herbert fragt: Ist das jetzt Brandenburg? -- Nee, Mecklenburg, wobei ich den Mäckelbörger Ossenkopp noch gar nicht gesehen hab'. . . Vorbei geht es an Ludwigslust bzw. Lulu und rauf auf die Autobahn. Das gute am Osten ist, dass alles so schön neu und heil ist. Die Autobahn haben wir wohl mitten in den Wald geschlagen. Wir kommen gut voran bis Wismar, wo wir auf die B105 gehen und in Richtung Rostock. In Neubukow wollen wir tanken. Gestern waren die Spritpreise ja sensationell günstig bei 1,20 EUR/L, aber der gestrige Tag war so anstrengend und wir hatten keine Lust anzuhalten. Hier in Neubukow um 12:22 Uhr kostet der Diesel jetzt 1,24 EUR/L. Das geht ja. Und vielleicht kommt ja noch eine zweite Tankstelle. Weil keine kommt, kehren wir um, aber jetzt um 12:31 Uhr kostet der Diesel 1,29 EUR/L. So eine Sauerei immer. Fehlt nur noch, dass das Brot beim Bäcker auch jede Stunde anders kostet. Wir tanken jetzt aus Prinzip nicht, und außerdem kommen wir laut Anzeige noch 130km weit.


 



Ost und West waren hier bis zum 7. Dezember 1989 geteilt



die Autobahn hat man wohl mitten in den Wald geschlagen



Durchfahrt durch Neubukow

Am Ortsende von Neubukow biegen wir ab nach Kühlungsborn, durchfahren die Ortsteile West und Ost und gondeln immer weiter auf der Nebenstraße. Richtig beschildert ist das hier nicht; man will, dass man immer wieder zur B105 zurückkehrt (Bad Doberan und Rostock). Aber Annette kennt diese Strecke ja von früher. Es geht vorbei an Heiligendamm und durch Börgerende. Wieviel hier gebaut wurde. Auf NDR1 Radio MV sagen sie, dass heute zum erstenmal in Rostock-Laage ein Airbus A787 landen wird mit 400 Passagieren an Bord. Die heutigen sind Mailänder, die dann weitergekarrt werden zu den Kreuzfahrtschiffen in Warnemünde. Man hätte dafür extra die Landebahn verbreitert, um künftig ständig solche dicken Maschinen abfertigen zu können. Schrecklich, dieser Massentourismus. Das mit den Kreuzfahrtschiffen dauert schon viel zu lange, es müsste mal ein neuer Trend her. Na, jedenfalls erreichen wir irgendwann Warnemünde. Kurz vorher sehen wir einen größeren unbefestigten Parkplatz. Wir stellen uns wie immer auf den Parkplatz neben dem Friedhof. Dann der Schock beim Parkautomaten: Die wollen jetzt 20 EUR fürs Tagesticket für Wohnmobile (Stunde 4 EUR). Für Autos 10 EUR. Die spinnen ja. Vor drei Jahren waren es noch 12 EUR für Wohnmobile und 3 EUR für Autos. Und hier ist keine Infrastruktur, nur der reine Parkplatz. Wir essen erstmal zu Mittag. Dann geht Annette zu dem anderen Parkplatz, der vielleicht 2km entfernt ist. Dort hat man den Parkautomaten abgebaut. Es stehen 9 Wohnmobile da. Bei uns am Platz sind es viel weniger. Auf den Friedhof geht Annette auch gleich noch. Und am späteren Nachmittag fahren wir zu dem anderen Parkplatz, weil wir da auch besser draußen sitzen und die Melone essen können, die endlich aus dem Kühlschrank verschwinden muss. Der Abend wird schnell kühl, sodass wir schon um 21 Uhr nach drinnen gehen.



da kommt der Molli angeschnauft, die wunderbare Schmalspurbahn



es geht an der Küste entlang



so stehen wir für die Nacht



unsere Tagesroute ca. 203km

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Mittwoch, 27. Juni 2018



los geht unsere Fahrt gen Norden

Wir werden übrigens in die Rostocker Wohnung ziehen. Das war Herberts Idee. Irgendwann im April sagte er: Weißt du was, wir lassen das mit der Immobiliensuche, das wird eh nix, der Markt ist überhitzt und am Ende entscheiden wir uns aus Schnelligkeit noch für die falsche Immobilie. Wir ziehen in die Rostocker Wohnung, machen uns die schön und investieren vielleicht 30.000 oder 40.000 EUR für alles. Fußboden neu, Bad neu, Küche neu, Möbel neu. Bis wir nach Hause kommen ist es Juni, die richtige Zeit für den Verkauf der jetzigen Wohnung. -- Dass wir in der Pfalz nicht wohnen bleiben würden, das war uns ja seit langem klar. Eine kleine Hoffnung, dass es mit dem Verkauf schnell gehen könnte, hatten wir ja. Aber in dieser Gegend? Wir hatten die Wohnung damals für 'n Appel und 'n Ei gekauft. Als damals zeitgleich der Verkauf des Grundstücks in Sachsen platzte, mussten wir Aktien verkaufen. Die Linde-Aktien hatten wir in 2009 für 56 EUR/Stück gekauft. In 2015 für 173 EUR/Stück verkauft; das war ein sensationeller Gewinn trotz 25% Abschlag. Jetzt verkaufen wir die Wohnung natürlich für ein paar mehr Äppel und Eier und freuen uns auf Rostock. Dem Mieter haben wir bereits gekündigt wegen Eigenbedarfs (das war das Dokument, das wir letztens in der Bibliothek haben ausdrucken lassen). Annette hatte ihm das vorher schon per Email angekündigt, und er hatte es bemerkenswert gut aufgenommen. Tags darauf schrieb er, dass er die Nachricht erstmal eine Nacht sacken lassen musste.



wir kommen sehr gut voran bis Mainz

So, gestern Abend hatten wir die Anzeige bei Immoscout noch herausgenommen und hoffen, nun nicht mehr mit Telefonaten und Emails bombardiert zu werden. Gepackt für die kleine Fahrt für zwei Wochen hatten wir auch fast schon alles am Montag. Jetzt noch den Kühlschrank ausräumen, die Foto- und Elektroniksachen einpacken und los. Wir freuen uns auf eine schöne Zeit oben an der Ostsee. Wir fahren jetzt über Mainz und dann heißt es, dass in Richtung Frankfurt ein Riesenstau ist aufgrund eines Unfalls. Herbert findet, dass wir über Wiesbaden und an den Rhein fahren sollten, uns eine schöne Zeit machen am Rhein. Na gut. Wir biegen mal ab nach Ingelheim, können da aber nicht am Rhein stehen; steht extra dran "Nur für PKWs". Übertreiben wollen wir es ja auch nicht. also weiter den Rhein entlang. Was für eine bezaubernde Gegend, aber alle zwei Sekunden donnert ein Güterzug durch Rheintal, was ganz schön nerven kann. In Bingen am Rhein nehmen wir die Fähre nach Rüdesheim am Rhein. 1,30 EUR/m fürs Fahrzeug plus 1,30 EUR für die Beifahrerin, im ganzen 9,10 EUR. Es weht ein hübsches Windchen auf der kurzen Überfahrt; die Fähre hat ein rasantes Tempo. Wir durchfahren dann auch Rüdesheim, kehren dann aber um und gondeln den Rhein entlang in Richtung Koblenz.



Ankunft in Ingelheim am Rhein, aber wir kommen hier nirgends unter



Warum ist es am Rhein so schön?



was für eine Gegend



rauf geht es auf die Mary Roos



ein Blick von der Fähre aus



drüben ist Rüdesheim am Rhein


 



und schon sind wir wieder an Land



kleine Durchfahrt durch Rüdesheim am Rhein



es geht gemütlich am Rhein entlang



bei Kaub gibt es diese bezaubernde Kapelle zu bewundern

Vorbei geht es an der niedlichen Kapelle bei Kaub und an der Loreley. In St. Goarshausen hatten wir früher schon öfter mal gestanden; da stellen wir uns jetzt auch wieder hin. Stühle raus, Pfanne raus, Essen gemacht. Es ist ein verdammt heißer Tag, aber wir wollten das ja so. Herbert sitzt schon wieder die ganze Zeit mit dem Fernglas da. Da hinten ist die Loreley, die Figur, siehst du? -- Nee, ich seh' doch immer nix. -- Nimm mal das Fernglas. Da bei der Fahne, haste? -- Ach Gott, ja, ich hab' sie. Ist ja süß. Ist ja wie die Meerjungfrau in Kopenhagen, nur größer. Ich geh' mal mit der Kamera hin . . . Herbert sagt, dass Annette direkt am Ufer entlanggehen könne, aber dann ist doch noch ein Stück Zaun dazwischen. Huch, noch in die Brennesseln getreten, nicht kratzen, dann reibt man sich das Zeug in die Haut. Um 16 Uhr schauen wir uns auch das WM-Spiel Südkorea : Deutschland an. Was für eine Dorfmannschaft, so völlig ohne Konzept und Plan. Geht es den Spielern überhaupt noch um Fußball oder nur um ihre Ganzkörpertattoos und die geschniegelten Haare? Kriegen das Geld vorne und hinten rein und sind total überzüchtet. Wir müssen lachen, als das Tor zum 1:0 fällt. Später noch das zweite. Haben sie eben nicht anders verdient. Anschließend sitzen wir dann wieder draußen und es gehen uns viele Gedanken durch den Kopf bezüglich unserer Zukunft.



gleich sind wir an der Loreley



die Loreley ist dieser Schieferfelsen da



wir erreichen Sankt Goarshausen



da stehen wir (die Nachbarn in roten Kastenwagen sind aus Norwegen)



jetzt noch ein Glas Rotwein am Lagerfeuer wie in der Werbung



Annette in der Küche (mit der neuen Brille)



und hier noch die betörende Loreley (die so manchen Seefahrer verunglücken lassen hat)



bis halb zehn können wir noch draußen sitzen



unsere Tagesroute ca. 195km

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Donnerstag, 28. Juni 2018



weiter geht es am Rhein entlang

So, bevor die Schreiberin das noch weitere Monate vergisst, will sie das jetzt endlich mal erwähnen. Es ist nämlich so, dass sie während der Fahrt nur noch die kleine Canon Powershot G9X Mark II benutzt, nicht mehr die große Canon EOS 5D Mark II. Und das schon seit Ende Februar. Das hatte sich damals zufällig so ergeben, als wir Ende Februar so krank waren und wir für die Fahrt zum Einkaufen (in Caldas das Rainha in Portugal) nur die kleine Kamera vorn liegen hatten. Das ging dann irgendwie auch ganz gut, und seitdem nimmt Annette die große Kamera nun überhaupt nicht mehr. Auf der jetzigen Fahrt haben wir sie nicht mal mehr eingepackt. Außerdem ist es so, dass Annette seit Januar die Fotos auch nur noch selbst aussucht und dass es auf diese Weise mal dieses und jenes Foto auf den Reisebericht schafft, das niemals durch Herberts strenge Zensur gekommen wäre. Aber sie findet, dass nicht immer jedes Foto so perfekt sein muss; dass Perfektion langweilig ist.

Das frühe Morgenlicht holt uns wieder recht früh aus den Betten, und so kommt es, dass wir nach dem Frühstück - Müesli mit Milch oder Orangensaft - schon um 8:10 Uhr auf der Piste sind. Während der Fahrt haben wir die Sonne im Rücken, was sehr angenehm ist, sowohl was die Hitze angeht als auch das Licht für die Fotos. Keine Blenderei. Als wir Boppard auf der anderen Uferseite sehen, kann Herbert extra anhalten für ein Foto. Es kommt auch gerade ein Hotelschiff vorbeigeschippert. Was für eine Romantik. Bei Lahnstein verlassen wir die ganze Herrlichkeit auch schon wieder, biegen ab in Richtung Montabaur und Herborn. Die Straße geht schnurgerade, und ein Schild besagt: "Radarkontrollen - 5 Tote und 20 Verletzte in 3 Jahren". Ganz schön beängstigend. Bei Herborn gehen wir auf die Autobahn in Richtung Siegen und peng stehen wir im Stau. Die deutschen Autobahnen machen ja wirklich keinen Spaß. Nach wenigen Kilometern verlassen wir die Autobahn auch schon wieder und gondeln auf der B62 in Richtung Bad Berleburg und Winterberg. Wir sind nun im Rothaargebirge. Winterberg ist dann ganz hübsch; das hatten wir uns irgendwie altbackener vorgestellt. Was es hier damals auf unserer Immobiliensuche für tolle Wohnungen zu kaufen gegeben hat. Mit Kachelofen und Schwimmbad und Sauna im eigenen Haus. Und für 'n Appel und 'n Ei. In Winterberg stellen wir uns auf den Parkplatz, der für Wohnmobile ausgeschildert ist und essen zu Mittag. Ist mittlerweile ja schon halb eins.



ein Hotelschiff zieht gerade an Boppard vorbei



ein Blick auf Boppard



oben thront die Marksburg



an einem Stellplatz können wir die Kassette leeren



es geht in den Westerwald



kaum auf der Autobahn - stehen wir auch schon im Stau



Hallo Winterberg



Durchfahrt durch Winterberg



Winterberg

Weiter geht es über Brilon und dann auf die A33 immer weiter nordwärts bis Hannover. Endlose Staus erwarten uns, aber zähflüssig geht es immer weiter. Auf der Gegenspur kommen wir überhaupt nicht voran, und das bei der Hitze. Auf unserer Bahn rollen die LKWs auf zwei Spuren, und sie alle haben polnische Kennzeichen. Man kann sagen, dass auf 20 polnische LKWs ein deutsches kommt. Na ja, wir sind jetzt auf der A2, und die geht über Berlin und Frankfurt/Oder bis nach Polen. Gottlob biegen wir bei Hannover schon wieder ab und fahren auf der Landstraße weiter. Vorbei geht es an Celle, (wo Annette zum zweitenmal geheiratet hat, in 1997). In Eschede gibt es noch eine gigantische Umleitung, die ohne Übertreibung wohl 25km lang ist. Wir kommen sogar von der B191 ab und finden uns auf der B4 wieder. Unser Ziel für heute ist Hitzacker, weil sie dort einen netten Stellplatz an der Elbe haben. Dort waren wir im April 2015 schon mal. Aber vielleicht haben wir uns heute etwas übernommen. Es ist halb sieben, als wir endlich ankommen. Wir sind total platt. Es sind einige Wohnmobile da, aber es ist noch genug Platz. Jetzt essen wir zu Abend und sitzen wieder bis spät draußen. Die Abende sind ja doch nicht so mild wie in Südeuropa.



es geht auf die A33, später die A2


 



wir erreichen Hitzacker, das an der Deutschen Fachwerkstraße liegt



Ankunft auf dem Stellplatz an den Bleichwiesen



so sitzen wir bis zum Abend



unsere Tagesroute ca. 565km

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Dienstag, 26. Juni 2018



auf den letzten Metern noch eine Umleitung - Durchfahrt durch Siebeldingen

Beim Frühstück machen wir die Glückskekse auf, die man uns letztens im "Kaiserpalast" noch mitgegeben hatte. "Fahren Sie heute nach Landau. Dort haben Sie um 16 Uhr einen Notartermin für den Verkauf Ihrer Wohnung." In Annettes Glückskeks steht der gleiche Text, und dass sie sich zur Feier des Tages ein Kleid anziehen soll . . . Ja, so hätte man sich das alles erträumen können, aber die Wirklichkeit ist ja fast noch besser: An einem Mittwoch vor drei Wochen heimgekehrt, alles geputzt und für Besichtigungen zurechtgemacht, Donnerstag die Wohnung ins Internet gestellt und abends schon gleich die ersten Anrufe zwecks Besichtigung am Freitag und Samstag. Erste Besichtigung - Zusage. (Eine Frau in Scheidung, die unbedingt umziehen will.) Zweite Besichtigung - Zusage. (Abends zwei SMS mit deutlicher Zusage und Bitte um Zuschlag und Notartermin.) Dritte Besichtigung - Zusage. Moment mal, wir wohnen hier am Arsch der Welt, wer will hier hinziehen? Wobei die Wohnung selbst ja wirklich ganz wunderschön ist, ansonsten hätte es uns niemals hierhin verschlagen. Die dritte Besichtigung am Samstag war ein Paar (um die 45) aus Heidelberg, die die Wohnung als Ferienwohnung kaufen wollten, schon seit längerem eine Wohnung in der Pfalz suchten. Große Begeisterung und scherzhaft " . . . und die Möbel lassen sie schön drinnen . . nee, kleiner Scherz." -- "Also darüber können wir reden." Wir hatten ihnen einen guten Preis gesagt für die Möbel, wären ja froh, wenn wir sie nicht mitnehmen müssten. Das Paar wollte sich die Sache bis zum folgenden Mittwoch überlegen. "Wir haben zwei weitere starke Interessenten, aber die werden wir bestimmt bis Mittwoch hinhalten können", das waren unsere Worte. Am Sonntag dann das Theater mit dem ADAC. Ein Anruf. Herbert denkt natürlich, dass es der ADAC-Mann ist. Aber es ist der zweite Interessent. Wir sagen ihm, dass wir noch die Entscheidung des Paars abwarten, die die Wohnung - wenn - dann mit den Möbeln kaufen wird. Daraufhin eine weitere SMS: Er würde sich nicht als zweite Wahl sehen, er wäre ja zuerst dagewesen und die Möbel wären auch kein Problem, die würde er dann eben auch mitkaufen. Er wolle bis morgen Abend eine Entscheidung. Wir schicken dem Paar aus Heidelberg eine Email, dass sich die beiden anderen Interessenten nicht bis Mittwoch hinhalten lassen, dass eine Entscheidung bis Montagabend fallen muss. Abends ein Anruf von ihnen: Sie bräuchten noch den Energieausweis, denn die Regierung plane irgendwas in den kommenden Jahren. Wir mailen ihnen den Energieausweis, den sie am Samstag schon gesehen hatten. Den ganzen Montag keine Reaktion vom Paar. So wenig Elan für eine Wohnung, die totale Begeisterung ausgelöst hatte; nachdem man schon seit langem nach einer Wohnung in der Pfalz gesucht hatte. Nachdem man wusste, dass alle Möbel in der Wohnung verbleiben und man sie direkt nach dem Kauf nutzen kann. Am späten Montagnachmittag sagen wir dem anderen die Wohnung zu. Er will sich um einen Notartermin in Landau, wo er herkommt, bemühen. Er kenne das Notariat gut, und unser Audi will ja auch mal bewegt werden. Montagabend ein Anruf vom Heidelberger Paar. Sie würden die Wohnung nehmen. Die Wohnung ist schon anderweitig zugesagt, sagt Herbert. Zwei Abende später ein weiterer Anruf: Ob es vielleicht ein Missverständnis, eine Verwechslung am Telefon war? Nein, war es nicht. Ein paar Abende weiter noch ein Anruf. Diesmal seine Frau: Ob man die Zusage nicht rückgängig machen könne, und sie würden auch mehr bezahlen als von uns gefordert. Kurz werden wir schwach, aber wir wollen jetzt nicht hü und hott. Was, wenn das Paar abspringt und wir am Ende ohne Käufer dastehen? Wir überlegen, wie man die Sache dingfest machen könnte. Sie müssten eine größere Anzahlung leisten, eine Überweisung auf unser Konto als Sicherheit. Aber irgendwie wollen wir uns das alles nicht antun, und dem Käufer aus Landau auch nicht. Der ganze Papierkram mit dem Notariat ist auch schon erledigt. Das Warten auf den Termin hat am Ende länger gedauert als der Verkauf selbst. Und heute ist also der Tag.



Ankunft in Landau



ein Bummel durch Landau



auf dem Hauptplatz von Landau

Am Vormittag fahren wir los, machen uns einen schönen Tag in Landau, gehen auch essen (was aber nicht so gut ist), setzen uns auch ins Eiscafé und warten auf 16 Uhr. Beim Notariat sind wir auch schon etwas früher, um mal den Vertragsentwurf zu lesen, den man uns gar nicht zugeschickt hatte. Dann die Ernüchterung: Aus der vierstelligen Summe für die Möbel hat der Käufer eine größere fünfstellige gemacht. So übertrieben, dass die Summe für die Immobilie unglaubwürdig klein ist. Wir sagen ihm, dass er damit beim Finanzamt niemals durchkommen wird. -- Aber dann hätte der Notar das nicht so entworfen. -- Hin und her geht das, besonders vor dem Notar. Wir sagen, dass das also der Grund ist, warum man uns den Entwurf nicht zugeschickt hat. Dass wir, wenn wir das vorher gelesen hätten, heute gar nicht erschienen wären, dass wir genug andere Kaufinteressenten hatten. Am Ende einigen wir uns auf eine deutlich kleinere, aber immer noch fünfstellige Summe für das Inventar. Der Notar schreibt in den Vertrag, dass der Käufer die Summe festgelegt hat. (Und das ganze Theater nur, um bei der Grunderwerbssteuer ein paar Euros zu sparen.) Auf der Heimfahrt fühlen wir uns überfahren vom Käufer. Und dabei hatten wir uns noch gesagt, dass wir, wenn irgendwas heute nicht stimmt, den Vertrag nicht unterschreiben werden, sondern die Wohnung dem Paar aus Heidelberg verkaufen werden. Gegen 18:30 Uhr sind wir wieder daheim. (In den Glückskeksen hatte übrigens gestanden: Ihr Optimismus wird Sie in ein Land voller Sonnenschein führen -A-; und Sie sind von stiller und unaufdringlicher Natur -H.).


 



jetzt noch ein dickes Eis für denjenigen, der es sich eigentlich nicht leisten kann



noch ein Blick auf den Hauptplatz von Landau

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