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Freitag, 22. Februar 2013



das Camp Les Jardins de Zagora macht in allem einen hübschen Eindruck

Es ist 8 Uhr Ortszeit, als ganz viele der Wohnmobile abreisen. Eine richtige Aufbruchstimmung macht sich breit, und der kleine Seitentrakt, auf dem wir stehen und auf dem Platz für acht Wohnmobile ist, wird ganz frei bis auf uns. Vielleicht hatte es sich ja wieder um eine Reisegruppe gehandelt; es waren jedenfalls alles Franzosen. Aber auch unsere Nachbarn aus Coburg fahren so früh weiter. Wie gut, dass wir gestern hier überhaupt noch unterkommen konnten. Wir trödeln dann ein wenig dahin bis 10 Uhr, damit wir draußen in der Sonne frühstücken können. Gegen Mittag machen wir uns auf in die Stadt.



auf geht es zu einem Stadtbummel durch Zagora



alles ist immer uralt in den Werkstätten

Diesmal nehmen wir eine Seitengasse, die uns zur Hauptstraße der Stadt, dem Boulevard Mohamed V, bringt. Auch suchen wir ja eine kleine Schneiderei, wo wir Herberts am letzten Tag in Spanien gekaufte Hose kürzen lassen können. Das macht Annette sonst immer selbst, aber wenn die Kosten für solche Dienstleistungen in Marokko doch immer so niedrig sind für unsereinen, geben wir diese Arbeit gern außer Haus. Ein winzig kleiner Schneiderladen ist schnell gefunden, und Herbert muss die Hose dann auch gar nicht anziehen, sondern wird direkt Maß von seiner Taille bis zur Ferse genommen und die Länge auf dem Hosenbein mit Schneiderkreide angestrichen. In 30 Minuten sei die Hose fertig, sagt man uns, und das Kürzen kostet 10 DH (0,90 EUR) Wir sagen dem Schneider, dass er sich gern länger Zeit nehmen kann, eine Stunde oder so.



zur Mittagsstunde geht es noch beschaulich zu in den Gassen



wir sind auf dem Boulevard Mohamed V

Dann kommen wir auf den Boulevard Mohamed V, wo wir ja schon gestern waren auf dem Weg zur Patisserie neben der Moschee. Wir laufen mal um die Moschee herum, wo sich ein paar bescheidene Marktstände unter freiem Himmel befinden. Auch stehen hier etliche Taxis, die auf Fahrten warten. Der Laden- und Cafékomplex neben der Moschee ist sehr hübsch angelegt, und in einem der Geschäfte wollen wir mal nach einem Kopftuch (Chech) schauen, wie sie die Einheimischen hier überall tragen.



hinter der großen Moschee gibt es einen bescheidenen Souk, wo mittwochs immer Markt ist

Sogleich werden wir mit Tüchern in allen möglichen Farben bombardiert, aber als der Verkäufer merkt, dass wir uns auf das rötliche eingeschossen haben, kostet dieses natürlich mehr als die anderen. Und zwar 60 DH (5,40 EUR), die anderen alle 30 DH (2,70 EUR). Es heißt, dass das rote von besserer Qualität sei. Aber der Verkäufer soll uns natürlich auch mal zeigen, wie man es denn eigentlich bindet? Und das ist dann sehr interessant, und Herbert macht ein paar Fotos währenddessen, damit wir diese Technik nicht vergessen. Jetzt geht es ans Feilschen, und am Ende zahlen wir 30 DH (2,70 EUR), obwohl Herbert findet, dass das noch viel zu viel war. Aber egal, das Tuch soll sich nur gut auf unseren nächsten Wüstenfotos machen.



bevor wir dieses Tuch kaufen, lassen wir uns erstmal zeigen, wie man es eigentlich bindet



beim Optiker lassen wir das herausgefallene Brillenglas wieder einsetzen

Unser nächstes Ziel ist der Optiker, den Annette gestern schon auf dem Boulevard gesehen hatte. Eine große Werbeschrift auf einer Hausfassade. Irgendwann sehen wir sie endlich, aber im Haus sind nur ein kleiner Supermarkt und ein anderer Laden zu sehen.  Es ist ein Eckhaus, und am Seiteneingang steht Avocat über dem Türstock. Aber auf einem kleinen Schild, das am Boden steht und an die Fassade anlehnt, lesen wir El Waha Optique. Na bitte, hier es es doch. Mutig steigen wir eine sehr enge und vor allem dunkle Treppe hinauf in den ersten Stock, wo wir uns in einem modernen Optiksalon wiederfinden. Die beiden jungen Optiker bedienen uns sofort und das Glas ist schnell wieder eingesetzt. Derweil kann Herbert schnell ein Foto aus dem Fenster machen. Dann sind wir wieder auf der Straße und holen die Hose ab. Mit dem 20 DH-Schein muss der Schneider erstmal ins Nachbargeschäft eilen und ihn wechseln, denn wie so oft hat man praktisch kein Wechselgeld da. So, und jetzt freuen wir uns auf die Stadt.



Blick aus dem Fenster beim Optiker auf den Boulevard Mohamed V und die prächtige Moschee



beim Schneider wollen wir die gekürzte Hose wieder abholen



die Hose ist fertig und der Schneider ist schon wieder fleißig am nächsten Auftrag



alles ist immer so bunt

Was uns in Zagora auffällt, sind die vielen Geschäfte und Läden, die den Boulevard Mohamed V säumen. man bekommt hier praktisch alles gekauft, und im Reise Know-How hatte es geheißen, dass sich Zagora hervorragend als Basisstation für Wüstenexkursionen eignet. Und zu einem Berberzelt, das man hier in mehreren Geschäften kaufen kann, bekommt man eben gleich noch das Kamel dazu. Uns macht es jedenfalls Spaß, an den vielen Geschäften entlangzulaufen und auch mal einen Blick hineinzuwerfen. Natürlich werden wir in einer Stadt, wo sich so viele Touristen aufhalten, sehr oft angesprochen. Aber das macht uns nix aus, wir finden ,dass es zum Abenteuer dazugehört. Und nach über drei Wochen im Land haben wir jetzt auch einige Routine mit den Schleppern.



jetzt kaufen wir auch noch ein Tuch für Herbert, für schöne Fotos in der Wüste

Herbert will dann auch so ein Tuch haben und entscheidet sich für dunkelblau. Der ganze Laden ist voll von diesen Tüchern, aber das dunkelblaue ist dann von besonders guter Qualität, reiner Seide, und will 150 DH kosten. Fast müssen wir lachen bei diesem Preis, aber wir sagen dem Verkäufer in einem Mix aus französisch und englisch, dass uns die Qualität egal ist. Dass wir in einem anderen Laden 30 DH für so ein Tuch gezahlt haben. Ich hab' es hier im Rucksack, sagt Annette. Show me, sagt der Verkäufer. Also holt Annette das Tuch hervor. Aber das ist ja von viel schlechterer Qualität; also unter 100 DH kann er das blaue nicht hergeben. Da ziehen wir ein bedauerndes Gesicht, da wir ja offenbar nicht ins Geschäft kommen und jetzt gehen wollen. Da geht der Preis auf 70, dann 50, dann 35 DH. Trente Dirham (dreißig Dirham), sagen wir weiterhin und bekommen es am Ende auch für diesen Preis.



immer geht es lebhaft zu

Ein paar Schritte weiter auf dem Boulevard werden wir von jemandem angesprochen, der uns wiedererkennt und den auch wir wiedererkennen. Es ist der Mensch, den wir gestern auf der Straße nach dem Weg zum Camp gefragt hatten. Jetzt freut er sich total, uns wiederzusehen, ist ganz aufgelöst. Jetzt sollen wir uns aber unbedingt mal seinen Laden anschauen. Nur gucken, nix kaufen, sagt er. Gut, schauen wir also mal hinein in seinen Laden, wo es Schmuck, Gefäße und Zierat aus Silber oder Messing gibt. Hübsch sind die Sachen ja, aber wir haben doch gar keine Verwendung dafür, wüssten nicht mal, wohin damit im Wohnmobil. Also danken wir fürs Gucken und ziehen weiter. Wiederum ein paar Schritte weiter treffen wir das junge Paar aus Dresden mit ihren zwei kleinen Kindern, die auf dem Camp in Fés unsere unmittelbaren Nachbarn waren.  Sie sind in einem Pickup Truck unterwegs. Die Welt ist eben klein. Wir erzählen einander von den bisherigen Erlebnissen und stehen eine Ewigkeit zusammen. Dann trennen sich unsere Wege, wir setzen uns neben der Moschee in das Café Oscar, wo die Bedienung aber so lange auf sich warten lässt, dass wir wieder aufstehen, uns wie gestern in der Patisserie ein paar Teilchen kaufen und es uns auf dem Camp gemütlich machen. Der Seitentrakt auf dem Camp ist immer noch ganz frei und für uns allein. Ach, das war ein schöner Tag heute. Abends auf der Wetterkarte der Tagesschau ist dann das gute alte Europa gar nicht zu sehen vor lauter Tiefs. Da sind wir hier doch besser aufgehoben. 

uns gefallen die winzig kleinen Läden, wo man anscheinend alles bekommen kann

so hübsch stehen wir auf dem Camp und haben sogar eine Palme neben uns

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