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Sonntag, 31. März 2013



welch herrlicher Sonnenuntergang, zumal wir dem Land jetzt zwei Stunden voraus sind nach der Sommerzeit

Es ist wieder so weit, die leidige Umstellung auf Sommerzeit in der Nacht. Es ist ja nicht nur die eine Stunde, die wir heute Nacht verlieren, sondern wacht man ja jetzt jeden Morgen eine Stunde später auf, weil es noch so dunkel ist. Wir jedenfalls lassen uns immer vom Tagslicht wecken und fahren gut damit. Damit ist jetzt also Schluss bis Ende April, bis es morgens wieder früher hell wird. Für heute sind 31°C angekündigt, und die lassen auch nicht lange auf sich warten. Es wird irre heiß, und so fahren wir auch heute noch nicht weiter. Am späten Nachmittag kommt eine französisch geführte Reisegruppe - von Thellier - auf den Platz und lässt sich häuslich nieder. Ansonsten wird es auf dem Camp Tazka jetzt mit jedem Tag deutlich leerer. Die Leute fahren so langsam heimwärts und wollen wohl auch der Hitze entfliehen, die nun in großen Schritten kommt. Irgendwer hatte uns hier erzählt, dass es im Sommer in Tafraoute bis zu 48°C heißt wird. Wer soll es da aushalten? Morgen fahren wir aber definitiv weiter, komme, was da kommen mag. 

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Samstag, 30. März 2013



Herbert prüft den Luftdruck der Räder der Yamaha

Eigentlich wollen wir heute weiterziehen, aber dann ist es schon gleich morgens so heiß, dass wir uns gar nicht aufrappeln können. Die Temperaturen sind tags bei 29°C, und selbst unter der Markise müssen wir uns heute mit Nichtstun begnügen. Herbert prüft am Nachmittag mal den Luftdruck in den Reifen der Yamaha. Wir hatten uns mal ein Gerät gekauft, das bis 10bar geht. Schade nur, dass wir nicht so schnell gesehen hatten, dass das Gerät nur über einen 12V Anschluss anzuschließen geht. Erstaunlich auch, dass es nicht schon nach dem ersten Gebrauch kaputt ist. Ansonsten passiert heute nicht viel, aber wir können ja auch nicht jeden Tag so ein Feuerwerk veranstalten. Wir wollen langsam aufbrechen nach Agadir und immer weiter nördlich. Warten darauf, dass Spanien endlich wieder südliche Temperaturen annimmt.

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Donnerstag, 28. März 2013



im dritten Dorf müssen wir abbiegen auf die Piste

Es geht lebhaft zu auf dem Camp, wenn so viele Leute da sind, auch wenn diese alle im Hotelbus wohnen und eigentlich nur wenige Wohnmobile da sind. Herbert läuft der Alleinreisenden über den Weg, die ihn fragt, ob wir irgendwas gegen Erkältung hätten. Sie quält sich schon lange mit einer Bronchitis und sie geht einfach nicht weg. (Garantiert von der Klimaanlage im Bus.) Aber da wir ja praktisch nie erkältet oder so sind, haben wir nichts rechtes im Hause außer Paracetamol, das Universalmittel. Das bringt Annette der Frau und ist erstaunt, welch hübsches Plätzchen der riesige Hotelbus in einer Nische eingenommen hat. Als Außenstehender kann man so gut wie nichts sehen. Man baut gerade alles fürs Frühstück auf und hat da, wo normalerweise die Koffer untergebracht sind, eine riesige Kiste mit Baguettes usw. stehen. Auch sind natürlich Tische und Bänke aufgebaut. Aber mit der Tablettenschachtel, die Annette der Frau geben will, kann diese nichts anfangen; die hat sie auch und die haben bisher nicht geholfen. Schade.



hier entlang zu den bemalten Felsen - Les Peintures

Als wir wenig später wieder draußen beim Frühstück sitzen, fahren die Leute vom Hotelbus in vier Jeeps los zu einem Ausflug. Garantiert zu den blauen Steinen, und da wollen wir heute auch noch hin. Wir überlegen, ob wir nicht zu Fuß hingehen könnten. Annette fragt mal den Betreiber vom Camp, wieviel Kilometer es denn seien? Sieben Kilometer, sagt er. Aber 7km hin und 7km zurück sind uns zu viel in der Hitze. Da nehmen wir doch lieber die Yamaha. Das sieht der Betreiber, bringt uns eine kleine Karte und zeigt uns die Route, die wir nehmen sollen. Die meiste Strecke sei Piste, sagt er, aber wirklich gut zu befahren. Er spricht nur französisch, aber verstehen können wir ihn dennoch gut. Wir sollen auf der Straße nach Tiznit im dritten Dorf nach links abbiegen. Sie erklären das immer so ulkig, sie sagen: La première village - non; la deuxième village - non; la troisième village - oui. (Einmal, als uns der Weg zu einem Fliesengeschäft erklärt wurde, der bei einem 4. Kreisverkehr lag, waren die Aufzählungen noch länger.) 



die Piste lässt sich gut befahren

Um halb eins knattern wir los, fahren durch erste Dorf, durchs zweite und das dritte und sehen dann die Abbiegung die Piste hinauf. Es ist auch die einzige Abbiegung weit und breit; in den beiden anderen Dörfern ging die Straße nur immer geradeaus. Die Piste geht erstmal steil hinauf, aber der Mann hat recht, sie ist in wirklich gutem Zustand, keine Delle, kein Schlagloch. Und welch herrliche Sicht auf die Berge und Felsen. Die kleine Connie (Canon) ist im Dauereinsatz während der Fahrt.



die ersten blauen Steine kommen in Sicht



wir halten mal an für ein Foto



wir wandern zu den Bemalungen

Irgendwann sehen wir dann die ersten blauen Felsen, sehen auch einen Feldweg, der von der Piste abgeht, fahren in diesen, parken die Yamaha und gehen zu Fuß weiter. Hier ist weit und breit keine Menschenseele außer uns. Die Landschaft ist ja wirklich einmalig, und auch im Buch hatte es geheißen, dass die Region um Tafraoute zu den schönsten und beliebtesten von ganz Marokko zählt. Die blaue, rötliche und gelbliche Farbe, die der belgische Maler Jean Vérame auf die Felsen aufgetragen hat, finden wir selbst zwar etwas albern, aber vielleicht muss man das ja einfach mal gesehen haben. Überall sehen wir weitere blaue oder andersfarbige Felsen und Steine. 



die viele Farbe inmitten der Natur ist ein eigenartiges Bild


 



wie gemacht für Ostern, auch wenn erst Gründonnerstag ist

Im Buch heißt es, dass der Belgier die bis zu 30m hohen Granitfelsen ganzflächig oder in geometrischen Mustern bemalt hat. Im Einklang mit der Natur und den Farben des Himmels entstand hier 1984 eine "Phantasmagorie" von 2km Länge und 800m Breite. 20.000kg Farbe, nach altägyptischen Rezepten hergestellt, wurden in zwei Monaten vermalt. Im Buch heißt es, dass die Malereien in dieser Traumlandschaft im Farbenspiel von Licht und Schatten zu verschiedenen Tageszeiten wirklich eindrucksvoll seien. Wir lesen, dass die der Erosion ausgesetzten Felsen in den letzten Jahren schon recht verblichen waren und sie deshalb in 2010 vorwiegend in blau neu gestrichen wurden.



Voilà, Les Peintures - die Bemalungen des belgischen Künstlers Jean Vérame



solche Felsformationen schafft nur Mutter Natur

Also wir finden die angemalten Felsen wie gesagt etwas albern; der einzig komische Zufall liegt darin, dass wir heute am Gründonnerstag hier unterwegs sind und ein paar österliche Farben sehen und manche Felsen auch erst auf den zweiten Blick zu sehen sind. Wir gehen dann zur Yamaha zurück und fahren weiter auf der Piste, die uns in einer Rundfahrt nach Tafraoute zurückbringt. Wir müssen also nicht die gleiche Strecke zurückfahren. Unterwegs kommen wir noch durch zwei Dörfer, deren Häuser so herrlich rosa leuchten. Wir fahren dann mal auf die Wiese zu den Dresdnern, die aber nicht da sind. Daheim brauen wir uns einen Minzetee von den Minzeblättern. Er schmeckt gut, aber nicht ganz so, wie wir ihn im Lande zu trinken bekommen. Den Rest des Tages sitzen wir bei uns unter der Markise und tun nichts weiter. Morgen wollen wir mal ins Ammelntal fahren.



die Flussbetten sind ausgetrocknet



weiter geht unsere Rundfahrt



wir erreichen wieder die Hauptroute, die nach Tafraoute geht


 



die Landschaft ist immer ganz großartig



nachmittags sitzen wir bei Minzetee

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Freitag, 29. März 2013



Blick auf den Chapeau de Napoléon - Napoleons Hut

Heute wollen die Temperaturen bis auf 26°C gehen, da können wir froh sein, wenn uns der Fahrtwind auf unserer Fahrt durchs Ammelntal etwas abkühlen wird. Bevor wir uns aber aufmachen in nordwestlicher Richtung, fahren wir nochmal ins Dorf Aguerd Oudad, wo wir schon gestern durchgekommen sind. Da hatten wir allerdings den Felsen namens Chapeau de Napoléon - Napoleons Hut - übersehen. Das passiert uns heute nicht, aber vielleicht kann man den Hut von dieser Richtung kommend auch besser sehen. Sieht der Felsen nicht wirklich wie ein Hut aus?



auf geht es ins Ammelntal

Dann kehren wir um, durchfahren Tafraoute und halten uns in Richtung Agadir. Die Straße gabelt sich irgendwann und für uns geht es in westlicher Richtung durchs Ammelntal, aber vorher steigen wir nochmal von der Yamaha ab, weil der Blick ins Tal so hinreißend ist. (Vielleicht sollten wir heute mal nicht so viel schreiben, sondern lieber die Fotos für sich sprechen lassen.) Hier soll es viele Arganienbäume und Dattelpalmen geben, aber wir können nicht erkennen, was was ist. Die Straße lässt sich wieder mal gut befahren, und wir sind ja sowieso fast immer die einzigen unterwegs.



hier fängt das Ammelntal an



wir kommen durch ein paar der insgesamt 46 Dörfer, die es im Ammelntal gibt



die Route ist hübsch und die Straße lässt sich gut befahren



Blick auf ein weiteres Dorf im Ammelntal

Das Ammelntal mit seinen ursprünglichen Dörfern, von denen manche Häuser recht solide und gar nicht so armselig aussehen wie anderswo, ist von einer grandiosen Granitfelsenkulisse umgeben. Die Ammeln, so lesen wir im Buch, sind ein Berbervolk der Chleuh und gelten in ganz Marokko als gute Händler. Im Ammelntal gibt es vier Berberstämme, die in 46 Dörfern leben. Unsere Route ist etwa 41km lang, absolut sehenswert und gottlob auf der Yamaha nicht so heiß, was die heutigen Temperaturen angeht.



immer wieder halten wir für ein Foto an



die Moscheen sehen immer tiptop aus



weiter windet sich die Straße



der Kamelrücken muss natürlich auch mit aufs Foto



Blick auf das Dorf Tahala, von wo aus es wieder auf die Hauptstraße geht

Irgendwann, etwa nach der Hälfte der Route, stoßen wir im Dorf Tahala wieder auf die Hauptstraße nach Tafraoute. Diese Strecke kennen wir ja schon von unserer Anreise nach Tafraoute am letzten Sonntag, aber jetzt auf dem Motorroller wirkt alles ganz anders. Diesmal können wir auch im Dorf Aday anhalten und die tiefrote Moschee fotografieren, die vor herrlicher Felsenkulisse aufragt. Aday ist nur wenige Kilometer von Tafraoute entfernt, und jeden Morgen haben wir das Vergnügen, den Singsang vom Muezzin zu hören. Die hohen Felsen ringsum sind wohl ein guter Schallträger? Wieder zurück in Tafraoute, nach einem Salatteller im Restaurant Tifaouine, besuchen wir noch die Dresdner, die gerade von einem Fahrradausflug zu den blauen Felsen zurück sind. Die Fahrräder hatten sie im Ort geliehen bei einem Deutschen. Hier in der Umgebung sollen sich mehrere Deutsche angesiedelt haben. Dann sitzen wir bei uns am Platz und sind froh, dass die Markise Schatten spendet. Sonst wäre es jetzt anstrengend und entschieden zu heiß.



wir erreichen das hübsche Dorf Aday



welch wunderbare Kulisse die Moschee von Aday umgibt



die Häuser kleben an den Felsen



dies ist die zweite Moschee, die es in Aday gibt - nicht minder schön gelegen



wir kehren auf einen Salat ins Restaurant Tifaouine ein

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Mittwoch, 27. März 2013



Wolken hängen über den Granitfelsen

Eigentlich wollten wir heute einen Ausflug machen mit der Yamaha. Dann aber lesen wir, dass heute Markt ist in Tafraoute. Außerdem ist die Luft ziemlich kalt, und so verschieben wir den Ausflug einfach auf morgen und gehen am Vormittag in den Ort. Zu dieser Tageszeit waren wir ja bisher noch nicht in Tafraoute, und die Stadt zeigt ihr Alltagsgesicht. In allen Straßen sind Autos geparkt, überall sind kleine Verkaufsstände aufgebaut oder vielmehr liegt die Ware auf Tüchern am Boden. Wir folgen unserem Instinkt und laufen in der richtigen Richtung und hinunter zum Fluss, dem Oued Massa. Auf der Brücke über den Fluss wimmelt es von Leuten, als würden sie auf den Bus warten.



heute ist das Fleischangebot in Tafraoute groß



auf der Brücke, die über den Oued Massa geht, stehen die Leute und warten



die beiden in trauter Harmonie (Straßenhunde sieht man nur selten; vielleicht werden sie regelmäßig umgebracht)



am ausgetrockneten Flussbett entlang zieht sich der Markt von Tafraoute

Am Flussufer entlang ziehen sich die Marktstände und schon stürzen wir uns ins Gewimmel. Solche Märkte sind natürlich immer sehr einfach, aber die Gerüche sind immer gleich. Der Duft der Gewürze steigt uns in die Nasen; Datteln liegen in der Sonne, Fisch wird gebraten und türmt sich auf dem Verkaufstisch, Schafen werden die Beine zusammengebunden, ihnen wird der Kopf mit roter Farbe markiert und manche von ihnen landen dann auf Schubkarren für den Heimtransport. Erstaunlich, dass es fast alles Frauen sind, die Schafe kaufen. An einem Stand gibt es gebrauchte Haushaltswaren vom Sieb bis zum Wasserkessel. Man könnte daheim ganze Flohmarktstände aufkaufen und die Ware hier an den Mann bringen.



Datteln liegen in der Sonne



Obst und Gemüse gibt es immer im Überfluss



Schafe liegen mit zusammengebundenen Füßen auf dem Boden und warten auf ihre neuen Besitzer



ihnen werden die Köpfe markiert



es sind hauptsächlich Frauen, die Schafe kaufen



manches Schaf wird in der Schubkarre abtransportiert



wir kaufen wieder eine Ladung Orangen à 7 DH/kg (0,63 EUR)



es wird immer mit Gewichten hantiert und aufs volle Kilo aufgerundet

Wir kaufen wieder 3kg Orangen - die letzten waren gar nicht so gut - und dann betört uns der Duft von Minze. Die Minzeblätter werden in Büscheln verkauft und wir finden, dass wir uns so ein Büschel einfach daheim ins Wohnmobil legen sollten für den herrlichen Duft, den es abgibt. Und so landet ein Büschel à 5 DH (0,45 EUR) in unserem Einkaufsbeutel. Dann gehen wir zum Fischstand, wo es munter zugeht und viele Käufer stehen. Schon bekommen wir eine kleine Kostprobe in die Hand (ach Gott, haben wir überhaupt die richtige genommen?). Schmeckt gut, und so fragen wir nach dem Preis. 70 DH (6,30 EUR) für das Kilo. Nehmen wir doch ein Kilo. Dann verlassen wir den Markt und gehen zur Konditorei, die wir gestern entdeckt haben. Vier kleine Törtchen à 3 DH (0,27 EUR) kaufen wir und gehen dann heim. Immer noch hängen Wolken über den Granitfelsen, was einfach toll aussieht.



ein Büschel der herrlichen Minze, bitteschön



erst probieren, dann kaufen wir frittierten Fisch



der Verkaufstisch biegt sich unter den Bergen von Fisch



welch schöne Kulisse der Markt hat



noch immer liegen Wolken über den Felsen



zum Kaffee gibt es die vier kleinen Törtchen

Die Luft ist heute kalt, und so rollt Herbert die Markise wieder ein, damit uns die Sonne wärmt. Am Nachmittag rollt ein Hotelbus aufs Camp. So ein Gefährt haben wir noch nie gesehen. Es sind Deutsche an Bord, die sogleich über den Platz ausschwärmen. Mit einer Frau aus dem Bus kommen wir ins Gespräch und erfahren, dass der Bus seit 16. März im Lande ist, dass sie von Genua aus mit der Fähre nach Tanger gekommen sind und insgesamt vier Wochen unterwegs sein werden. Die Frau ist eine Alleinreisende und zählt schon ihre nächsten Reiseziele auf. Unter anderem Kanada und nochmal den Iran, wo sie schon im letzten Jahr mit ihrer Freundin war. Wir horchen sie ein wenig aus, aber sie hat nur kurz Zeit, muss zum Bus zurück, der die ganze Truppe jetzt in den Ort bringt. Und wie lange sind Sie schon unterwegs?, fragt sie uns. Och, wir gehen ins 5. Jahr, sagen wir ihr. Da staunt sie nicht schlecht und würde gern mit uns tauschen. Der Hotelbus bleibt für 2 Nächte auf dem Platz, vielleicht können wir ja später noch mit ihr reden. Abends - wir essen gerade den Fisch - klopft es an unsere Tür: Es ist die Dresdnerin und sagt Hallo. Wir sehen uns also jetzt das viertemal in Marokko. Nur dass wir diesmal wussten, dass die Dresdner auch von Sidi Ifni aus hierher nach Tafraoute wollten. Sie kommen gerade erst an im Ort und wollen sich auf die Wiese stellen. Ob wir morgen nicht zu ihnen kommen wollen, bisschen reden über alle Erlebnisse? Machen wir gern. Bis morgen also.



dieser Hotelbus kommt am späten Nachmittag auf den Platz gerollt

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