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Donnerstag, 28. Februar 2013



die Betten werden frisch aufgezogen

Heute früh ist der Muezzin kaum zu hören, denn die nächste Ortschaft, Tabouraht, ist etwas weiter entfernt. Um die Leute vom Camp aber dennoch um 5:00 aus dem Schlaf zu reißen, hätte Annette ja die Nummer von Herberts Reisepass singen können, die sie mittlerweile auswendig kann. Denn die ist doch jedesmal in die Anmeldeformulare auf jedem Camp einzutragen. Aber ein stiller Morgen hat ja auch was. Wir wollen heute mal nichts bzw. recht viel tun: Ein Großputz ist fällig, um den Wüstensand aus dem Wohnmobil herauszubekommen, der sich überall eingenistet hat. Ins Bett, ins Bad, in die Dusche - überall ist der rötliche Wüstensand hingekommen. Nachdem das alles erledigt ist, haben wir einen freien Tag, und wie könnten wir den besser verbringen als auf einem der herrlichen geflochtenen Liegestühle am Swimmingpool? Mit einer Tasse Kaffee und je einem Buch nehmen wir den Pool für uns in Beschlag und genießen den Tag und den Blick in die Landschaft, den wir von dort aus haben. Später kommt eine Französin und taucht mal ein Wasserthermometer ins Wasser. 13°C - so das Ergebnis ihrer Messung. Wir hätten die Wassertemperatur viel höher eingeschätzt und wahrscheinlich hat die gute Frau das Thermometer nicht lange genug ins Wasser getan. Jedenfalls fühlen wir uns auf diesem Camp wieder sehr wohl, nur das Internet könnte hier schneller bzw. stabiler gehen, aber damit haben wir ja im Hinterland immer große Probleme. Die Nacht kostet hier übrigens 60 DH (5,40 EUR), Strom 25 DH (2,25 EUR).



wir haben einen ganzen Pool für uns allein



so lässt sich der Nachmittag aushalten

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Mittwoch, 27. Februar 2013



Blick auf das Camp La Boussole in M'hamid

Morgens um 6:45 Uhr leuchtet der Vollmond über der Wüste und gibt ein ganz besonderes Licht ab. Die Sonne lässt dann auch nicht mehr lange auf sich warten, worauf Herbert nur wartet, denn er will noch ein paar Fotos vom Camp im Morgenlicht machen. Am liebsten würden wir auch ganz früh losfahren, aber der Betreiber ist nirgends aufzutreiben. Den Holländern geht es wohl genauso, denn wir sehen sie mehrmals zur Rezeption laufen. Um 9:40 Uhr Ortszeit endlich ist er da, und so trifft Annette die Holländerin beim Bezahlen an. Reisen Sie auch ab? fragt sie die Frau. Ja, wir hatten uns das alles anders vorgestellt, sagt diese. Daraufhin Annette: Uns geht es genauso. Und so machen wir uns eben auf den langen Weg zurück in nördlicher Richtung; über Zagora und Ouarzazate wollen wir jetzt langsam Marrakech in Angriff nehmen.  



das Dach ist aus Palmenstämmen gebaut

Für die Tajine gestern Abend sollen wir doch tatsächlich 120 DH zahlen, 60 DH pro Person. Dafür bekommt man anderorten schon ein ganzes Menu mit Salat und Dessert. An das schlechte Fleisch dürfen wir gar nicht denken. Aber das kommt davon, wenn man mal nicht vorher nach dem Preis fragt, was sich Annette doch eigentlich schon so angewöhnt hatte. Na gut. Jetzt liegen also die knapp 250km bis Ouarzazate vor uns.



hier haben wir gesessen und gelesen



wir verlassen M'hamid



jetzt geht es zum erstenmal in nördlicher Richtung



das grüne lasierte Tongeschirr ist hier sehr verbreitet



so werden hier die Schulkinder transportiert

In einem der Dörfer werden gerade diese Schulkinder aufs Dach verfrachtet bzw. abgesetzt. Schlecht gefahren ist immer noch besser als gut gelaufen, sagt man ja immer, und überhaupt staunen wir immer, wie weit die Kinder laufen müssen, um zur Schule zu kommen. Wir sehen sie sehr oft in großen Gruppen auf den Überlandstraßen mit ihren Schulranzen laufen und weit und breit keine Ortschaft, geschweige denn eine Schule zu sehen. Auch staunen wir, wie klein manche Schulkinder sind; sie können nicht älter als 5 Jahre sein. Es ist ein entbehrungsreiches Leben, das man schon von Kindesbeinen an führt.



wir kommen gut voran kurz vor Zagora



in Zagora wird der Luftdruck geprüft

In Zagora, der Stadt, in der wir uns so gern aufgehalten haben, tanken wir wieder bei Total für 200 DH. Man weist Herbert darauf hin, dass der Luftdruck zu schwach ist. Vielleicht will man gern ein paar Dirhams verdienen, aber wir müssen zugeben, dass besonders die Vorderreifen immer so aussehen, als wäre nicht genug Luft in ihnen. Aber die Luftdruckanlage bei Total geht wie überall nur bis 5,5bar. Wir aber brauchen 6,5bar. Also läuft man ein paar Meter zu einer benachbarten Werkstatt, wo man uns, als wir daraufhin zu ihr fahren, sehr eifrig begrüßt und sich zu zweit sogleich an die Reifen macht. Nachdem alle 6 Reifen geprüft sind und sich herausstellt, dass der Luftdruck überall richtig war, gibt Herbert den beiden jungen Männern je 10 DH, über die sie sich sehr freuen. Dann fragt er auch mal nach dem Preis für zwei Starterbatterien, wofür aber der Boss geholt werden muss. Der schreibt 10.000 DH (900 EUR) auf, woraufhin Herbert sagt, dass in Deutschland eine Batterie ca. 150 EUR kosten würde, also ca. 1.500 DH. Ja, sagt man daraufhin, aber für die 10.000 DH würde man hier ja zwei Batterien bekommen. Aber so ist das eben, wenn man immer alles rückwärts schreibt, und wenn selbst die Zahlen an den Wänden der Schulen in kleinen verzierten gemalten Kästchen folgendermaßen stehen: 20 - 19 - 18 - . . . . . - 3 - 2 - 1. Da wird man sicher ganz meschugge, dass die Zahlen vorwärts geschrieben werden. Wir bedanken uns bei den Leuten in der Werkstatt, die immer zahlreicher geworden sind, je länger wir uns dort aufgehalten haben, so als würden sich Leute von der Straße dazugestellt haben, um dem seltenen Spektakel beizuwohnen.



hier fragen wir auch mal nach dem Preis für neue Batterien



wir erreichen wieder die Berge



hier und da sind Oasengärten angelegt



wie gut das Grün dem Auge tut

Unterwegs, es ist wieder keine Menschenseele zu sehen, sehen wir plötzlich ein kleines Mädchen von vielleicht 3 Jahren mit zwei Frauen am Straßenrand stehen. Ach, halt mal an, ich will ihm eine Kleinigkeit geben, sagt Annette zu Herbert und holt ein paar Süßigkeiten aus dem Schrank. Dann aber stehen wie aus dem nichts drei größere Mädchen von vielleicht 10 oder 12 Jahren da, und das kleine Mädchen auch. Sie stürzen sich mit einer Herzenslust auf die Sachen, die Annette ihnen gibt und freuen sich so sehr darüber. Annette war in ihrer Kindheit im Osten ganz genauso und konnte sich an den kleinsten Dingen so erfreuen, und das wenige, das man besaß, wurde für immer in Ehren gehalten. Vielleicht sieht Annette sich ja selbst in diesen Mädchen. Jedenfalls wissen wir, was wir das nächstemal nach Marokko mitnehmen werden (kleine Plüschtiere und Spielsachen, die die Kinder wohl ihre gesamte Kindheit über behalten werden), denn wir sind mittlerweile fest davon überzeugt, dass unsere erste Reise nach Marokko nicht die letzte gewesen sind. -- Und Jungs gibt Annette nicht mehr so gern etwas, denn die waren beim letztenmal am Straßenrand richtig dreist, haben immer miissi, miissi gesagt, was wohl mehr, mehr heißt, mit einer Handbewegung wie Na los, lass schon rüberwachsen, ich will noch mehr haben. Jungen werden in diesem Kulturkreis eben wie kleine Prinzen erzogen und sind als Männer richtige Paschas. Da hält sich Annette lieber an die Mädchen, deren Leben von Anfang an viel schwerer ist.



über diesen gewaltigen Pass müssen wir wieder



uns beeindrucken die Berge immer wieder aufs neue



solche Fotos aus dem Seitenfenster

Dann geht es wieder in die Berge, die uns jedesmal überwältigen. Annette ist redlich bemüht, diese gigantischen Formationen aufs Bild zu bekommen und schießt dutzende Fotos, während Herbert dutzende Serpentinen bewältigen muss. Nur gut, dass die Straße fast immer uns allein gehört, auch wenn wir uns in jeder Kurve auf Gegenverkehr einstellen. Es ist eine beeindruckende Fahrt mit faszinierenden Blicken auf Berge, die man in Europa wohl so nicht sieht. 


 

Irgendwann erreichen wir die Stadt Ouarzazate, wo wir bei Afriquia mittels Kreditkarte mal wieder volltanken. Dann fahren wir zum Camping L'Escale Tissa, wo wir um 16:30 Uhr Ortszeit gerade noch einen der freien Plätze ergattern können. Annette will einen Salat machen und nimmt die herrlichen roten spitzen und ziemlich großen Paprikaschoten her. Als sie zerschnitten sind, steckt sie sich einen kleine Paprikakern in den Mund, der übertrieben scharf schmeckt. Daraufhin knabbert sie mal an einer Spitze, hat aber gar keinen Geschmackssinn. Probier du mal, ob die Paprikas süß oder scharf sind, ich merke es gar nicht, sagt sie zum Herbert, der abbeißt und nach ein- zweimal kauen alles auf die Hand spuckt. Sein Gesicht verzieht sich und er quält sich mit dem höllisch brennenden Gefühl auf den Lippen. Das sind die falschen, bringt er gerade noch heraus. Annette tut alles in den Mülleimer, wäscht sich die Hände zweimal mit Seife und kratzt sich dann an ihrer Wange. Woraufhin ihr das ganze Gesicht brennt wie Feuer. Die Augen tränen und die Nase läuft. Noch zweimal Hände waschen mit Seife, und dann die Augen ausspülen mit Wasser. Aber da fängt die ganze Chose erst richtig an. Denn das Händewaschen scheint überhaupt nicht zu nützen, und nun ist alles in den Augen, die wie wild tränen. Auch kommt Rotz aus der Nase, der sich kochendheiß anfühlt. Blind wie sie ist mit ihren tränenden Augen läuft Annette zum Waschhäuschen und lässt fünf Minuten lang Wasser übers Gesicht laufen. Was für den Moment guttut, aber sobald sie vom Wasser weg ist, brennt alles wie verrückt. Wieder an Bord kann sie gerade noch herausbringen: Das ist ein Teufelszeug; damit kann man einen ja umbringen. Sie legt sich eine Weile aufs Bett, bis es irgend geht. Dann wird alles, womit das Teufelszeug in Berührung kam, weggetan: Handtuch, Taschentuch, Messer, Schneidbrett, alles kommt in den Wäschesack bzw. ins Waschbecken. Vom anderen Gemüse machen wir uns dann einen Salat und brauchen den ganzen Abend, um uns zu regenerieren. Gottlob hat keiner von uns das Zeug in den Schlund bekommen. Und morgen wollen wir eh hierbleiben und uns von der für uns langen Fahrt erholen. Solche langen Strecken, wie sie für andere Fahrer, solche ohne Zeit, vielleicht üblich sind, haben wir ja im Grunde nie nötig.



wir erreichen das Camp L'Escale kurz hinter Ouarzazate

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Montag, 25. Februar 2013



unser letzter Spaziergang durch Zagora beginnt

Als wir vor nunmehr vier Wochen nach Marokko kamen, war es noch 5:45 Uhr Ortszeit, dass der Muezzin mit seinem morgendlichen Singsang anfing. Über die Wochen nun hat dieser Singsang immer früher eingesetzt, da sich dieser ja nach dem Stand der Sonne richtet, also vor Sonnenaufgang, sodass es mittlerweile schon um 5:10 Uhr ist, dass er damit anfängt. Mit viel Inbrunst, aber wenig musikalischem Talent wird Allah gepriesen, wobei fast immer nur ALLAH, ALLAH, ALLAH-O-AKBAR, ILLÄH zu hören und nicht viel Abwechslung dabei ist. (Manchmal setzt die Stimme des Muezzins ein wie eine ansteigende Sirene, und das Wort ALLAH hört sich an wie ALARM.)



hier werden die Hühner noch lebend verkauft

Es soll heute unser letzter Tag sein in Zagora, und wir wollen am frühen Abend in der Stadt essen gehen. Vorher wollen wir noch durch die Stadt bummeln. Wir sehen, dass heute Markt ist auf der freien Fläche hinter der Moschee, die an anderen Tagen immer recht armselig aussieht, die Fläche, nicht die Moschee. Wir laufen mal über den Markt und sehen, dass die Waren, Obst und Gemüse, wohl aus den Gärten der Leute stammen muss. Alles sieht recht urig aus, und es sind meistens Familien, die hier sitzen und ihre Waren anbieten. Wir gehen dann weiter und setzen uns wieder ins Café Oscar, denn wenn man längere Zeit an einem Ort ist, hat man schon gleich immer seine Gewohnheiten.



Wecker sind Ladenhüter, denn hier weckt der Muezzin die Leute in aller Herrgottsfrühe - noch vor Sonnenaufgang



wir gehen über den Markt, der sich inter der Moschee befindet



sogar Fisch gibt es hier im Landesinnern



es sind Familien, die das verkaufen, was ihre Gärten hergeben

Als wir so sitzen, es ist 16:10 Uhr Ortszeit, setzt die Stimme des Muezzins wieder ein und so langsam setzt ein Strom von Männern ein, die zur Moschee gehen, die ja gleich nebenan ist. Es ist interessant zu sehen, wie Männer jeden Alters und jeder Herkunft sich an der Moschee einfinden zum beten. Was uns auch überhaupt auffällt ist, dass man selten Vollbärte sieht, und noch viel seltener sind Brillen zu sehen. Vielleicht, weil die einfach nicht erschwinglich sind? Auch wird nicht so viel geraucht wie anderswo.



während wir im Café Oscar sitzen, ist wieder Betzeit und die Männer strömen zur Moschee

Als wir so sitzen, es ist halb fünf Uhr Ortszeit, überlegen wir uns, noch einmal auf den Markt zu gehen und Gemüse zu kaufen, damit wir die Salate doch wieder selbst zubereiten können. Das machen wir also, wobei es mittlerweile schon recht spät ist und manche Stände schon alles zusammenräumen. Bei einer Familie, Mutter, Vater und ein Sohn, kaufen wir dann je 1kg Paprika, Tomaten und Gurken für zusammen 27 DH (2,43 EUR). Alles kommt immer erst in eine Plastikschüssel, dann auf die Waage, wo alles auf das volle Kilo aufgerundet wird und entweder noch ein paar Stück hinzugetan oder herausgenommen werden aus der Schüssel, und dann kommt alles in Tüten.



jetzt kaufen auch wir etwas Gemüse für Salat



um 17 Uhr Ortszeit sind es immerhin noch 26°C

Dann suchen wir uns eines der vielen Restaurants, es müssen wohl an die 20 sein auf dem Boulevard Mohamed V, aus für den Abend. Dabei sehen wir auf einer Anzeige, dass es immer noch 26°C sind, und zwar um 17 Uhr Ortszeit. Herrlich. Auch als wir dann in einem der Restaurants, schräg gegenüber der Moschee, sitzen, leuchtet und wärmt die Sonne noch sehr. Sobald sie aber untergegangen ist, wird es deutlich kühler. Hätten wir doch besser die Einkäufe heimgebracht und uns einen Pullover mitgenommen für jetzt. Jetzt kommen auch viele Eselgespanne vom Markt gefahren, die die nichtverkauften Waren wieder heimbringen. Auf ganz vielen dieser Gespanne sind nur Kinder, Jungen, zu sehen, die alles ganz allein bewerkstelligen. Manche sind allein, manche sind zu zweit oder zu dritt mit ihren Brüdern unterwegs.  



an unserem letzten Abend in Zagora wollen wir noch essen gehen

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Dienstag, 26. Februar 2013



über den Drâa geht es und dann verlassen wir Zagora

So, heute soll unsere Fahrt weitergehen, egal wie sehr uns der Aufenthalt in Zagora gefällt. Wir sind früh auf den Beinen, und während Herbert Tisch und Stühle wegräumt, geht Annette zum Bezahlen. Und wie so oft hat der Betreiber des Camps größere Schwierigkeiten, 5 Nächte à 50 DH zu berechnen. (Woanders hatten wir mal 360 DH zu zahlen. Wir gaben 400 DH hin und man fragte uns, ob wir noch 10 DH hätten? Hatten wir, und man legte sich dann auch schon einen 50 DH-Schein zum Herausgeben hin, nahm dann aber lieber doch noch den Taschenrechner, um auf der sicheren Seite zu sein.)



Durchfahrt durch Tamegroute

Auf dem Camp können wir dann auch wieder die Tanks leeren, was ja nicht überall möglich ist. Dann fahren wir zu Shell, um zu tanken, denn in M'hamid soll es weder einen Geldautomaten noch eine Tankstelle geben. An der Tankstelle fragen wir, ob wir mit Kreditkarte zahlen können? (Wie damals in Midelt bei Shell.) Nein, das geht nicht. Fahren wir also nach schräg gegenüber zu Total, wo die verschiedenen Kreditkarten groß angegeben sind auf einer Tafel. Avec la Carte Crédit? fragen wir vorsichtshalber. Non, heißt es. Und so tanken wir nur für 400 DH. Der Diesel liegt derzeit bei 8,47 DH (0,76 EUR). Dann hält Herbert noch auf der Hauptstraße, dem Boulevard an, damit Annette schnell herausspringen und drei Gallonen Wasser kaufen kann in einem der unzähligen kleinen Läden. Sie fragt jetzt immer vorher nach den Preisen und fährt gut damit. In den paar Minuten, die sie weg ist, wird Herbert von jemandem angesprochen, ob er was zu tauschen hätten. Derjenige hätte ein Geschäft mit Teppichen und allem möglichen. Aber wir brauchen ja nix, wobei wir schon dies und das zum Tauschen an Bord hätten.



auf einspuriger kaputter Asphaltstraße geht es nach M'hamid

Dann fahren wir los; es geht über den Drâa und dann die einspurige Asphaltstraße nach M'hamid in südlicher Richtung. 98 Kilometer stehen uns bevor, die Straße hat große Schlaglöcher und sehr ausgefranste Seitenränder, wo der Asphalt in großen Stücken herausgebrochen ist. Es ist eine mühsame Fahrt, und dennoch kommen wir recht gut voran, was allein schon daran liegt, dass wieder nur wenig Gegenverkehr ist. Die Landschaft ist platt und gibt nicht viel her, weder agrartechnisch noch fotografisch. Irgendwann erreichen wir den Ort Tamegroute, der auf den zweiten Blick gar nicht so übel ist. Aber für uns sehen mittlerweile die kleinen Ortschaften alle gleich aus und sind es wohl auch.



wir überqueren den Drâa, der uns auf der gesamten Strecke begleitet



wieder kommt eine Gebirgskette



hier ist weit und breit niemand außer uns - zum Glück, denn sonst wäre das Fahren noch viel mühseliger



wir müssen über den Tizi Beni Selmane auf 747m

Wir steigen zwischendurch auf eine Passhöhe von 747m, auf den Tizi Beni Selmane. Was für eine herrliche Sicht sich uns von oben bietet. Wenn wir nur endlich irgendwann nicht mehr in südlicher Richtung unterwegs sein werden, damit sich die Sonne nicht immer so spiegelt in der Frontscheibe.



was für eine Sicht von hier oben



die ersten Palmenoasen kommen



die Kamele sind in ihrer Langsamkeit immer so edel und erhaben



wir erreichen die ersten Ausläufer von M'hamid

Als dann die ersten Ausläufer von M'hamid kommen in Form mehrerer Hotels, Oasen und Palmenhaine, halten wir uns bereit, den vielen Schleppern, die es im Ort geben soll, auszuweichen. Wir wollen zum Camp La Boussole und müssen dafür am Kreisverkehr nach rechts abbiegen und ganz durch den Ort fahren. Zwei- oder dreimal wird uns per Handzeichen bedeutet, anzuhalten. Wir aber fahren unbeirrt weiter und sehen am Ende der befestigten Straße schon das Schild für la Boussole. Jetzt noch die letzten 100m auf unbefestigter Piste und den Hügel hinauf, dann sehen wir das kleine Camp auch schon.



wir erreichen den Ort M'hamid



die Leute scheren sich nie um irgendwelche Fahrzeuge und weichen nie von selbst aus



Ankunft auf dem Camp La Boussole (Kompass)

Man winkt und begrüßt uns herzlich wie immer und empfiehlt uns, am besten mit der Längsseite im Wind zu stehen, denn hier geht ein Wind, als wären wir am Atlantik. Nur ist er hier warm und wirbelt gehörig den Wüstensand auf. Auf den ersten Blick gefällt uns die kleine Anlage. Die Rezeption ist aus Palmenstämmen gebaut, auch das Dach, das sieht alles sehr hübsch aus. Die Nacht kostet 40 DH (3,60 EUR), Strom 10 DH (0,90 EUR). Wir bestellen zwei Tajines für den Abend, werden die wohl aber bei uns an Bord essen müssen. Zum einen wegen der viel zu niedrigen Tische, und zum anderen, weil der Wind den Sand viel zu sehr aufwirbelt. Wir setzen uns dann in den anderen massiv gebauten Raum, der mit Teppichen und Decken ausgelegt ist. Aber der Wind bzw. Sand ist doch zu unangenehm und wir gehen zu uns an Bord



hier lassen wir uns nieder und sind nur von Wüstensand umgeben



es schreiten Kamele durch die Straße, als wir nachmittags nach M'hamid hineingehen



Eindrücke von M'hamid

Am Nachmittag gehen wir mal in den Ort, um Fladenbrot zu kaufen. Dabei werden wir von mehreren Leuten angesprochen, ob wir eine Wüstentour machen wollen. Die Preise und Leistungen sind höchst unterschiedlich und reichen von 800 DH über 1.300 DH bis 1.700 DH für eine Fahrt zum Erg Chegaga im 4x4. Die Strecke beträgt etwa 50km, und ein Essen im Berberzelt irgendwo auf der Strecke ist dabei. Aber irgendwie hat sich Herbert da wohl mit allem vertan, denn er hatte gedacht, dass wir von M'hamid und dem Camp aus zumindest wieder die Sanddünen sehen würde. Dass man, um die Dünen zu sehen, jetzt noch zwei oder drei Stunden mit einem Allrad fahren muss, das hatten wir uns so nicht gedacht



Esel Ismail wartet lieb und geduldig



die Waren werden vom Wüstensand eingestaubt



wir wollen zwei Fladenbrote kaufen



der ewig plärrende Fernseher sieht ja wie ein Wüstling aus

Zurück auf dem Camp kommen wir mit unseren holländischen Nachbarn ins Gespräch. Die Frau sagt, dass sie in Holland auch solche Dünen hätten wir hier, dass sie doch etwas enttäuscht sind nach der mühseligen Anreise hierher. Wir sitzen dann wieder in dem massiven Raum, als der Besitzer zu uns kommt (mit einer Alkoholfahne). Er nennt uns einen Preis von 1.700 DH (153 EUR) für die Fahrt im 4x4 zum Erg Chegaga mit Mittagessen bei Berbern. Der Preis fällt dann schnell auf 1,300 DH (117 DH). Aber uns geht es gar nicht mehr um das alles; wir haben keine Lust, von hier aus noch mal stundenlang mit dem Auto unterwegs zu sein, um die Wüstenberge zu sehen. Die kennen wir ja vom Erg Chebbi schon.



abends wird uns die Tajine gebracht - die schlechteste, seit wir im Land sind

Abends wird uns dann die Tajine gebracht. Der Besitzer des Camps sagt, wenn die Tajine gut ist, ob wir dann ein Bier für ihn hätten? Wenn sie nicht gut ist, dann gibt es eben auch kein Bier. Zur großen Enttäuschung ist die Tajine die schlechteste seit vier Wochen. Das Lammfleisch darin besteht im Grunde nur aus Fett und den billigsten Stücken, die man sich beim Metzger geben lassen kann. Wir sind enttäuscht, und Annette ist noch gar nicht mit dem Essen fertig, als der Besitzer zu uns an Bord kommt und wir nun mehrmals beteuern müssen, wie gut das Essen doch war. Auch will er nun das Bier, das Herbert ihm holt und das er sogleich aufmacht und trinkt. Dann sind wir wieder allein, und als Herbert viel später, es ist stockfinster draußen, noch etwas aus der Garage holen will, wird er nochmal um ein Bier angehauen. Jetzt gibt er aber keines mehr her. wir glauben, dass wir morgen früh von hier wegfahren werden.

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Sonntag, 24. Februar 2013



in den Straßen von Zagora

Heute sind wir recht faul und wollen nur mal zum Drâa gehen, dem Fluss, der einem ganzen Tal seinen Namen gibt und durch die Stadt Zagora geht, oder jedenfalls liegt er im Osten der Stadt. Um halb eins Ortszeit gehen wir los, aber heute merkt man doch, dass Wochenende ist und dass dementsprechend wenig los ist in den Straßen. Heute geht auch ein ziemlicher, wenn auch warmer Wind, aber wir sind froh, heute nicht schon unten in M'hamid in der Wüste zu sein und den ganzen Wüstensand abzubekommen. Wir laufen die Avenue Hassan II entlang, die nahezu parallel zum Boulevard Mohamed V, der Hauptstraße von Zagora, liegt. Ein paar Werkstätten sind heute aber doch am Werkeln, sogar an einem Wohnmobil.



manche Werkstätten wie diese Schreinerei sind heute geöffnet



auch die Autowerkstätten haben heute zu tun



in der Nähe des Drâa-Flusses gibt es auch Hotels



ein Palmenhain begrüßt uns am Ufer des Drâa

In einem großen Bogen laufen wir die in Richtung Fluss und sehen dann schon recht bald die vielen Palmen des Palmenhains (Palmeraie), die den Fluss säumen. Wir halten uns auch eine Weile hier am Drâa auf, aber besonders sehenswert oder hübsch ist es hier nicht. Ein paar Hotels stehen auch in der Nähe des Flusses.



Blick auf einen der zwei die Stadt Zagora umgebenden Wüstenberge



der Drâa fließt im Osten an Zagora vorbei



hier steht das berühmte Schild "Timbuktu 52 Tage"

Auf unserem Rückweg müssen wir heute auch endlich mal das berühmte Schild "52 Tage nach Tombouctou" besuchen und vor allem fotografieren. Auf einer angebrachten Tafel in arabisch, französisch, englisch und spanisch lesen wir, dass das Schild datiert auf die strategische Rolle, die die Drâa-Region im 16. Jahrhundert gespielt hat , als Etappenziel der Handelskarawanen zwischen Marokko und der Südsahara Afrikas. Wir lesen, dass der Handel zwischen der wohlhabenden Drâa-Region und Tombouctou Marokko zum wirtschaftlichen Mittler zwischen Afrika und Europa machte. Auch waren marokkanische Dynastien daran interessiert, dass Sicherheit für die Handelskarawanen auf der Route bestand. Aufgrund der Lage war die Drâa-Region Zollstation und die finanziellen Rechte, die der Handel einbrachte, führte zu wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen, die eine große Rolle spielten in der Entwicklung der Region.



das Schild ist schon ganz verschossen von der Sonne



folgt man der Pfeilrichtung, so geht es hier entlang nach Timbuktu



eine Ladung Schafe und Lämmer wird zur Markthalle gebracht . . .



. . . die wenig später am Fleischerhaken landen werden



ein Blick in die Markthalle von Zagora

Als wir wieder am Café Oscar vorbeikommen, ist unser Tisch besetzt und so wollen wir uns nur wieder ein paar Törtchen in der Patisserie kaufen. Mei, wie hier im Innenhof der Müll vom Wind hergeweht wurde. Auch ist die Tür der Patisserie geschlossen und es hängt ein Pappschild auf arabisch im Türglas. Wir denken, dass die Patisserie geschlossen ist, aber nein, sie ist geöffnet und will nur den Wind nicht hereinlassen. Auf der Hauptstraße, dem Boulevard Mohamed V, kaufen wir in einem der vielen winzigen Lebensmittelläden noch 20 Eier à 1,10 DH, also 22 DH (1,98 EUR), die uns für den Heimtransport gut verpackt und verschnürt werden. Den Rest des Nachmittags verbringen wir dann wie gestern und genießen die viele Zeit, die wir haben.



wir laufen hintenrum um die Moschee auf unserem Heimweg

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