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Montag, 31. Dezember 2012



am Ende des Jahres am "Ende der Welt"

Den Nudelsalat für den Silvesterabend hatte Herbert ja gestern schon gemacht, sodass wir heute nichts mehr tun müssen und ganz entspannt den letzten Tag des Jahres beginnen können. Am frühen Nachmittag setzen wir uns ins Café Finisterra, das übersetzt "Ende der Welt" bedeutet. Am Ende des Jahres am Ende der Welt - sinniert Annette sogleich. Es ist ein herrliches Wetter, die Sonne lacht, aber später mag sie nicht mehr. Da ändert sich das Wetter, ganz wie es auf der Wetterkarte angekündigt war. Es kommen Wolken auf, die alles verdunkeln.



für die Wellen gibt es keinen Feiertag, die gehen immer

Als wir heimgehen, schauen wir noch beim Schweden vorbei, der wie immer guter Dinge ist. Wenn Sie mögen, kommen Sie doch einfach heute Abend wieder zu uns, sagen wir ihm. Sehr gern, herzlich gern; seine Hand ist auf seinem Herzen und er ist ganz angetan von unserem Vorschlag. Wir sind aber keine Nachteulen und bleiben auch nicht bis Mitternacht auf, sagen wir ihm. Er hält es genauso. Wir verabreden uns auf 20 Uhr. Später am Nachmittag laufen wir nochmal los und an der Steilküste entlang, die wie immer sehenswert ist. Der Himmel zieht sich immer mehr zu, was gut zur Gesamtkulisse am Meer passt.



wir laufen die Steilküste entlang



immer dunkler wird der Himmel



wir mögen die Felsalgarve immer wieder

Abends gibt es dann wie an jedem Silvesterabend den legendären Nudelsalat, diesmal mit einer Bockwurst. Es fängt zu regnen an, ganz wie es vorhergesagt war. Dann warten wir auf den Schweden, der allerdings mit der portugiesischen Uhrzeit lebt, und deshalb erst eine Stunde später als erwartet kommt. (Wir haben unsere Uhren ja auf deutscher Zeit belassen, um nicht ständig die Nachrichten im Fernsehen zu verpassen.) Es wird ein schöner Abend bei einer Flasche Alentejo-Wein, und auch am dritten gemeinsamen Abend haben wir soviel zu erzählen, als wären wir einander nie vorher begegnet. Ob er denn den Nachtzug nach Lissabon (ein Roman) kenne? Oder Mein Herz so weiß? Und noch ein paar andere Romane. Die kennt er alle. Er schwärmt für M. Reich-Ranicki, und überhaupt für alles deutschsprachige. Dann reden wir auch ein bisschen über Schweden, das er vom Reisen her am wenigsten kennt von Europa. Als Kind war er mal in Nordschweden, aber ansonsten hat er von Schweden nur wenig gesehen. Er findet, dass Schweden in den letzten Jahren recht mediterran geworden ist aufgrund der Einwanderungspolitik. Das findet er gut; er ist überhaupt sehr positiv eingestellt und sagt ständig "Ich finde das wunderbar" oder "Ach, das war alles wunderbar". Ganz anders als unsere griesgrämigen Landsleute hier auf dem Platz. Nach zweieinhalb Stunden geht er heim, weil der Regen gerade aufgehört hat. Na gut, diesmal bleiben wir bis Mitternacht auf und telefonieren dann noch mit den Lieben daheim. Dann gehen wir aber zu Bett. Ein Feuerwerk gibt es nicht im Ort oder am Kap, aber ein paar Lichter sehen wir eine Stunde später dann doch noch am Himmel aufsteigen, als es in Portugal Mitternacht wird. Vielleicht von einem Hotel initiiert.



wir beenden das Jahr mit dem 2899. Foto

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Sonntag, 30. Dezember 2012



Blick auf das Cabo de São Vicente in der Ferne

Heute laufen wir mal nirgends hin, sondern bleiben bei uns am Platz, sitzen in der Sonne, schauen auf das Cap und den Leuchtturm und lesen. Mittlerweile ist Annette beim Streisand-Buch auf Seite 100, Barbra ist 18 und versucht sich, weil sie dringend Geld verdienen muss, als Sängerin, obwohl ihr Herz einzig am Theater hängt. Die Barbra (Barbara Joan) stammt aus ganz ärmlichen Verhältnissen in Brooklyn, und die Autorin des Buchs, Anne Edwards, hat einen so tollen Schreibstil, dass der Leser (in diesem Fall die Leserin A.) das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag.



bei einem Nachmittagskaffee in der Sonne und in kurzen Hosen

Der Nachmittag trödelt sich so dahin, wir sitzen bei einem Nachmittagskaffe in der Sonne, in kurzen Hosen, obwohl man etwas später warme Socken gut vertragen könnte. Abends, es geht auf 20 Uhr, Annette steckt schon im Pyjama und unter der karierten Wollidecke auf dem Sofa wie jeden Abend, klopft es an die Türe. Es ist der Schwede, der gern wieder mit uns zusammensitzen möchte. (Weil ihm in der ersten Nacht die Brandung zu laut war, hat er sich gestern ans andere, hinterste Ende des Parkplatzes gestellt.) Hat es ihm letztens wohl recht gut gefallen bei uns. Diesmal vergessen wir nicht, ihn zu fragen, was es mit den vielen Schwedenkrimis auf sich hat, die schon seit Jahren den Büchermarkt überschwemmen. Ob Schweden denn wirklich so ein hartes Pflaster sei mit so vielen Morden pro Buch. Er kann sich den Erfolg dieser Krimis auch nicht erklären; er selbst liest solche Bücher nicht, er mag gern Schopenhauer und Spinoza und sowas. Wir reden auch wieder viel vom Reisen, er hat unter anderem auch mal für ein Jahr in Syrien gelebt. Aber auch von Deutschland hat er einiges gesehen, auch vom Osten, von Greifswald bis Görlitz usw., was ihm gut gefallen hat. Ganz spät abends, er ist schon wieder weg, schauen wir uns noch eine uralte Folge vom Ekel-Alfred, Alfred Tetzlaff aus "Ein Herz und eine Seele" an, die wir noch nicht kennen: Der Sittenstrolch. Ach, was hat man früher amüsantes und geistreiches Fernsehen produziert.



ein paar Wohnmobile sind auf den Platz gekommen



bei diesen Ausblicken macht das Lesen Spaß

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Freitag, 28. Dezember 2012

ein letztesmal auf der Promenade von Praia da Rocha

Bevor wir weiterfahren, will Annette noch schnell zwei Souvenirs (Pins) kaufen, die sie bisher nirgendwo anders gesehen hat. Sie fühlt sich zwar nicht besonders wohl, aber es geht schon. Es geht dann auf Mittag zu, als wir in Richtung Westen weiterziehen. Kurz vor Lagos kaufen wir am Straßenrand ein 3kg Netz Mandarinen für 1,80 EUR. Unser nächstes Ziel ist die BP-Tankstelle in Lagos, wo wir die Gasflaschen füllen müssen. Eine Flasche ist mittlerweile leer, und in die zweite passen schon wieder fünf Liter. Dann zum Stellplatz von Lagos, wo wir die Tanks leeren und füllen. Die Münze für Trinkwasser, die wir vor Weihnachten in Castro Marim gekauft hatten, passt hier ja auch; das ist das gleiche System.

Annette will sich zwei Pins kaufen, zwei typische Motive von Portugal

 hier wollen wir nicht mehr als eine Nacht verbringen

Dann noch zum Aldi für Mineralwasser mit Sprudel für Herbert. Und dann geht es auf nach Westen, die Ecke, die uns von der Algarve am besten gefällt. Schade nur, dass es Annette nicht so gut geht, und dass sie heute entsprechend wenige Fotos macht. Vielleicht sollte sie wieder eine Hühnersuppe essen? Und so halten wir In Vila do Bispo beim Lidl und kaufen ein dickes Huhn von 2,2kg. Eigentlich kaufen wir bei Aldi und Lidl seit langem kein Fleisch mehr, aber heute geht es nicht anders.



der Westen ist ganz anders, keine alten Industriebrachen, und alles viel dünner besiedelt



wir erreichen Sagres

Wir fahren dann weiter nach Sagres und stellen uns auf den Parkplatz vom Castelo. Donnerwetter, wieviel deutsche Wohnmobilisten hier zu sehen sind. Sonst sind wir so oft die einzigen Deutschen weit und breit. Und Donnerwetter auch, mit welch mürrischer Miene sie dasitzen. Kriegen kaum das Maul auf, um Hallo zu sagen. Was ist bloß mit den Landsleuten los? Alle anderen Nationalitäten sind immer so umgänglich und vor allem fröhlich, so auch der Schwede, der kurze Zeit später auf den Parkplatz rollt und unser unmittelbarer Nachbar wird. Herbert redet eine ganze Zeit mit ihm, während Annette sich um das Huhn kümmert. 



diesmal haben wir volle Sicht auf das Cabo de São Vicente und den Leuchtturm

Am Abend kommt der Schwede zu uns und hätte diese und jene Fragen an uns erfahrene Wohnmobilisten. Wir wollen aber gerade mit dem Essen anfangen und verabreden uns auf eine Stunde später. Er kommt dann also zu uns an Bord; draußen ist es schon wieder richtig kalt und bei uns so mollig warm von den Kerzen. Ach, das findet er alles sehr gemütlich. Er spricht perfekt deutsch, aber auch griechisch und auch ein wenig portugiesisch, weil er in beiden Ländern einige Zeit gelebt hat. Wir erfahren dann von ihm, dass er 30 Jahre lang mit dem Motorrad gereist ist und ziemlich viel von der Welt gesehen hat, dass er sein Wohnmobil, ein Hymercar, erst kurze Zeit hat. Es sei aber ein ausgesprochenes Sommerfahrzeug und stößt jetzt im Winter doch an seine Grenzen. Er schwärmt vom Alentejo, das für ihn das eigentliche Portugal ist. Aber jetzt ist es einfach zu kalt für den Alentejo, oder jedenfalls in seinem Wohnmobil. Wir sitzen dann noch eine ganze Weile und erzählen dies und das. Für deutsche Zeitungen, besonders die FAZ am Sonntag, also die FAS schwärmt er auch sehr, die lässt er sich nie entgehen. Er war mal Gymnasiallehrer, aber in Schweden - er stammt aus Göteborg - war er schon lange Zeit nicht mehr.



der Blick aus unserem Fenster



unsere Tagesroute ca. 57km

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Samstag, 29. Dezember 2012

Wolken ziehen auf über Sagres

Jetzt hatten wir die ganzen Tage, außer dem 24.12., immer so ein Bombenwetter, und ausgerechnet heute an Annettes Geburtstag zieht sich der Himmel zu. Am Cabo de São Vicente, das wir ja aus dem Fenster sehen können, wird schon alles ganz dunkel. Trotzdem wollen wir schnell zum Intermarché gehen und die letzte Ausgabe der Portugal News holen, die heute zwölf Seiten extra hat mit einer Rückschau auf das Jahr 2012. Also gehen wir am späten Vormittag los.

wir wollen mal in die Markthalle von Sagres schauen

Das neue Magazin der Olive Press, für Januar, gibt es dann auch schon. Wir nehmen dann beides zweimal, um jeweils eines dem Schweden geben zu können. Auf dem Heimweg biegen wir noch ab zur Markthalle, wo es heute schöne Doraden gibt. Aber Annette hat schon seit Tagen keinen Geschmackssinn von der Erkältung her, und so lohnt es nicht, etwas besonderes zu essen. Dann kommt aber doch ein Regenguss herunter, in den wir nicht geraten wollen.

 ein Blick in die Markthalle

 dois bicas, faz favor - zwei Bicas bitte (zwei Espressi für 1 Euros)

Also setzen wir uns in das Café Flamingos, das sich direkt an die Markthalle anschließt. Es ist eine winzig kleine Räumlichkeit, aber wir können draußen unter einem Betondach sitzen. Irgendwann hört der Regen auch wieder auf, und kalt ist es ja nicht. Kaum sind wir daheim, kommt ein ziemlicher Sturm auf, der am Phoenix zerrt. Aber irgendwann hört auch der wieder auf.

im Café Flamingos sitzen wir und warten den Regenguss ab

nachmittags ist das Wetter wieder schön

auf der Terrasse vom Hotel Telheiro trinken wir uns einen Tee

Am Nachmittag ziehen wir nochmal los, wollen eigentlich ins Hotel Mareta Beach, aber alle Tische, und besonders der in der Ecke mit den Sesseln, sind besetzt. Gehen wir also ins Hotel Telheiro, das noch viel besser gelegen ist mitten in einer Fels- und Strandbucht. Drinnen sind die Leute am Essen, alles ist auch noch weihnachtlich geschmückt. Es ist recht gemütlich drinnen. Wir aber wollen draußen sitzen und den Blick auf die Felsen genießen. Bei einem Tee sitzen wir dann eine ganze Zeit und laufen anschließend noch zum Hafen von Sagres, der von oben immer so toll aussieht. Später geben wir noch die beiden Zeitschriften dem Schweden, der sich über etwas Unterhaltung immer freut.



welch tollen Blick wir haben


 



der Blick auf den Hafen von Sagres

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Donnerstag, 27. Dezember 2012

diesen Kleiderhaufen haben wir ausrangiert

Weil es hier in Santa Luzia einen Kleidersammelcontainer gibt, wollen wir vor dem Weiterfahren noch unsere Schränke ausmisten und dies und das an Kleidung ausrangieren. Das wollten wir schon lange mal tun. Am Ende kommen drei Beutel zustande, die wir in den Container werfen können. Und wenn wir schon mal dabei sind, sucht Annette auch noch all die Bücher heraus, die wir aus dem Haus geben könnten. Dabei kommen 18 Stück zusammen. Die packen wir in einen großen Stoffbeutel.

 jetzt geht alles in die Kleidertonne

Und dann steht unser Entschluss fest: wir wollen erst Ende Januar nach Marokko einreisen, weil im Frühling die beste Reisezeit für Marokko ist. Weil wir dort nicht im Mittleren und Hohen Atlas in den Schnee kommen wollen, denn wenn wir den wollten, könnten wir ebenso gut in Deutschland überwintern. Wir müssen jetzt also irgendwo den Januar verbringen, ja, ja, Überwinterungen sind eine langwierige Angelegenheit und nicht die beste Zeit des Lebens im Wohnmobil. Und weil es uns an der Westalgarve immer am besten gefällt, beschließen wir, noch einmal dorthin zu fahren. Über die Autobahn, die A22, ist man ja ruckzuck da.



die Gebühren sind gering, aber das Abrechnungssystem ist so kompliziert, besonders für uns Ausländer

Und so verlassen wir Santa Luzia am Mittag, tanken noch in Tavira für 1,38 EUR pro Liter Diesel, was gerade ein sensationell günstiger Preis ist. Dann sind wir auf der Autobahn und es ist uns egal um die Vignette. Das neue Mautsystem kann ausländische Kennzeichen eh immer noch nicht lesen. Es ist sagenhaft, wie wenig Autos auf der A22 unterwegs sind. Fast sind wir die einzigen, als wäre heute ein ganz wichtiger und heiliger Feiertag, an dem alle Menschen und besonders Autofahrer daheim bleiben. Und dabei liegt es einzig am neuen und komplizierten Mautsystem, das die Leute davon abhält, die Autobahn zu benutzen. Schlimm ist das, hier fährt kein Mensch und auf der Landstraße fahren sich die Leute zu Tode. Jedenfalls sind die Unfall- und Todeszahlen auf der N125 gestiegen seit Einführung des Mautsystems, das stand alles in der Portugalzeitung.



die A22 ist menschen- bzw. autoleer



kurz vor der Ausfahrt Silves kommen wir an dieser Festung vorbei

 Bücher über Bücher im Algarve Book Cellar

in diesem Raum sind hauptsächlich deutsche und holländische Bücher

Wir fahren dann bis zur Ausfahrt Lagoa, weil wir nochmal nach Carvoeiro zum A-B-C Bücherladen wollen. Kurz bevor wir ankommen, nimmt Annette ein Buch (The Help, von Kathryn Stockett) wieder aus dem Beutel heraus; denn es fällt gar nicht so leicht, sich von guten Büchern zu trennen. Bleiben also noch 17 Stück, für die wir 20 EUR bekommen. Für das Geld nehmen wir fünf andere wieder mit, unter anderem die Biographie von Liz Taylor. Von der Annette auch wiederum so gut wie nichts weiß, wie sie überhaupt in Sachen Film und Kino ziemlich unbewandert ist. Sie hat halt immer gelesen. Dazu kommt noch, dass sie sich Gesichter im Film (und im richtigen Leben auch) so unwahrscheinlich schlecht merken kann und kaum wiedererkennt, sobald sich die Frisur oder Kleidung ändert. Also wenn es dafür ein Syndrom gibt, dann hat sie das. So, genug geplaudert, wir fahren weiter, und zwar nach Praia da Rocha, weil wir nicht in einem Rutsch bis an die Westküste durchfahren wollen. Auf dem angestammten Platz ist ganz außen noch etwas frei für uns. Dann sitzen wir draußen und blättern mal durch die neugekauften Bücher. Abends wird es wieder richtig kalt, aber nicht genug, als dass die Kälte bis zu uns an Bord kriecht. Unser Phoenix hat halt ein dickes Fell bzw. Isolierung.



wir verlassen Carvoeiro



bei Portimão geht es über den Rio Arade



Ankunft in Praia da Rocha



wir können noch eine Weile in der Sonne sitzen (Annette hat immer die Jacke an, um nicht die Arme zu verbrennen)



unsere Tagesroute ca. 101km

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