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Donnerstag, 04. April 2013



diesen Weg sind wir gekommen - da ganz hinten am Ende der Strandpromenade ist unser Platz

Eigentlich denken wir, dass wir den heutigen Tag an den Regen verlieren, denn der ist ausdauernd und stark. Dann aber hört er auf, sodass wir gegen 14 Uhr unserer Zeit doch noch losziehen können. Die Fußwege sind schnell wieder abgetrocknet, denn es geht ein Wind, der aber nicht kalt ist. Das Meer ist aufgewühlt und grau, als wir die Strandpromenade entlanggehen, und es sind jede Menge Surfer im Wasser. Surfen ist eben ein Schlechtwettervergnügen. Die Strandpromenade ist noch gar nicht ganz fertiggestellt bis hin zum Fischereihafen, aber es läuft sich trotzdem ganz hübsch.



vor uns liegt das Hafengelände

Das Bild der Wohnmobile im Hafen ist das gleiche wie gestern. Alles rappelvoll, Kette hängt noch. Dazu kommen die Geräusche vom Hafen und der aufgeweichte Sandboden vom Parkplatz. Na, da sind wir doch ganz gut gelandet auf unserem Platz am Ende der Strandpromenade. Weiter gehen wir ins Hafengelände, wo uns die beiden dicken Türme auffallen, die uns jetzt aber doch ganz stark an Portugal erinnern. Und im Buch steht ja auch, dass es die Portugiesen waren, die zu Beginn des 16. Jh. unter König Manuel I. ein erstes Fort am Atlantik errichteten (1506). Sie tauften die Stadt Mogadouro (was ja sehr portugiesisch klingt), die zeitweise auch Piraten als Unterschlupf diente. Und doch ist man nicht sicher, ob das frühere Mogador nach dem Heiligen und berberischen Schutzpatron Sidi Magdoul benannt wurde oder aber vom Wort Amegdoul - Die Wohlbehütete - abstammt. Die Ursprünge des Hafens gehen jedenfalls auf den karthagischen Admiral Hanno (um 465 v. Chr.) zurück, der hier einen Stützpunkt anlegte. Wir lesen, dass Essaouira bzw. Mogador einstmal als Konkurrenzhafen zu Agadir und Salé erbaut wurde, und nach der Schließung des Hafens von Agadir (1765) wichtiger Hafen und Handelsplatz wurde. Dass Mogador im 19. Jh. 40% des überseeischen Handels des Landes beherrschte. Dass Karawanen aus Timbuktu Gold und Elfenbein aus dem Süden brachten und es gegen Lederwaren, Salz und Zucker aus Marokko tauschten. Dass erst im 20. Jh. die Bedeutung als Handelsstadt abnahm, als durch die französische Besetzung von Timbuktu der Saharahandel unterbrochen wurde und andere große Häfen wie Casablanca immer mehr Konkurrenz machten



wir gehen in den Hafen



manches Schiff liegt auf dem trockenen



es gibt zwei dieser dicken Türme im Hafen



die Bötchen dümpeln im Hafenbecken



Blick auf das Porte de la Marine

Durch das Porte de la Marine laufen wir und sehen rechterhand die vielen Fischbuden, wo man einkehren und frischen Fisch essen kann. Vielleicht kehren wir ja später hier ein, obwohl Annette keine Lust hat, auf so einfachen Holzbänken zu sitzen. Auch mag sie gegrillten Fisch gar nicht, da geht der ganze Eigengeschmack verloren. Aber erstmal zieht es uns zu den Möwen, die wie wild an der gegenüberliegenden Mauer hin- und herfliegen. Ach, deren Geschrei haben wir ja lange nicht mehr gehört.



durch das Tor gehen wir und gelangen zu den Fischbuden



wir lieben das Flair in den Häfen immer



Boote über Boote an Land



den Möwen gehört der Hafen


 



das Meer tost wie immer



manches Hotel und Restaurant trägt noch den alten Namen Mogador



an den Fischständen ist immer was los



Blick auf den Place Moulay Hassan

Dann stoßen wir auf die Avenue Oqba Ibn Nafi, aber egal, wie orientalisch dieser Name klingt - die Straßen sind schnurgerade und recht breit, was ja eigentlich nicht üblich ist im Orient. Wir lesen, dass die Medina von Essaouira seit 2001 als UNESCO-Weltkulturerbe gilt, obwohl für unsere Begriffe, oder zumindest für Annette, alles viel zu modern und aufgeräumt erscheint. Es sind auch unzählige Touristen in der Stadt, vor allem Deutsche, was wir gar nicht mehr gewöhnt sind. Wir bummeln also durch etliche Gassen, stoßen immer tiefer vor. Dahin, wo die Ledertaschen- und Souvenirgeschäfte aufhören und der Lebensmittelsouk beginnt. Sack- und eimerweise Gewürze und Oliven, Fleisch am Haken, Datteln in der Sonne, Türkischer Honig und vieles mehr.



wir stürzen uns ins Gewimmel der Medina


 


 



auf der Sqala Nord



an der Bastion Nord


 



so viele Kanonen an der Sqala de la Kasbah



wie dekorativ, und dabei kostet so eine Mütze nur 20 DH, 1,80 Euros



in der Medina gibt es alle möglichen schönen Dinge zu kaufen



wir laufen zum Lebensmittelsouk



ein Überangebot von allem


 


 


 

Mittlerweile ist es halb fünf nach unserer Zeit und wir könnten eine Kleinigkeit essen. Aber so viele Restaurants scheint es gar nicht zu geben außer auf dem Place Moulay Hassan. Und so gehen wir zu den Fischständen zurück; vielleicht herrscht da jetzt weniger Trubel als vorhin. Aber wir können kaum einen Schritt tun ohne dass Herbert ständig angesprochen wird und ihm die Speisekarte förmlich unter die Nase gehalten wird. Man blockiert ihm den Weg und will ihn auf dem schmalen Pfad neben den Imbissbuden nicht vorbeigehen lassen, ohne dass er die Speisekarte gelesen hat. Annette kann problemlos durch die Blockade durchschlüpfen, denn es wird ja immer nur der Mann umgarnt; Frauen sind unsichtbar oder durchsichtig oder wie auch immer. Jedenfalls ist Herbert genervt und will jetzt erst recht nicht mehr hier essen. Richtig so. Wir gehen zum Place Moulay Hassan zurück und kehren dort auf eine Dorade und eine Tajine de poisson ein. Kaum sitzen wir, setzt ein Platzregen ein. Gut, dass wir unter einer massiven Markise sitzen. Das Essen ist recht gut, aber wie immer verrechnet man sich, als es ums Bezahlen geht. Man muss als Gast immer mitrechnen, ansonsten zahlt man fast immer zu viel, z.B. statt 182 DH sind es 222 DH, obwohl alles aufgeschrieben wird, ein Strich drunter und bums, falsche Summe.



wir flüchten von den Fischständen, nachdem Herbert so belagert wurde



stattdessen kehren wir ein bei Mustapha - Chez Mustapha - am Place Moulay Hassan

Der plötzliche Regen hat viele Gäste ins Restaurant gespült, aber als wir uns auf den Heimweg machen, merken wir, dass es noch manche hübsche Ecken in Essaouira gibt, die wir noch nicht gesehen haben. Übrigens ist Essaouira die Partnerstadt von La Rochelle - zwei Schwestern am selben Meer. Auf dem Heimweg treibt uns so viel Sand in Augen und Ohren, obwohl doch alles im Regen nass wurde. Die Kamera stecken wir jedenfalls in einen Stoffbeutel, den wir immer bei uns haben. Kaum sind wir daheim angekommen, setzt ein schlimmer Starkregen ein. Da können wir aber von Glück reden, dass wir es noch rechtzeitig geschafft haben. Morgen wollen wir noch in Essaouira bleiben.



Blick vom Restaurant aus auf das Geschehen in der Straße



auf der Avenue Oqba Ibn Nafi mit Blick auf den Uhrenturm



wir machen uns auf den Heimweg und merken, dass wir noch gar nicht alles von Essaouira gesehen haben



wieder geht es an der Strandpromenade entlang

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