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Montag, 01. April 2013



wir verlassen das Camp Tazka - der Besitzer winkt uns noch freundlich zu

So, heute fahren wir aber endgültig weiter, stehen schon viel zu lange am gleichen Fleck. Unsere Fahrt soll nach Agadir gehen, oder zumindest in diese Richtung. Als wir Tafraoute um 11 Uhr unserer Zeit verlassen, heißt es auf dem Schild Agadir par Aït Baha 161km. Schnell auf die Karte geschaut, ob es nicht ein Umweg ist? Aber die Route passt und die Fahrt geht wieder durch herrlichste Landschaft und Gebirge des Anti Atlas. Bis Aït Baha sind es 84km, aber die ziehen sich endlos hin



wir durchfahren Tafraoute auf dem Weg nach Agadir


 



überall sind die Dörfer verstreut


 



Blick auf Tizi Ntarakatine



beladen bis obenhin sind die LKWs

Die Dörfer, durch die wir kommen, sehen recht gefällig aus, wie sie so am Berg kleben. Auch gefällt uns die Farbe der Fassaden immer so gut. Irgendwann, kurz vor Tioulit, sehen wir aus der Ferne den Agadir Tizourgane. Agadir heißt Getreidespeicher, und dieser hier thront auf einem Berg, wurde im 13. Jh. errichtet und im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen den Berberstämmen immer mehr als Zufluchtsstätte für die Dorfbewohner genutzt. Im Buch lesen wir, dass der heutige, von einer Ringmauer umgebene Komplex mit Speicherkammern, Moschee und dreißig Steinhäusern bis ins 16. Jh. entstand. Bis zur Unabhängigkeit Marokkos (1957) lebten noch 35 Familien im Agadir, die dann aber in moderne Häuser oder auf der Suche nach Arbeit in größere Städte abwanderten. Heute wohnen nur noch drei Familien im Agadir Tizourgane. Die Bewohner des Dorfes Tioulit nutzen die Speicherkammern teilweise immer noch zur Lagerung von Getreide und Wertgegenständen. Das klingt alles interessant, auch ist der Anblick so schön. Und ein Besuch des Agadirs wird im Buch sehr empfohlen, und so halten wir eben mal an. Glück haben wir auch, dass gerade vier Wohnmobile vom kleinen Parkplatz unterhalb des Agadirs wegfahren.



wir erreichen den Agadir Tizourgane



nachdem wir unterhalb parken, steigen wir mal hinauf



wie schon alles in voller Blüte steht

Wir steigen also den Weg hinauf zum Agadir. Der Eintritt beträgt 10 DH pro Person und dann wandeln wir durch die schmalen Gassen und vorbei an alten Holztüren. Die Flachdächer der Häuser sind aus grauem Bruchstein und werden von Deckenbalken aus Arganienholz getragen. Alles ist sehr lieblich angelegt und man ist fleißig am Werkeln und Restaurieren. Wir lesen, dass der Agadir seit 2005 mit Unterstützung des Kulturministeriums teilweise renoviert wird, dass einige Häuser in Privatinitiative von Familien aus dem Dorf instandgesetzt wurden, und dass zur Bewahrung der einzigartigen Atmosphäre die Stromleitungen für die wenigen bewohnten Häuser - im Gegensatz zu allen anderen Orten Marokkos - unterirdisch verlegt wurden. Wir halten uns eine Weile hier auf und genießen den Blick ins Umland.



diese Stufen geht es hinauf . . .



. . . und durch diese massive Holztür



man ist am Restaurieren des Getreidespeichers



heutzutage leben noch drei Familien im Agadir


 



weiter geht die Fahrt durchs Gebirge

Dann fahren wir weiter und wundern uns, dass heute so viele Wohnmobile auf der Strecke unterwegs sind. Es muss sich wohl wieder um eine geführte Tour handeln. Nur gut, dass sie uns nicht entgegenkommen, sondern in gleicher Richtung fahren. Wir fahren und fahren, schlängeln uns die Bergstraße entlang, die sich in tausend Kurven windet. Irgendwann kurz vor Aït Baha sehen wir dann das Schild zur Coopérative Agricole Féminine Maoriga. Dort soll man gutes Arganienöl kaufen können, das die Frauen der Kooperative hier herstellen. So eine Kooperative hatten wir ja in Tafraoute auch schon gesehen.  



immer wieder bieten sich uns spektakuläre Ausblicke auf den Anti Atlas



wir kommen an einem Stausee vorbei



wie hübsch, wenn sein Dorf plötzlich am Wasser liegt



wir erreichen die Coopérative Agricole Féminine Maoriga



die Frauen sitzen im Korridor und schlagen die Argannüsse auf

Aber hier ist alles ganz spartanisch eingerichtet. Die Frauen sitzen auf dem Boden und schlagen die Argannüsse auf. Eine Frau zeigt uns die Arbeitsgeräte und Maschinen, die man zur Herstellung des Arganienöls benötigt. Im letzten Raum stehen ein paar Flaschen auf dem Tisch. Wir wollen drei Flaschen à 250ml kaufen, die größten Flaschen, die wir halt sehen. 70 DH (6,30 EUR) will man pro Flasche haben. Dann erfahren wir aber, dass das Öl in diesen Flaschen für Kosmetik ist. Mais non, pour la cuisine s.v.p., sagen wir ihnen. Für die Küche, nicht fürs Gesicht. Aber solche Flaschen stehen hier nicht abgefüllt da. Nur drei Plastikflaschen (alte Wasserflaschen) mit Öl darin. Und so holt man drei leere Glasflaschen à 500ml aus einem Nebenraum, die man mit dem Öl aus den Plastikflaschen befüllt. Pappt auch noch die Etiketten darauf und verlangt 100 DH (9 EUR) pro Flasche. Zwischendurch lässt man uns das Arganienöl auch probieren, schüttet etwas Öl in eine Schale, gibt uns ein Fladenbrot und voilà, bon appetit. Wobei das ganze ja keinen besonders appetitlichen Eindruck macht, aber davon darf man sich nicht verschrecken lassen.



alles geschieht in mühsamer Kleinarbeit



im bescheidenen Verkaufsraum stehen ein paar Flaschen zum Verkauf

Unter den vielen Frauen der Kooperative ist auch eine ganze junge mit einem kleinen Kind. Wir bedeuten ihr, dass sie mit uns zum Wohnmobil kommen soll, denn wir wollen dem Kind, einem Jungen, ein Matchbox-Auto schenken. Aber zurück am Wohnmobil wuseln schon 5 größere Kinder herum. Mei, wie die aufgeregt sind, als wir 5 solcher Matchbox-Autos herzaubern. Es sind drei Jungen und 2 Mädchen. Die Jungen sind so frech und reißen sich um die Sachen, dass die Mädchen im Grunde leer ausgehen würden. Herbert verteilt die Autos und gibt den Mädchen die bunten Filzstifte, von denen wir ja auch noch welche haben. Stilo, Stilo, rufen die Jungen immerzu - sie wollen Kugelschreiber haben. (Warum will man im ganzen Land eigentlich immer Kugelschreiber haben?) Herbert verteilt dann noch ein paar Süßigkeiten an alle, aber am Ende ärgern wir uns richtig über das Verhalten der Jungen. So rücksichtslos gegen die anderen, und Hauptsache sie selbst bekommen am meisten oder am besten gleich alles. Sie springen Herbert richtig an.  Uff, wir sind dann richtig erschöpft, als wir weiterfahren.



wir erreichen die Ausläufer von Agadir

Durch die Stadt Biougra kommen wir auf unserer Weiterfahrt und jetzt ist es nicht mehr weit bis Agadir. Zumal die Straße nun zweispurig ist und die Berge hinter uns liegen. In Agadir angekommen, suchen wir den Marjane Supermarkt. Mit dem Stadtplan von Agadir sollte der Weg dorthin recht leicht zu finden sein. Als wir aber doch noch jemanden auf der Straße fragen, sehen wir den Marjane schon links neben uns in der Ferne. Das Einkaufen in Marokko fällt uns zunehmend schwerer, weil das Warenangebot bzw. -sortiment ja doch ganz anders ist als in Europa. Und hier im Marjane in Agadir ist die Auswahl nicht so groß; es ist ein eher kleiner Supermarkt im Vergleich zu denen in Fès und Marrakech. Egal, der Einkaufswagen ist am Ende trotzdem gut gefüllt. Jetzt durchfahren wir Agadir, aber die Stadt sieht aus wie jede Stadt am Meer. Wir sind auf dem Weg zum riesigen Camp namens Atlantica Park, ca. 25km nördlich von Agadir. Aber ob wir jemals  zurückfahren, um Agadir zu besichtigen? Wohl eher nicht. Auf der Avenue Mohamed V geht es immer weiter nördlich, vorbei am riesigen Hafengelände, bis die Stadt hinter uns liegt. Jetzt haben wir hübsche Blicke aufs Meer; die Straße ist palmengesäumt. Herbert sieht dann viele Wohnmobile direkt am Meer bzw. Strand stehen. Mittlerweile ist es ja schon 18:40 Uhr unserer Zeit. Da entschließen wir uns spontan, einfach auch hier am Meer zu stehen, wenigstens für die Nacht. Der Atlantik ist wild wie immer und tost und kracht. Ein Strandwächter kommt auf uns zu und will 10 DH (0,90 EUR) für die Nacht. Uff, wir sind dann doch ziemlich kaputt von der langwierigen Fahrt, obwohl 161km auf den ersten Blick nicht allzu viel zu sein scheint. 



auf der Avenue Mohamed V durchfahren wir Agadir



die Straße führt nun am Atlantik entlang



als wir diese Wohnmobile am Strand sehen, stellen wir uns einfach dazu, denn es ist ja schon Abend

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