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Sonntag, 29. April 2018



morgens um sieben

Wie das noch geregnet hat in der Nacht. Eigentlich wollen wir noch die paar Kilometer nach Armação de Pêra fahren und uns da einen schönen Tag machen. Aber nach dem Regen ist der Parkplatz bestimmt aufgeweicht; verschieben wir das besser auf morgen. Letztens, am Freitag, war das Schwarzbrot beim Aldi ausverkauft. Heute, am Sonntag, könnte Annette die paar Kilometer nach Alcantarilha gehen, sonntags ist das Verkehrsaufkommen ja nicht so hoch, als dass sie sich an der Nationalstraße überfahren lassen müsste. Von Alcantarilha bis Guia sind es 5km; wir sind kurz vor Guia, also werden es wohl 4km sein. Beim Aldi haben sie dann auch nur noch drei Schwarzbrote, die Dinger sind immer schnell ausverkauft. Weißbrot nehmen wir nämlich immer nur als Notnagel. Nach 1:07h ist Annette wieder zurück. Viel zu sehen ist nicht auf unserem Platz. Die portugiesischen Nachbarn haben einen Labrador (oder Golden Retriever). Der Mann beschäftigt sich immer viel mit dem Hund. Lässt ihn von der Leine, öffnet die Garagentür, der Hund steckt seinen Kopf in die Garage und steckt sich den Tennisball in die Schnauze, die der Mann dann zigmal wirft. Der Hund wird nicht müde und läuft immer schon los, bevor der Mann den Ball überhaupt wirft. Anschließend säuft der Hund Wasser wie eine Bergziege. Es ist immer schön, wenn sich mit den Hunden beschäftigt wird. Bald schon ist der Abend da, und auf 3sat gibt es heute einen Jürgen-Vogel-Abend, was wir vorher nicht wussten. Aus Anlass seines 50. Geburtstags. Der Jürgen ist in jeder Rolle toll, meist wortkarg und außenseiterisch. Der zweite Film mit ihm geht bis 1 Uhr, puh, schon wieder so spät geworden.

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Samstag, 28. April 2018



ganz dunkel wird es am Himmel

Wenn wir uns den Himmel so anschauen, dann haben wir gestern ja alles richtig gemacht. Wer weiß, ob wir heute Abend den Fisch draußen hätten braten können - ob er nicht ins Wasser gefallen wäre. Eigentlich wollten wir ja erst heute Quarteira verlassen haben, aber weil für heute Regen angekündigt war, sind wir dem Regen gestern vorausgefahren. Heute passiert nicht viel bei uns. Wir machen ein wenig Hausputz. Der Wind ist kalt, und der dunkle Himmel lädt ja auch nicht gerade zum Draußensitzen ein. Wir klimpern an den Laptops und vertreiben uns die Zeit. Annette hat jetzt mit "Stolz und Ehre" von Pat Conroy angefangen. Der Autor war selbst auf einer Militärakademie. Wahnsinn, dass man sich solche Erniedrigungen antut. Bei uns gibt es heute Weißwurscht mit süßem Senf, und dann sitzen wir noch lange, bis Mitternacht, bei Kerzenlicht und Radiomusik. Abends spielen sie immer die beste Musik. Nach Mitternacht schalten wir noch den Fernseher ein, und es läuft der Film "Der freie Wille" mit Jürgen Vogel. Wenn wir das gewusst hätten, wären wir früher zu Bett gegangen. Vor einiger Zeit kam der Film schon mal, aber da hatten wir nicht durchgehalten. Annette findet den Jürgen immer so klasse. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass, wenn Jürgen Vogel mitspielt, die Filme gut sind. Puh, es ist 2:05 Uhr, als wir den Fernseher ausschalten. Boa Noite.



Gemütlichkeit auf kleinem Raum

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Mittwoch, 25. April 2018



und wieder ein Blick auf die Promenade von Quarteira

Der 25. April - Portugals großer Nationalfeiertag, der Tag, der vor 44 Jahren, am 25. April 1974, den Militärputsch auslöste, der als Nelkenrevolution in die Geschichte einging. Hochspannend, wie damals das verbotene Lied "Grândola, Vila morena" um kurz nach Mitternacht im Radio gespielt wurde und dies das Zeichen des Beginns der Revolution war. (Kann man alles im Internet nachlesen.) Es ist das erstemal, dass wir an einem 25. April in Portugal sind. Bei dem wunderbaren Denkmal, das in Gedenken an die Nelkenrevolution in Grândola gebaut wurde, waren wir vor ein paar Jahren mal; das war sehr sehenswert. Die größten Straßen und die größten Brücken und Plätze werden immer nach dem 25. April benannt: Ponte 25 de Abril, Praça 25 de Abril usw. Wir gehen davon aus, dass heute die Geschäfte geschlossen sind und man den Feiertag begeht. Wir wollen heute mal nach Vilamoura spazieren. Und vielleicht ist ja heute auch etwas los in Quarteira; wir haben hier und da Plakate für den Feiertag gesehen. Auf der Promenade spielt ein Musiker auf der Gitarre. Wir geben immer gern Geld, wenn die Musiker gut sind. Während wir auf einer der Bänke sitzen, spricht uns ein älterer Portugiese an - auf deutsch - dass ein paar Straßen weiter weg ein Gemüsemarkt ist. Er trägt selbst ein paar Taschen mit Obst und Gemüse bei sich. Wir gehen dann weiter und sehen auf dem Hauptplatz ein paar Plakate und Fotos von damals. Wir nehmen uns Zeit und schauen uns alles genau an. Schade, dass wir portugiesisch nicht flüssig lesen können, aber die Bildbeschreibungen verstehen wir schon. Und Revolução dos Cravos heißt Nelkenrevolution.



Música ao vivo - Live Musik - der Mann spielt ganz toll auf seiner Gitarre



diese kleine Ausstellung gibt es zu sehen


 



hier ein Original von damals, man hat Nelken in die Gewehrläufe der Soldaten gesteckt


 


 



die Befreiung der politischen Gefangenen aus der Festung Peniche, einen Tag später



heute ist auch Obst- und Gemüsemarkt in Quarteira

Wir gehen dann weiter in Richtung Vilamoura, vorbei an der Fischhalle. Wir sind übrigens erstaunt, dass heute doch alles geöffnet ist. Ganz schön heiß heute. Vilamoura ist dann schick wie eh und je. Wir wandeln an den dicken Pötten vorbei und an diesem und jenem Restaurant. Eigentlich haben wir vor, heute irgendwo essen zu gehen, aber das sagt uns alles nicht zu. Und die Preise sind auch etwas überzogen hier, obwohl es eigentlich nicht verwunderlich ist. Am Ende kehren wir nirgends ein, sondern machen uns wieder auf den Heimweg. In Quarteira auf dem Hauptplatz von vorhin spielt jetzt Musik. "Venceremos", ein Kampflied, das Annette in ihrer Kindheit im Osten oft gehört hat. Sie kriegt eine richtige Gänsehaut davon und kann sofort die Melodie mitsingen. Wir schauen mal, ob es ganz in der Nähe irgendwo ein Café gibt, in das wir uns setzen und noch ein wenig von der Musik hören können. Aber dann sehen wir eine Bank direkt am Platz. Da sitzen wir dann und hören noch so manches Kampflied. Es sind alte Stücke, denn sowas wird heute ja nicht mehr eingespielt und aufgenommen. Die alten Fotos der kleinen Ausstellung sind wirklich gut und aussagestark. Wie glücklich die Leute darin aussehen, die Freiheit zum Greifen nah. Eines der Fotos, vom 26. April 1974, einen Tag später, zeigt, wie die ersten politischen Gefangenen aus der Festung Peniche freigelassen werden. Die Festung war damals ja Gefängnis für politische Gefangene (haben wir auch schon besucht). Auf einem anderen Foto wird ein Wandfoto von Salazar abgehängt. Um kurz vor 16 Uhr sind wir wieder daheim.



vorbei geht es an der Fischhalle . . .



. . . und hin nach Vilamoura, das fast nahtlos an Quarteira angrenzt


 


 



Vilamoura ist schick


 


 



Platz ist für tausend Yachten



in Vilamoura

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Freitag, 27. April 2018



Sollen wir diesen Fisch nehmen?

Jetzt sind es schon zwei Wochen, die wir in Quarteira sind, aber heute wollen wir auch mal weiterziehen. Unsere Nachbarn waren gestern abgereist. Bevor wir Quarteira verlassen, wollen wir uns in der Fischhalle noch eine dicke Dorade kaufen und die heute Abend draußen in der Elektropfanne braten. Wir gehen zu Fuß zur Fischhalle am Ende der Promenade, denn wir müssen uns ja bewegen. In die Fischhalle hatten wir öfters mal geschaut, und es hat immer diese ganz großen Doraden gegeben. Der Marktständler kennt uns schon und macht uns jetzt einen guten Preis. Statt 22 EUR Kilopreis macht er 17,50 EUR. Die dicke Dorade wiegt stattliche 1,3kg und soll dann 20 EUR kosten. Der Mann findet, dass diese Dorade zuviel ist für zwei Personen, will uns zwei kleinere geben für zusammen 10 EUR, aber wir wollen ja gerade die dicke, die dann außer der Mittelgräte so gut wie keine Gräten hat. Und er weiß ja nicht, was Annette alles so zusammenfuttern kann, wenn der Tag lang ist. Bepackt mit der Dorade machen wir uns auf den Heimweg, waschen noch die Windschutzscheibe, die total blind ist von Staub und Salz. Am ganzen Fahrzeug hat sich rötlicher Sand abgesetzt. Dann verlassen wir Quarteira. Wir haben auch beschlossen, nicht mehr weiter östlich zu fahren, denn die Ostalgarve gefällt uns nicht; die vielen Industriebrachen und alles. Wir kehren zurück zur Westalgarve und wollen heute wieder auf der sogenannten Betonplatte bei Guia übernachten.



Oder reicht doch dieser?



bevor wir losfahren, muss die blinde Windschutzscheibe sauber sein



wir verlassen den schönen Platz am Praia do Almargem



auf der Nationalstraße

Und weil wir auch wieder an Albufeira vorbeikommen, wollen wir auch wieder Gas tanken, wenn das jetzt so ein Theater mit den neuen Anschlüssen ist. 10,5 Liter passen in die erste Flasche. Herbert will auch gern in dieses Algarve Shopping - den schicken Einkaufstempel an der Nationalstraße auf der Höhe von Albufeira. Annette hat keine große Lust, aber Herbert braucht kurze Hosen. Als wir dort ankommen, sind wir doch ziemlich angetan vom schönen Komplex. Alles so maurisch; es erinnert an das arabische Erbe der Algarve. Der Name Algarve stammt übrigens aus dem arabischen Al-Gharb, der Westen. (Gell, hier kann man noch so richtig was lernen.) Bei Pull & Bear finden wir eine schöne kurze Hose. In den anderen Geschäften noch eine zweite und dritte. Im Continente (Supermarkt) finden wir noch flüssigen Süßstoff, den es bisher nirgends gegeben hat. Wir kaufen auch Erdbeeren, die 50% gesenkt sind, auf 1 EUR/Pfund. Lange Schlangen sind an den Kassen; wir gehen zu den Self-Service-Kassen. Huch, das Display zeigt 2 EUR pro Packung für die Erdbeeren. Wir brechen ab, gehen zurück zum Erdbeerstand, und da heißt es 50%, keine Erwähnung der Kundenkarte (em cartão Continente) oder so. Wir haben so eine Kundenkarte und als wir die durch den Strichcodeleser schicken, wird der Rabatt abgezogen. Geht doch.



ein erster Blick auf das Algarve Shopping


 


 



alles hat einen leicht maurischen Einschlag



vorbei geht es an unzähligen Orangenständen

Jetzt zur Betonplatte. Es stehen nur zwei Wohnmobile da. Gott, schon wieder viertel vor drei - die Zeit rinnt einem immer so durch die Finger. Erstmal müssen alle Tanks leer und voll. Dann essen wir uns die Erdbeeren. Eine Schaf- und Ziegenherde läuft über die angrenzende Wiese. Unser englischer Nachbar reicht dem Schäfer eine Dose Bier. Dann fragt er uns, ob wir auch eine wollen? Nee, aber wir kommen auf diese Weise mit ihm ins Gespräch. Er sagt, dass er seit zwei Wochen auf diesem Platz sei und am Montag weiterfahren will. Irgendwann merken wir, dass er und seine Frau seit Jahren unterwegs sind. Are you a full-time motorhomer? Ja, seit fünf Jahren, und wenn er gewusst hätte, wie schön das ist, wäre er schon mit 60 in Ruhestand gegangen. Jetzt ist er 70. Total lustig, wie er da steht mit seinem großen Sonnenhut und einem Glas Rotwein in der Hand. Er erzählt uns, dass er ein Haus hat oben in Alcobaça. Er erzählt von den großen Surfwellen, die es da oben bei Nazaré so häufig gibt. Vom großen Waldbrand letztes Jahr, bei dem 60 Menschen gestorben sind. Wir reden über dies und das. Er sagt, dass ihm Marokko überhaupt nicht gefallen hätte, weil die Leute zu grausam zu den Tieren sind (they're too cruel to the animals). Er erzählt von Eseln, die man irgendwo am Straßenrand aussetzt und die dann langsam verdursten und verhungern, weil man sie zum Arbeiten nicht mehr gebrauchen kann. Er hat das oft genug gesehen auf seiner Reise, und Annette erinnert sich, dass die Tiere in Marokko wirklich nur Gegenstände sind, die zu funktionieren haben. Der Engländer ist schwer zu verstehen; er hat so einen nordenglischen Dialekt. Am frühen Abend fangen wir mit der Dorade an, schön auf kleiner Hitze in reichlich Olivenöl und noch mehr Knoblauch. Dazu ein Glas Wein aus dem Alentejo. Ach, das Leben kann ja so schön sein.



die Schaf- und Ziegenherde kommt vorbei



die Dorade passt nicht in die Elektropfanne



es ist angerichtet


 



unsere Tagesroute ca. 35km

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Dienstag, 24. April 2018



mit den Nachbarn im Café

Es wird wieder ein grandioser Tag. Gleich um 9 Uhr Ortszeit geht Annette nochmal zu diesem Secondhandladen auf der Avenida de Ceuta. Sie will mal schauen, ob es vom Autor Pat Conroy noch weitere Bücher da gibt. Der Herbert hat ja den dicken Wälzer "Stolz und Ehre" ausgelesen und war recht angetan davon. Annette glaubt, dass es diesen Titel im englischen Original (The Lords of Discipline) da im Laden gegeben hätte. Beide wären dicke Wälzer; sie muss im Laden also nur nach dicken Büchern schauen. Am Ende findet sich kein Buch von Pat Conroy mehr, aber sie nimmt eines mit von Victoria Hislop: "The Thread". Deren Romane handeln anscheinend immer von Griechenland. Auf dem Rückweg kauft Annette noch eine 5L-Galone Wasser. Daheim am Platz erwartet man schon ihre Rückkehr, denn die Nachbarn wollen mit uns ins Café in Quarteira. Da sitzen wir dann bei Kaffee und Kuchen. Sieht immer doof aus, wenn Annette als einzige keinen Kuchen nimmt, aber ist der Kuchen im Süden immer furchtbar süß, fast, dass ihr schlecht davon werden könnte. (Dafür schafft sie zum Beispiel ganz bequem eine Kilopackung Lasagne hintereinander weg.) Wir drehen dann noch eine große Runde durch Quarteira, sitzen nachmittags bei uns draußen bei herrlichstem Sonnenschein und später drinnen bei Kerzenlicht, warten bis es 22:45 Uhr wird, damit wir drei weitere Teile "Weissensee" schauen können bis nach 1 Uhr nachts. Um Mitternacht gibt es noch ein ausgiebiges Feuerwerk, das den morgigen großen Feiertag - den 25. April - einläutet. Das Feuerwerk dauert bestimmt 20 Minuten. Herbert geht auch mal nach draußen und schaut zu, wie die Kracher über dem Meer in allen Farben leuchten.



in der Fischhalle haben sie heute jede Menge Tintenfisch



Lieblingsbeschäftigung am Nachmittag

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