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Sonntag, 23. Juni 2013



wir durchfahren Liebenwalde

Auch während unserer Durchfahrt, als wir Templin verlassen, macht die Stadt eine gute Figur. Überall Blumeninseln zur Verkehrsberuhigung. Dann kommen wir durch Ortschaften mit kuriosen Namen wie Hammelspring, Vogelsang. Oder lesen Namen wir Kurtschlag. Dann ist die Havelstadt Zehdenick erreicht, die aber nicht viel hermacht. Da sieht Liebenwalde schon wieder gefälliger aus. Es geht dann noch ein Stück über den Berliner Ring, die Autobahn A10. An solch kerzengerade Bäume kann Annette sich noch aus ihrer Kindheit erinnern. Ein braunes Schild kündigt den historischen Stadtkern von Werder / Havel an, unserem heutigen Ziel.



diese hohen Nadelbäume sind typisch für den Berliner Ring



es ist ein herrliches Reisewetter

Der Stellplatz von Werder namens An der Föhse hat eine ganz wunderbare Lage direkt an der Föhse, einem schmalen westlichen Havelarm. Bänke säumen die Wanderwege am Fluss entlang; alles ist wirklich sehr hübsch hier. Auf der anderen Uferseite sehen wir eine Kirchturmspitze und noch eine Kirche und eine Windmühle. Der Stellplatz ist gut besucht, und wir finden einen Platz ganz außen mit Blick auf das Geschehen draußen. Die Preise haben eine komische Staffelung: Von 10 bis 18 Uhr je 1 EUR/h, die ersten beiden Stunden sind frei (Parkscheibe hinlegen). Von 18 bis 10 Uhr pauschal 6,50 EUR. Bei Übernachtung entfällt die Tagesgebühr.



Ankunft auf dem Stellplatz von Werder



die Altstadt liegt gegenüber dem Stellplatz auf einer Insel

Der Himmel wird kurz mal blau-schwarz, Wind kommt auf, aber mehr nicht. Dann wird es wieder freundlich am Himmel, und wir machen uns auf zu einem Spaziergang durch Werder, deren Altstadt auch wieder auf einer Insel liegt. Wir sehen eine tolle Luftaufnahme davon, als wir über die kleine Brücke gehen. Der Blick auf die Heilig-Geist-Kirche und die Windmühle ist ja zauberhaft. Drüben in der Altstadt sind die Straßen und Gassen gepflastert und sehr beschaulich.



Werder ist komplett von Wasser umgeben, und so übersetzt sich der Name WERDER auch



Kirche und Mühle stehen in trauter Harmonie auf der Insel


 



schick ist das Rathaus

Unser Weg führt dann am schönen Rathaus vorbei und zur Heilig-Geist-Kirche, einem der Wahrzeichen der Stadt Werder / Havel und bestimmendes Element der Stadtsilhouette. Erbaut als neugotischer Backsteinbau, wurde die Kirche seit den 1980er Jahren restauriert, zuerst der Innenraum, dann der Turm, Dach- und Deckentragwerk, und die Schieferdeckung in der Form von 1858 erneuert. Das Innere der Kirche ist sehr schlicht, aber sie ist eben evangelisch, da trägt man nicht so dick auf.



Blick auf die Heilig-Geist-Kirche von Werder



dieses Grab erinnert an acht vom sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilten und erschossenen Menschen

Als wir um die Kirche herumlaufen wollen, kommen wir an diese ungewöhnliche Grabstätte: Den knienden, von einem Laken verhüllten Menschen, um den eine Kette geschnürt ist, kann man auf den ersten Blick gar nicht als solchen erkennen. Der Text auf der Grabplatte ist bedrückend, denn er erinnert an acht junge Leute, die in den 1950er Jahren zuerst verschleppt und dann erschossen wurden. Er lautet wie folgt: "Ihr wolltet nur Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit!  Die Stasi hat euch eingesperrt, gefoltert und Geständnisse erzwungen. Ihr wurdet vom sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilt, in Moskau hingerichtet und eure Asche im Massengrab verscharrt! Wir werden euch immer ehren und bitten: Nicht zu vergessen!" -- Es waren ja normale junge Leute, Buchhalter, Student, Lehrling, Verkäuferin, Maurer, Stenotypistin. Ihre jeweiligen Grabsteine lesen sich bedrückend, zum Beispiel: Karl-Hein Kuhfuss, Lehrling, geboren 11.12.1930, verurteilt 15.01.1952, erschossen 10.04.1952. Zumal vier von ihnen das gleiche Verurteilungs- und Erschießungsdatum haben.



Blick auf die Rückseite der Kirche



an der Fischräucherei und dem Blumengeschäft ist es idyllisch

Als wir weitergehen, müssen wir erstmal durchschnaufen. Unser Weg führt nun zum See bzw. zur Havel, oder doch zur Föhse? Vor lauter Wasser kann man gar nicht sagen, um welches Gewässer es sich da gerade handelt. Der Name Werder bedeutet übersetzt ein von Wasser umgebenes Land. Die Fischköpfe, die aus dem Räucherholzstapel herausschauen, sind ein skurriler Anblick; es riecht auch sehr nach Räucherfisch. Es wimmelt von Ausflüglern überall, aber Berlin ist auch nicht weit. Den Berliner Dialekt hören wir jetzt auch überall.



welch skurriler Anblick diese Fischköpfe sind



heute wimmelt es von Gästen, es ist Sonntag und Berlin ist ganz nah



alles so grün hier



alle Einkehren sind gut besucht



wir sind am Marktplatz von Werder

Dann finden wir uns auf dem Marktplatz von Werder wieder, auf dem eine große Eiche steht, die in 1870 gepflanzt wurde. Für Herbert muss jetzt wieder ein Eis her. Dann setzen wir uns noch ans Ufer der Föhse, während es schon wieder so dunkel am Himmel wird. Schön sieht das aus, direkt lila oder wie Tinte. Zurück am Stellplatz sind die meisten Wohnmobile nun weg; sie kamen wohl nur fürs Wochenende hierher. Der Abend ist angenehm ruhig auf dem Stellplatz, obwohl er ja sehr zentral gelegen ist.



diese Eiche auf dem Marktplatz ist von 1870



dunkel wird es am Himmel, aber Regen kommt keiner



unsere Tagesroute ca. 131km

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